Max Weiß
Die Völkerstämme im Norden Deutsch- Ostafrikas
Mhima-Sultan Kissilerobo aus Mpororo.
Die Völkerstämme
im Norden
DeutschOstafrikas
Von
Max Weiß
Oberleutnant, kommandiert beim Reichskolonialiimt
Mit 558 Abbildungen im Text, 21 ganzseitigen Tafeln und einer Karte
rv II 1 j T
BERLIN
f.
Verlag von Carl Marschner.
19 IO.
Alle Rechte vorbehalten.
Papier von der Dresdener Chromo- und Kunstdruck-Papierfabrik Krause und Baumann. Klischees von der Kunstanstalt Fischer und Dr. Bröckelmann, Berlin. Druck von Carl Marschner, Berlin SW. 68.
Seiner Hoheit Herzog Adolf Friedrich zu Mecklenburg,
dem Leiter der Deutschen wissenschaftlichen Zentralafrika-Expedition
1907/ 1908,
in tiefster Chrfurcht und Dankbarkeit
zugeeignet.
Vorwort
Es handelt sich in vorliegendem Buche nicht um eine streng wissen- schaftliche Arbeit, was ich hiermit ausdrücklich, besonders den Fach- gelehrten gegenüber, betone, sondern lediglich um eine Schilderung von Land und Leuten auf Grund eigener Beobachtungen in vierjähriger prak- tischer Tätigkeit auf afrikanischem Boden. Es war mir leider bei meiner angestrengten Tätigkeit als Topograph nicht möglich, eingehende Studien zu machen, wie ich es sehr gern getan hätte, denn weit fesselnder und viel- seitiger ist die Arbeit des Ethnographen als die des Topographen. Gibt es doch auf der Welt kein interessanteres Studienobjekt als den Menschen, ganz besonders den Naturmenschen, wie ich ihn dort draußen beobachten konnte. Nur in wenigen Mußestunden, meist abends am Lagerfeuer, ver- mochte ich meine Nachforschungen anzustellen, die somit naturgemäß keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben können und wollen.
In erster Linie kam es mir darauf an, einen Teil meines reichen Bildermaterials, das ich in recht mühseliger Arbeit — im ganzen sind es über 2000 Platten — dort draußen gesammelt habe, zu veröffentlichen. In dieser Absicht wurde ich durch Herrn Professor Dr. v. L u s c h a n , Direktor des Museums für Völkerkunde zu Berlin, bestärkt, der wiederholt und dringend den Wunsch geäußert hatte, daß ich mein für die anthro- pologische und ethnographische Wissenschaft sehr wertvolles Bilder- material allgemein zugänglich machen möchte. Diesem Wunsche schlössen sich die Herren Professor Karl von den Steinen, Berlin, und Professor Karl W e u 1 e , Leipzig, mit derselben Begründung an.
Meine anfänglichen Bedenken, in diesem Buche auch Aufnahmen unbekleideter Menschen zu bringen, wurden durch vorstehend genannte Herren und außerdem noch durch die Anthropologische Gesellschaft in Berlin, die gelegentlich meines Vortrages dortselbst einen Teil meiner Aufnahmen gesehen haben, mit dem Hinweise darauf zerstreut, daß ge-
VIII
VORWORT.
rade die Wiedergabe dieser Bilder wissenschaftlich von hoher Be- deutung sei.
Indem ich nun daranging, meine Absicht auszuführen, entstand für mich die große Schwierigkeit, die für die Herausgabe eines so reich illustrierten Werkes erforderlichen Mittel zu beschaffen. Schon war ich im Begriff, nach längeren vergeblichen Bemühungen meinen Plan wieder aufzugeben, da fand ich gnädige Unterstützung durch Seine Hoheit den Herzog Johann Albrecht zu Mecklenburg, Re- genten von Braunschweig. Weiterhin halfen mir zur Ver- wirklichung meines Planes die Königliche Gesellschaft der Wissenschaften zu Göttingen, die Herren Dr. Max Esser, Berlin, Albert Conze, Berlin, sowie die Firma Busch, Rathenow.
Durch verschiedene Umstände war ich gezwungen, den Text in wenigen Monaten niederzuschreiben, auch konnte ich nur meine außer- dienstlichen Stunden dazu benutzen. Ich möchte dies ausdrücklich be- tonen, damit an dem Texte eine milde Kritik geübt werden möge. Wen er nicht befriedigt, wem er keine Bereicherung seiner Kenntnisse bringt, der möge den bildlichen Teil des Buches als das Wesentlichste ansehen.
Die mir zur Verfügung stehende deutsche und englische Literatur habe ich mit herangezogen. Es sind folgende Werke: Stuhlmann, Mit Emin Pascha in's Herz von Afrika; Kandt, Caput Nili; Graf von Götzen, Durch Afrika von Ost nach West; Mitteilungen aus den Deutschen Schutzgebieten, herausgegeben von Dr. Freiherr von Danckelman; Zeitschrift für Ethno- logie; Merker, Die Masai; B a u m a n n , Durch Masailand zur Nil- quelle; K o 1 1 m a n n , Der Nordwesten unserer Ostafrikanischen Kolonie; Schurtz, Das afrikanische Gewerbe; Johns ton, The Uganda Protectorate; H o b 1 e y , Eastern Uganda. Last not least hat mir das vor kurzem erschienene Werk Seiner Hoheit des Herzogs Adolf Friedrich zu Mecklenburg: „Ins innerste Afrika" wertvolle Dienste geleistet.
Mit großer Anerkennung weise ich noch darauf hin, daß sämtliche in dem Werke wiedergegebenen Abbildungen (12 ausgenommen) mit einem Objektiv der Firma Busch, Rathenow aufgenommen sind, und nicht allein diese, sondern noch weitere 1600, von denen ich eine große Anzahl
VORWORT.
IX
in meinem im nächsten Jahre erscheinenden Reisewerke veröffentlichen werde. In mehr als dreijähriger Tätigkeit hat sich dieses Objektiv in glänzender Weise bewährt.
Allen denen, die die Herausgabe dieses Buches unterstützt haben, sage ich auch an dieser Stelle meinen herzlichsten Dank. Ich danke ferner Frau Stier für treue, fleißige Mitarbeit und Herrn Dr. M i 1 d b r a e d für seine Hilfe beim Korrekturlesen. Besonderen Dank schulde ich noch meinen Verlegern, die mit pekuniären Opfern, vor allem aber durch un- ermüdliche Arbeit bemüht waren, mein Buch in würdiger Weise heraus- zugeben.
Seine Hoheit den Herzog Adolf Friedrich zu Mecklenburg, dessen Gnade ich die Teilnahme an der so hoch- interessanten und erfolgreichen Zentral-Afrika-Expedition verdanke, bitte ich untertänigst, die Widmung dieses Buches anzunehmen.
BERLIN, im Dezember 1909
Max Weiß
Inhalts - Verzeichnis
VOEWOET
Seite VII— IX.
VEEZEICHNIS DEE TAFELN ÜND ABBILDUNGEN „ XIII- XX.
Abstammung und Wanderungen 1 — 4. Schilderung des Landes 4 — 17. Männer, Körperbau und Gestalt 17—24. Tätowierung 24. Haartracht 28. Schmuck 29. Kleidung 30. Waffen 30—32. Macht der Häuptlinge 32—34. Weiber, Körper- bau und Gestalt 35. Haartracht 36, 37. Schmuck 38. Kleidung 38, 39, Kin- der 39. 42. Viehzucht 42—48. Dorfanlage und Hüttenbau 48—54. Haus- gerät 54. Genußmittel 54. Geld und Wertmesser 54 — 56. Nyawingi 56 — 63. Mumusa 63 — 67. Seelenleben, Charaktereigenschaften und Familienleben 67, 68. Religionsanschauungen 69. Sprache 69, 70. Heirat und Geburt 70 — 74. Krank- heiten 74.
IL DIE WANJAMBO (WAPOEOEO, WAHUTU) . . . Seite 77—128.
Schilderung von Karagwe 77 — 88. Heiße Quellen von Mtagata 84 — 88. Schil- derung von Ankole 88 — 90. Männer, Körperbau und Gestalt 90 — 93. Täto- wierung 93. Haartracht 94. Schmuck 94, 95. Kleidung 95, 96. Tausch- artikel 96. Waffen 96. Jagd 98 — 101. Feuergewinnung 102. Weiber, Körper- bau und Gestalt, Tätowierung, Haartracht 102. Schmuck 102 — 104. Kleidung 105, 106. Kinder 106, 107. Ackerbau und Haustiere 107—109. Hüttenbau 109, 110. Hausgerät 110 — 112. Musikinstrumente 112. Nahrungs- und Genuß- mittel 113, 114. Erntefeste 114. Feindliche Haltung der Bevölkerung 114—118. Bierbereitung 118—120. Geld und Wertmesser 120. 121. Heirat 121. 122. Sprache 122—124. Charakterzüge 124—128.
Schilderung des Landes 129 — 132. Waganda-Männer, Körperbau und Gestalt 133. Tätowierung 134. Haartracht 134. Schmuck 134, 135. Kleidung 135, 136. Waffen 136, 137. Waganda-Weiber 138. Ackerbau und Viehzucht 138, 139. Nahrungs- und Genußmittel 139, 140. Hüttenbau 140. Hausgerät 140—142. Wertmesser 142. Heirat und Geburt 142—144. Krankheiten, Tod und Be- gräbnis 144. Musikinstrumente und Tänze 145 — 148. Schilderung der Land- schaft Kisiba 148. Waheia-Männer, Körperbau und Gestalt 149 — 151. Kleidung 151, 152. Waffen 152, 153. Jagd 153. Waheia-Weiber 154, 155. Ackerbau und Viehzucht. 156. Nahrungs- und Genußmittel 156—158. Haustiere 158. Fischfang 159. Ruderboote 160. 161. Hüttenbau 162. Hausgeräte 163. 164. Wertmesser 164. Heimat und Geburt 165, 166. Tod und Begräbnis 167. Be- grüßungsform 167, 168. Soziale Verhältnisse 168, 169. Musikinstrumente und Tanzfeste 170—174. Besuche bei dem Sultan Mutahangarua 174—180.
I. DIE WAHIMA (WATÜSSI)
n
1—76.
ID. DIE WAGANDA UND W AHEIA
Seite 129—180.
XII
INHALTS-VERZEICHNIS.
IV. DIE WAGEIA
Seite 181-240.
Abstammung und Bassenzugehörigkeit 181. Erster Eindruck von Land und Leuten. 181 — 185. Männer, Körperbau, Tätowierung, Haartracht 186. Schmuck 186—192. Kleidung 192, 193. Waffen 193—195. Krieg und Friedensschluß 195—199. Blutrache 199, 200. Jagd und Fischfang 200—203. Ackerbau und Viehzucht 203—205. Dorfanlage und Hüttenbau 205—208. Hausgeräte 208—210. Weiber, Körperbau, Tätowierung und Haartracht 210 — 212. Schmuck und Kleidung 212—216. Nahrungs- und Genußmittel 217—221. Heirat und Geburt und damit verbundener Aberglaube 221 — 229. Krankheiten. Tod und Begräb- nis 230 — 232. Religionsanschauungen und Aberglaube 232 — 236. Musik- instrumente und Tänze 237 — 240.
Das Land 241 — 244. Beeinflussung durch andere Stämme 244, 245. Männer. Körperbau. Tätowierung usw. 246—249. Haartracht 249—251. Schmuck 251 bis 257. Kleidung 257. 258. Bewaffnung und Kriegsschmuck 258 — 261. Kriegs- züge und Verhalten gegen die Fremden 261, 262. Kriegszug gegen die Bakulia 262—290. Jagd 290. Weiber 290, 291. Schmuck und Kleidung 292, 293. Kinder 294. Beschneidung der Knaben und damit verbundene Feste 294—299. Beschneidung der Mädchen 299, 300. Ackerbau und Viehzucht 300 bis 305. Dorfanlage und Hüttenbau 306. Hausgeräte 307 — 309. Nahrungs- und Genußmittel 309—311. Tauschartikel 311. Heirat und Geburt 312, 313. Krankheiten. Tod und Begräbnis 314. Musikinstrumente und Tänze 314 — 316.
VI. DIE MASAI UND WANDOEOBBO Seite 317-410.
Die Masaisteppe 317 — 330. Rassenzugehörigkeit 330 — 333. Masai-Männer, Körperbau, Tätowierung usw. 334 — 336. Beschneidung der Knaben 336 — 338. Haartracht 338. Schmuck und Kriegsschmuck 339 — 344. Kleidung 344 — 346. Waffen 347 — 354. Kriegszüge 355 — 364. Masai-Weiber 364 — 366. Beschneidung der Mädchen 366—368. Haartracht 368. Schmuck 368—370. Kleidung 370 bis 372. Viehzucht 372 — 374. Wanderung an eine neue Wolmstätte 374 — 376. Hüttenbau 376. 377. Hausgeräte 378. Nahrungs- und Genußmittel 378—381. Wertmesser 381, 383. Eisengewinnung und -Verarbeitung 382. Heirat und Geburt 382 — 386. Das Leben im Kraal der Verheirateten 387. Im Krieger- kraal 388—391. Wandorobbo, Stammeszugehörigkeit 391, 392. Männer 393, 394. Waffen und Ffeilgifte 394—398. Jagd 398—400. Weiber 400. Hüttenbau und Hausgeräte 401, 402. Das Leben im Kraal 403. Nahrungs- und Genuß- mittel 404, 405. Honiggewinnung 405, 406. Wertmesser 406. Heirat und Geburt 407, 408. Krankheiten und Tod 409.
Allgemeine. 41 1 414. KNentedmik 414 421). Holzindustrie 420. Milchgefäße 420—422. Löffelschnitzerei 422. 423. Köcherherstellung 423—425. Bootsbau 425—429. Pfeile 429—433. Töpferei 433—436. Tabakspfeifen 436—438. Flecht- arbeiten 438—439. Herstellung der Schilde 439. 440. Rindenstoff 440—442. Fellbearbeitung 442. 443.
V. DIE BAKULIA
Seite 241-316.
VII. DAS HANDWERK
Seite 411—443.
Verzeichnis der Tafeln und Abbildungen.
Titelbild Milium - Sultan Kissilerobo ;
aus Mpororo. ! Abt
Tafel I. Junge Waliima-Männer.
II. Wiahima-Männer. „ III. Junge Mädchen im Alter von „
13—14 Jahren. „ IV. Sultanin Mumusa.
V. Jüngling und Mann aus „ West-Mpororo. ,, VI. Wanjambo-Männer aus Ka- „
ragwe. ,, „ VII. Sultan Ruikika von Buddu
mit Thronfolger und Hof- ,, staat.
„ VIII. Waheia-Knaben. ,. „ IX. Reusenanlage der Wageia
im Gori-Fluß. „ X. Körperbau, Haartracht.
Schmuck und Kleidung- der ,,
Wageia- Weiber. XI. Wageia-Krieger. ,, XII. Kopfbildung. Haartracht und „
Schmuck der Bakulia-
Männer.
XIII. Bakulia-Krieger I.
XIV. Bakulia-Krieger II.
XV. Bakulia-Frauen. „ XVI. Tanzschmuck der beschnitte- nen Bakulia-Jünglinge. „ XVII. Durch den Mara-Fluß. XVIII. Masai- Weiher bei der Näh- arbeit. ,, XIX. In einem Wandorobbo- Kraal.
„ XX. Hochofen in Mpororo.
Seite
I. Die Wahima (Watussi).
Abb. 1. Kageraknie bei Kajonsa . . 3 „ 2. Durch den Rufua-Sumpf . 5 I „
Seite
3. Blick in ein Bananental . . 6
4. Auf den Bergen Mpororos
in 1600 m Höhe .... 7
5. Quarzitkuppen in Mpororo . 9
6. Mhima (Mtussi)-Mann . . 10
7. Mhima (Mtussi)-Mann . . 11
8. Sultan Kissilerobo mit sei-
nem Neffen 13
9. Mhima (Mtussi)-Jüngling . 15
10. Brusttätowierung- der Wa-
hima 16
11. Rückentätowiexung der Wa-
hima 17
12 u. 13. Haartrachten der Wa- hima 18
14 u. 15. Haartrachten der Wa- hima 19
16. Sultan Kissilerobo (Mitte)
mit Neffen (links) und
Onkel (.rechts) .... 21
17. Ältere Waliima-Männer . . 23
18. Haartracht und Haar-
schmuck der Männer . . 25
19. Männertrachten 26
20. Männertrachten 27
21. Männertrachten 28
22. Lendentucb 29
23. Tracht eines vornehmen
alten Mhima 31
24. Bewaffnete Wahima ... 33
25. Haartrachten der Frauen . 34
26. Haartracht 35
27. Haartrachten 36
28. Haartrachten 37
29. 12 jähriges Mädchen ... 39
30. Gestalt und Körperbau . . 40
31. Gestalt und Körperbau . . 41
32. Gestalt und Körperbau . . 43
33. Gestalt und Körperbau . . 45
XIV VERZEICHNIS DER TAFELN UND ABBILDUNGEN.
|
Seit 6 |
Seite |
||||
|
Abb. 34. |
Gestalt und Körperbau . . |
47 |
Abb. 64. |
Wahutu aus Nord-Ruanda |
88 |
|
35. |
Gestalt und Körperbau . . |
A A 49 |
65. |
Wanjambo aus Karagwe . |
C)(\ 89 |
|
36. |
/~i , Ii JJ TT" ^ T Gestalt und Korperbau . . |
FLA |
„ 00. |
14 jähriger Mliutu-Knabe . |
OA yu |
|
37. |
H jTI * ~R it" * 111 i. M hinia-Mischblut .... |
k 1 Ol |
07. |
Wanjambo-Männer aus Ka- |
|
|
., 38. |
Kleidertrachten der Irauen |
Od |
|||
|
Dl l oy. |
LTnterkloidung einer Mhiina- |
68. |
Haartracht |
92 |
|
|
69 |
u. 70. Haartrachten .... |
An 93 |
|||
|
40 99 HJ. |
RpVlpidnni? der Kranen 1 MMI 1 1 1 11 1 1 Utl -l l u UC11 . • |
56 |
71 |
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|
|
1 1 41. |
57 |
72. |
|||
|
4J. |
Waliima-Mädchcn mit Kan- |
„ 73. |
Älterer Mann aus Karagwe |
||
|
ga bekleidet |
oy |
||||
|
43. |
Mischblut-Kinder aus An- |
i>i |
„ 74. |
98 |
|
|
„ 75. |
Mann aus Karagwe mit |
||||
|
1 1 44. |
Wahima-Kinder aus Mpo- |
Tabaksbeutel |
99 |
||
|
62 |
„ 76. |
Wanjambo-Männer beim |
|||
|
45. |
M isclihlut-Kinder aus An- |
uo |
Feuererzeugen .... |
100 |
|
|
„ 77. |
Wahutu-Frauen aus Nord- |
||||
|
4b. |
M ischbl ut-Kindcr aus An- |
fipi |
101 |
||
|
„ 78. |
Wanjambo - Frauen aus |
||||
|
i — 4{. |
Rinder |
67 |
Mpoioro |
103 |
|
|
A O |
RS Oo fiQ oy |
„ 79. |
Wanjambo - Mädchen aus |
||
|
49. |
.Milchkuh mit Kall) .... |
104 |
|||
|
[ 1 1 i i 1 Ihm l\ Kxl 1 i> l'l ll II) l.'IMl 1 ' 1 1 IYir*^>i|i ii'iir' . • • |
71 |
80. |
Mädchen aus Ankole . . . |
105 |
|
|
Ol. |
Hütte in Nord-M pororo . |
72 |
., 81 |
u. 82. Weib aus West-Mpo- |
|
|
ITüfti» in S ii 1 1 - M i ii i ri irn | 1 1 1 l l 1 [ 1 1 1 } 1 1 l 1 .11 |'''l l ' 1 l ' |
73 |
roro in Seiten- und Vor- |
|||
|
O'J. |
T-*ihI n c f n r 1 1 1 \i"'i u'iii f'i mit J7IlirSiLLIIll A> ,\ < 1 \i l 1 1 1 Hill |
74 |
deransicht |
106 |
|
|
\fitiisfi»r ii ii 1 1 rl\ i eh t p l'n .Willis (|| Ulli! Ji'i 1 1 l tr l 11 . . |
„ 83. |
Weib aus Karagwe (Haar- |
|||
|
ftn 1 f -l n i ii ATnmns'i in ilii'cm o n i Lei n i n ^»1 n ii 1 1 1 .'m i in lni i in |
tracht) |
107 |
|||
|
Tri u i nrVi |
75 |
84. |
Mhutu - Weib aus Nord- |
||
|
108 |
|||||
|
II. Die Wanjambo. |
85. |
Wanjambo-Frauen aus Ka- |
|||
|
,. 55. |
In Karagwe an der Kagera |
78 |
|||
|
„ 56. |
Die Kagera nördlich von |
» 86. |
Junges Mädchen aus West- |
||
|
79 |
110 |
||||
|
57. |
Kagera-Fähre Kwa-Kikobe |
„ 87. |
Wanjambo-Frauen aus Ost- |
||
|
an der Nordostgrenze Ka- |
Mpororo |
111 |
|||
|
80 |
„ 88. |
12 — 14 jährige Wanjambo- |
|||
|
„ 58. |
Am Kagera-Ufer bei Nsun- |
Mädchen aus Karagwe . . |
112 |
||
|
81 |
„ 89. |
Wanjambo - Frauen und |
|||
|
59. |
Leberwurstbaum in der Ka- |
-Kinder aus Mpororo . . |
113 |
||
|
82 |
„ 90. |
Ältere Wanjambo - Weiber |
|||
|
., 60. |
Die heißen Quellen von |
114 |
|||
|
83 |
„ 91. |
Junge Wanjambo-Mädchen |
|||
|
„ 61. |
Badende kranke Eingebo- |
115 |
|||
|
rene in Mtagata .... |
85 |
» 92. |
Wanjamho-Kinder aus Ka- |
||
|
„ 62. |
Auf den Bergen Ankoles . |
86 |
116 |
||
|
,. 63. |
Auf den Bergen Ruandas in |
„ 93. |
Ein 14—16 jähriges Mn- |
||
|
2500 m Höhe |
87 |
jambo-Mädchen aus Mpo- |
VERZEICHNIS DER TAFELN UND ABBILDUNGEN.
XV
Seite
roro, dahinter Getreide- speicher 117
. 94. Hausgerät der Wapororo . 118
95. Wapororo bei der Eleusine-
Ernte 119
96. Eingeborene aus Ankole . 121
97. Mnjambo-Weib mit Tochter
aus Ankole 123
98. Junges Mnjambo - Mädchen
aus Ankole 124
99. Kinder aus Ankole .... 125
100. Kinder aus Ankole .... 126
101. In Ankole eingewanderte
Waheia 127
III. Die Waganda und Waheia.
102. Die Kagera unmittelbar vor
ihrer Mündung in den Viktoria-See 130
103. Waganda-Jünglinge . . . 131
104. Waganda-Männer .... 133
105. Mganda-Mädchen (links),
Mganda-Frau (rechts) . . 134
106. Mganda-Mädchen (links),
Mganda-Frau (rechts) . . 135
107. Junges Mganda-Weib . . 137
108. Waganda - Frauen und
Mädchen 139
109. Waganda-Weiber und -Kin-
der vor einem Bananen- hain 141
110. Waganda-Mütter mit Kin-
dern 143
111. Waganda-Knaben .... 145
112. Hütte eines armen Mganda
im Bananenhain .... 146
113. Kapelle des Waganda-Sul-
tans Kuikika 147
114. Waganda-Tanz 149
115. Mheia-Mann (links) und
-Jüngling (rechts) . . . 150
116. Mheia-Mann und -Jüng-
ling 151
117. Waheia-Männer .... 153
118. Ältere Waheia-Männer . . 154
119. Waheia-Weiber und -Kin-
der 155
Seite
Abb. 120. 8—14 jährige Waheia-Mäd-
chen 157
.. 121. 10— 14 jährige Waheia-Mäd-
chen 159
.. 122. Junge Waheia-Mädchen . . 161 „ 123. 10 jähriges Mheia-Mädchen . 162
124. Waheia-Knaben 163
„ 125. Waheia-Fischerfaniilie am
Strande des Viktoria-Sees 165 ., 126. Waheia- (und auch Wa- ganda-) Boot 166
.. 127. Waheia im Viktoria - See
badend 167
128. Kapelle des Sultans Muta-
hangarua von Kissiba . . 169 ,. 129. Tanzende Waheia-Männer . 170 130. TanzendeWaheia-Jüngliuge 171 ., 131. Tanzende W.aheia-Frauen . 173 .. 132. Tanzende Waheia-Mädchen 175 133. Ein an den Verfasser dieses
Buches gerichteter Brief
des Sultans Mutahangarua 177
134. Visitenkarte des Sultans
Mutahangarua mit eigen- händigem Daumenabdruck 179
IV. Die Wageia.
135. Wageia von Kisumu . . . 182
136. Wageia von Kisumu . . . 183
137. Wageia-Krieger 185
138 Wageia-Krieger 187
139. Ältere Wageia-Männer . . 188
140. Schmuck der Wageia-
Männer 189
141. Schmuck der Wageia-
Männer 191
142. Schmuck der Wageia-
Männer 192
143. Schmuck der Wageia-
Männer 193
144. Schmuck der Wageia-
Männer 195
145. Wageia-Männer aus Ki-
sumu 196
146. W'au'eia-Männer aus Ki-
sumu 197
147. Gesäßschmuck der Wa-
geia-Männer 19s
XVI
VERZEICHNIS DER TÄFELN UND ABBILDUNGEN.
Seite
Abb. 148. Schmuck der Wägeia-
Männer 199
.. 149. Wageia-Krieger .... 200
150. Wageia-Krieger .... "201
151. Wageia-Krieger .... 203 .. 152. Kämpfende Wageia . . . 204
153. Kämpfende Wageia . . . 205 .. 154. Geräte der Wageia . . . 206 155. Eingang zu einem be- festigten Dorf .... 207 ,. 156. In einem Wageia-Dorf bei Karungu (vorn rechts 2 Getreidespeicher) . . . 209 157. Hütte und Hausgerät der Wageia (vorn links Ge- stell eines Hüttendaches
in Arbeit) 211
.. 158. 12—14 jährige Wageia-
Mädchen 212
159. Körperbau und Täto- wierung 213
10(1. Körperbau. Tätowierung
und Schmuck 214
161. Körperbau und Schmuck . 215
.. 162. Haartracht 216
.. 103. Haartracht und Schmuck . 217 .. 164. Haartracht und Schmuck . 218 .. 165. Haartracht und Schmuck . 219 .. 166. Haartracht und Schmuck . 220 „ 167. Körperbau, Haartracht und
Schmuck 221
168. Kleidung, Haartracht und
Schmuck 222
169. Kleidung, Haartracht und
Schmuck 223
170. Mgeia-Mädchen und Mgeia-
Frau in Kisumu .... 224
171. Mit Kaurimuscheln ge-
schmückte Fellkleidung älterer Wageia-Weiber . 225
172. Haartracht und Schmuck
der Wageia-Kinder . . 226
173. Haartracht und Schmuck
der Wageia-Kinder . . . 227 „ 174. Bewaffnete Wageia-Knaben 228 175. Wageia-Kinder in ihrem
Dorfe . . 229
.. 176. Wageia-Einder 231
Seite
Abb. 177. Waffen und Instrumente
der Wageia 233
., 178. Wageia-Harfenspieler . . 234 179. Links Tanz — , rechts Kriegstrompete der Wa- geia 235
„ 180. Bewohner der Halbinsel Mohurru, angebliche Wa- geia 237
181. Bewohner der Halbinsel
Mohurru, angebliche Wa- geia 239
V. Die Bakulia.
182. Gestalt und Körperbau der
Bakulia-Männer .... 242
183. Gestalt und Körperbau der
Bakulia-Männer .... 243
184. Tätowierung, Haartracht
und Schmuck 244
185. Durchbohren des Ohrläpp-
chens durch den Medizin- mann 245
186. Haartracht und Schmuck
der Bakulia-Krieger . . 247
187. Ohrtracht und Schmuck der
Bakulia-Männer .... 248
.. 188. Haartracht der Bakulia- Männer 249
189. Haartracht der Bakulia- Männer 250
.. 190. Haartracht der Bakulia- Männer 251
191. Haartracht und Schmuck
der Bakulia-Männer . . 253
.. 192. Schmuck und Kopf- bedeckung 254
,, 193. Schmuck eines Bakulia-
Kriegers 254
„ 194. Kopfbedeckung und Schmuck
eines Bakulia-Kriegers . 255
195. Schmuck und Bekleidung
der nicht beschnittenen Bakulia-Jünglinge . . . 256
196. Schmuck und Bekleidung
der nicht beschnittenen Bakulia-Jünsdinge . . . 257
VERZEICHNIS DER TAFELN UND ABBILDUNGEN. XVII
Seite
Abb. 197. Schmuck und Bekleidung der nicht beschnittenen Bakulia-Jünglinge . . . 250
198. Flötende Hirtenknaben . . 261
199. Bakulia-Krieger 263
200. Bakulia-Krieger 264
201. Bakulia-Krieger 265
202. Bakulia-Krieger 266
203. Bakulia-Krieger 267
204. Bakulia-Frau 268
205. Bakulia-Mädchen (links und in der Mitte); Bakulia- Frau (rechts) 269
, 206. Bakulia-Frauen (Rück- ansicht) : Bakulia-Mäd- chen (Vorderansicht) . . 270 207. Tätowierung eines Bakulia-
W eib es 271
, 208. Schmuck, Haartracht und Kleidung der Bakulia- Frauen 272
„ 209. Schmuck. Haartracht und Kleidung- der Bakulia- Frauen 273
. 210. Schmuck. Haartracht und Kleidung der Bakulia- Frauen und -Mädchen . . 274
211. Schmuck und Kleidung äl-
terer Bakulia-Weiber . . 275
212. Schmuck Haartracht und Kleidung der Bakulia- Mädchen 276
213. Bakulia-Kinder 277
214. Junge Bakulia-Mädchen . . 278
215. Frauen und Mädchen auf der Grenze zwischen Ba- kulia- und Wageia-Gebiet 279
216. Bakulia-Kinder 280
217. Bakulia-Kinder 281
218. Bakulia-Kinder 282
219. Bakulia-Kinder 283
220. Bakulia-Kinder 283
221. Kopfschmuck und Bemalung der beschnittenen Baku- lia-Jünglinge 285
222. Tanzschmuck der beschnit- tenen Bakulia-Jünglinge 286
Seite
Abb. 223. Tanzschmuck der beschnit- tenen Bakulia-Jünglinge 287 224. Kopfschmuck eines be- schnittenen Bakulia- Jünglings (in der rechten Hand eine Holzkeule) . . 288 ., 225. Kopfschmuck eines be- schnittenen Bakulia- Jünglings (in der rechten Hand ein Pfeil) .... 289
226. Tanzschmuck der beschnit-
tenen Bakulia-Jünglinge . 291
227. Bemalung und Tanzschürze
eines beschnittenen Baku- lia-Jünglings 292
228. Tanz der beschnittenen Ba-
kulia-Jünglinge .... 293 ., 229. Schmuck. Topf und Besen der beschnittenen Baku- lia-Mädchen 295
230. Kopf- und Halsschmuck
eines beschnittenen Ba- kulia-Mädchens .... 296
231. Tracht eines beschnittenen
Bakulia-Mädchens . . . 297
., 232. Bakulia-Kinder 298
.. 233. Negerhirse (links) und
Eleusine (rechts) . . . 299 „ 234. Geräte, Speere und Tanz- trommeln der Bakulia . . 301 „ 235. Im Innern eines Bakulia-
Dorfes 302
.. 236. Befestigtes Bakulia-Dorf . 303 „ 237. Geräte der Bakulia . . . 304 .. 238. Geräte der Bakulia . . . 305 „ 239. Tanztrommeln und Kriegs- trompeten der Bakulia . 307 ,. 240. Bakulia-Weib beim Mehl- mahlen 308
.. 241. Bakulia-Weib heim Kochen 309 ,. 242. Schnupfender Bakulia-
Mann 310
„ 243. Schnupfender Bakulia-
Mann 310
.. 244. Pombetrinkende Bakulia-
Männer 31]
.. 245. Tanz der Bakulia-Weiber . 312
XVIII VERZEICHNIS DER TAFELN UND ABBILDUNGEN.
Seite
Abb. 246. Tanz der Bakulia-Weiber . 313 „ 247. Tanz der Bakulia-Weiber . 314 ,. 248. Tanz der Bakulia-Weiber . 315
VI. Die Masai und Wandorobbo.
249. Der Kibo, das Schnee- und Eisplateau des Kilima- ndscharo (vom Lager Lei-
tokitok aufgenommen) . . 319
,, 250. Der Mawensi (zum Kilima- ndscharo gehörig-) . . . 320 251. Dichter Urbusch am Kilima- ndscharo 321
., 252. Felsblock in der Masai-
Steppe 323
„ 253. Der Meru-Berg, im Vorder- grunde Militärstation
Aruscha 325
254. Felskuppen auf den nörd- lichsten Ausläufern des Kilimandscharo .... 327
„ 255. Am Tschnlla-See ..... 329 256. Masai-Krieger (Körperbau
und Gestalt) 331
,, 257. Masai-Krieger (Körperbau
und Gestillt) 331
„ 258. Masai-Krieger (Körperbau
und Gestalt) 332
,. 259. Kopfbildung. Haartracht und Schmuck der Masai- Krieger 333
,, 260. Zopfflechtender Masai- Krieger 335
261. Masai-Krieger (Tracht und
Speer) 337
„ 262. Masai-Krieger (Schmuck,
Tracht und Speer) . . . 337
„ 263. Masai-Jünglinge (Kopf- schmuck und Tracht) . . 339
„ 264. Masai-Jünglinge (Kopf- schmuck und Bewaffnung) 340
., 265. Masai in Kriegsschmuck und Waffen (Mütze aus
Löwenfell) 341
206. Masai in Kriegsschmuck und Waffen (Mütze aus Löwenfell) 341
Seite
Abb. 267. Masai-Krieger (Schmuck
und Tracht) 342
„ 268. Masai - Krieger (Tracht,
Schmuck und Waffen) . . 343 ,, 269. Masai-Krieger (Tracht,
Schmuck und Speer) . . 345 „ 270. Kleidung und Schmuck der
Masai-Krieger .... 346 „ 271. Tracht und Waffen der
Masai-Krieger 347
„ 272. Masai-Krieger (Schmuck.
Haartracht und Kleidung 348 „ 273. Masai-Krieger 349
274. Maasi-Krieger (Schmuck,
Haartracht und Kleidung) 350
275. Ältere Masai-Männer (Klei-
dung) 351
„ 276. Ältere Maisai - Männer
(Schmuck) 353
277. Masai-Speere (ältere und
neuere Formen) .... 354 ., 278. Masai-Weib (Schädelbil- dung) 355
„ 279. Haartracht (Schmuck und
Tracht der Masai-Mäd-
chen) 357
., 280. Masai-Mädchen (Körperbau
und Gestalt) 359
„ 281. Masai-Mädchen (Körperbau
und Gestalt) 360
„ 282. Masai-Mädchen (Körperbau
und Gestalt) 361
,. 283. Haartracht, Schmuck und
Kleidung der Masai-
Frauen 363
,. 284. Schmuck einer jungein
Masai-Frau 365
„ 285. Abnehmen der eisernen
Drahtspiralen 367
„ 286. Abnehmen der eisernen
Drahtspiralen 369
„ 287. Abnehmen der eisernen
Drahtspiralen 371
., 288. Schmuck der Masai-
Frauen und -Mädchen . . 372 „ 289. Schmuck und Tracht der
älteren Masai-Weiber . . 373
VERZEICHNIS DER TAFELN UND ABBILDUNGEN.
XIX
Seite
Abb. 290. Schmuck und Tracht einer
Masai-Frau 374
291. Schmuck der Masai-Frauen 375
292. Schmuck und Tracht der
Masai-Frauen 376
„ 293. Schmuck und Bemalung der Masai-Frauen und Mäd- chen 377
294. Kleidung der Masai-Frauen 379 „ 295. Kleidung der Masai-Frauen 379 .. 296. Schmuck und Tracht der
kleinen Masai-Mädchen . 381
.. 297. Masai-Kinder 383
.. 298. Masai-Rinder 383
.. 299. Masai-Kraal in der Steppe 384
.. 300. Im Masai-Kraal 385
.. 301. Masai-Ehepaar auf der
Wanderung 386
., 302. Tanz der Masai-Mädchen . 387
303. Masai-Mischblut am Meru-
Berg 383
304. Masai-Mischblut am Meru-
Berg 389
305. Masai-Mischblut am Meru-
berg 390
., 306. Ndorobbo-Mann (Körper- bau und Gestalt) ... 392
.. 307. Ndorobbo-Mann (Körper- bau und Gestalt) .... 392
„ 308. Ndorobbo-Mann ( Körper- bau und Gestalt) .... 393
.. 309. Ndorobbo-Mann (Körper- bau, Gestalt und Ohr- schmuck) 393
„ 310. Ndorobbo-Jünglimg (Kör- perbau und Gestalt) . . 395
„ 311. Ndorobbo-Mann (Tracht) . 395
„ 312. Schmuck und Tracht der
Wandorobbo-Männer . . 397
., 313. Wandorobbo - Männer (Schmuck, I [aartracht und Kleidung (rechts ein Häuptling mit umgehäng- ter Schnupftabaksdose) . 399 „ 314. Wandorobbo-Männer mit
ihren Kindern 401
315. Wandorobbo-Frauen . . . 403
„ 316. Wandorobbo-Frauen • ■ • 404
Seite
Abb. 317. Wandorobbo-Frauen und
-Kinder 405
, 318. Vor einem Wandorobbo-
Kraal 407
„ 319. Wandorobbo-Kinder ... 408
., 320. Wandorobbo-Kinder . . . 409
VII. Das Handwerk.
.. 321. Schmiede bei der Arbeit
(Ankole) 412
„ 322. Messer, Pfeilspitze und
Hämmer der Schmiede . 413
„ 323. Eisendraht, Locheisen, Klammern, Stabeisen und Hämmer der Schmiede . 413
„ 324. Auf Lohnwerk gehende
Schmiede 414
„ 325. Schmiede in einem Ba- nanenhain Ankoles . . . 415 „ 326. Blasebalg in seine Bestand- teile zerlegt: rechts Hand- werkszeug der Schmiede . 416 „ 327. Drahtzieher bei der Arbeit
(Karagwe) 417
„ 328. Drahtzieher bei der Arbeit
(Kisiba) 418
„ 329. Holzarbeiter bei Herstel- lung eines Milchgefäßes
(Ankole) 419
„ 330. Löffelschnitzer bei der Ar- beit (Ankole) 419
„ 331. Köcherschnitzer aus Ka- ragwe 420
„ 332. Waheia- (Waganda-) Boot
am Viktoria-See .... 421 „ 333. Handwerkszeug und Art der Ausführung zur Her- stellung eines Einbaumes . 422 334. Herstellung ein.es Pfeiles, rechts das hierzu er- forderliche Handwerks- zeug 423
„ 335. Pfeilschnitzer bei der Ar- beit 424
336. Korbllechtorin (links) und
Töpferin (rechts) bei der Arbeit (Buddu) .... 424
337. Töpferinnen bei der Arbeit
(Kisiba) 425
XX VERZEICHNIS DER TAFELN UND ABBILDUNGEN.
Seite
Abb. 338. Töpferin bei der Arbeit
(Uganda) 426
„ 339. Korbflechterin (links) und Töpferin (rechts) bei der Arbeit (Uganda) .... 426
,, 340. Bakulia-Töpferinnen bei
der Arbeit 427
341. Herstellung von Tabaks-
pfeifen, rechts neben dem Manne das Handwerks- zeug (Ankole) 428
342. Bakulia-Männer bei Her-
stellung von Tabaks- pfeifen 429
343. Mattenflechter aus Ka-
ragwe: dahinter fertige
Matten 430
344 Mattenflechter aus Karagwe
bei der Arbeit .... 431
„ 345. Maheia-Mädchen bei der
Flechtarbeit 432
340 Mu'anila-Weib beim Korb- flechten 433
., 347 Bakulia-Weib beim Korb- flechten 433
., 348. Herstellung eines Mheia-
Seite
Grasschurzes (erstes Sta- dium) 434
Abb. 349. Herstellung eines Mheia- Grasschurzes (zweit. Sta- dium) 435
350. Bakulia-Mann beim Anferti- gen eines Schildes . . . 435
., 351. Abschälen der Rinde des Ficus-Baumes (erstes Sta- dium) 436
„ 352. Abschälen der Rinde des Ficus-Baumes (zweites Stadium) 437
„ 353. Holzhammer und Rinden- stück zur Herstellung des Rindenstoffes 439
„ 354. Rindenstoffarbeiter bei der
Tätigkeit 439
„ 355. Bau einer Waganda-Hütte
erstes Stadium) .... 440
„ 356. Bau einer Waganda-Hütte (zweites Stadium), Ein- setzen des Mittelpfeilers 441
„ 357. Das fertige Hüttengestell . 442
„ 358. Das Eindecken der Hütte
mit Gras 443
Die wahrscheinliche Zugrichtung der Wahima und Masai.
1. Die Wahima (Watussi).
ind die Wahima Semiten oder Hamiten? Diese Frage ist bis heute von den Fachgelehrten noch nicht gelöst. Man wird aber wohl in der Annahme nicht fehlgehen, daß die Wahima keine in Afrika eingeborenen Neger sind, sondern ein fremdes, hier erst eingedrungenes Element. Vor einer langen Spanne von Jahren sind sie vermutlich aus Asien über die Landenge von Suez eingewandert und haben sich dann nilaufwärts bis ins Herz von Afrika er- gossen, die dort wohnenden Völker niedergeworfen und sich zu Herrschern dieser Gebiete gemacht. Das in Afrika eingeborene Element ist der Neger. Als ältesten Vertreter dieser Rasse sieht man nach dem heutigen Stand der Forschung neben den Pygmäen und Buschmännern den Sudan- neger an. Zwischen diese haben sich dann als Keil die Bantu geschoben. Nähere Angaben über das Wie und Wann fehlen, ebenso darüber, ob die Bantu reine Neger oder Mischblüter sind. Bei den außerordentlich starken Verschiebungen, die im Laufe der Jahrtausende stattgefunden haben, dürften genaue Feststellungen hierüber nicht mehr gut möglich sein. Bevor anderes abgeschlossenes Beweismaterial vorliegt, folge ich der Ansicht derer, die das Volk der Wahima (Watussi) als ein hamitisches, die Masai als Semiten und die Bantu als reine Neger bezeichnen.
Eine weitere offene Frage bleibt: Sind die Hamiten und Semiten verwandte Rassen oder nicht; und gehen wir noch einen Schritt weiter: Lassen sie sich auf denselben Ursprung zurückführen? Was verstehen wir unter Rassen? Wir fassen unter dem Begriff „Rasse" die Menschen zu Gruppen zusammen, die sich wenig oder gar nicht voneinander unter- scheiden. Maßgebend für diese Einteilung in Rassen sind in erster Linie Ähnlichkeit bezw. Abweichung in Schädelbildung, Farbe, Wuchs und auch in geistigen Eigenschaften. Man kann die Menschen kurz in drei Grund- rassen einteilen und sie nach ihrer Hautfarbe, zu denen selbstverständlich
Weiß, Die Völkerstämme im Norden Deutsch-Ostafrikas.
1
2
DIE WAHIMA (WATUSSI).
noch bedeutsame andere unterscheidende Merkmale treten, als weiße, gelbe und schwarze Rasse bezeichnen. Aus diesen Urrassen haben sich dann im Laufe der Jahrtausende eine Reihe Zweigrassen entwickelt.
Eine dieser Zweigrassen sind die Hamiten; zu ihnen rechne ich die Wahima. Wie nachstehende Abbildungen es deutlich veranschaulichen, sind die Wahima (Watussi) typische Langschädel. Als Stammvater der semitischen Völker gilt der homo mediterraneus, die Mittelmeer- rasse: Langschädelmenschen mit edler Gesichtsbildung, schlankem Wuchs, schwarzem, oft krausem Haar, mit braunen Augen und einer bald helleren, bald dunkleren Hautfarbe. Haben wir in diesem homo mediterraneus auch den Stammvater der h a m i t i s c h e n Völker zu erblicken?
Auf einen sehr wichtigen Punkt möchte ich bei dieser Gelegenheit noch hinweisen: Wir dürfen keinesfalls die Sprache als Rassemerkmal gelten lassen, das kann nur zu Irrtümern führen. Sprachen lernt und ver- lernt der Mensch, legt sie ab, nimmt eine neue an, kurz wechselt sie, wie man einen Rock wechselt. Dagegen die vorstehend als Rassemerkmale angegebenen Symptome (Schädelbildung usw.) bleiben untrügliche Wahr- zeichen. Die Geschichte lehrt uns, daß der siegreich vordringende Er- oberer, selbst wenn er in bedeutender Minderheit ist, den unterworfenen Völkern seine Sprache aufzwingt; oft aber auch — und das liegt bei den Wahima vor — nimmt der Sieger Sprache und zuweilen auch Sitten und Gebräuche des unterworfenen Volkes an.
Forschen wir nach dem Grunde der Völkerwanderung der Hamiten, Semiten und vieler anderer Völker, so sehen wir, daß es nicht etwa Taten- durst oder ein unbezwinglicher Wandertrieb gewesen ist, der die Menschen veranlaßt hat, die heimische Scholle zu verlassen, sondern, wie auch heute noch, durch zu starke Vermehrung entstandener Raum- und Nahrungsmangel. Niemals ist eine ganze Rasse ausgewandert, sondern siets nur der Überschuß. Fast immer haben diese Völkerwellen die ein- gesessene Bevölkerung vertrieben oder unterjocht.
Für die Zeitangabe der Völkerwanderung der Hamiten und Semiten sind sichere Grundlagen bisher nicht vorhanden, doch dürfte die Merkersche Zahl 5000 nicht zu hoch und die von Kollmann angenommenen 400 Jahre viel zu tief gegriffen sein. Welch lange Zeiträume waren nicht erforderlich zur Umgestaltung der Erdoberfläche, bis sie ihr heutiges Aussehen erhielt! Unendlich langsam, nur schrittweise, in ihrem Gange für das Menschenauge kaum wahrnehmbar, ist im Laufe der Jahrtausende die Entwicklung der Erde und ihrer Lebewesen vor sich gegangen. Warum sollen sich die Entwicklung des Menschen und die Verschiebungen der Rassen in so erheblich kürzerer Zeit vollzogen haben?
Anhaltspunkte für die Marschrichtung der Wahima geben uns folgende Feststellungen: Stanley traf in Katwe, im Norden des Albert
DIE WAHIMA (WATUSSI).
3
Edward-Sees, einen vornehmen Mtussi-Chef und die Expedition des Herzogs Adolf Friedrich zu Mecklenburg sah bei Irumu, westlich des
Albert-Sees, reine Watussi, die in auffallendem Gegensatz zu den dort eingeborenen Wawira standen. (Skizze.)
I
DIE WAHIMA (WATUSS1).
Eine weitere offene Frage ist: Haben die Züge der Wahima und Masai gleichzeitig stattgefunden, und sind diese Völker auf demselben Wege nach Süden vorgedrungen? — Es ist also ein dringendes Bedürfnis, daß diese so hochinteressante Frage durch eingehende Erforschung und Verfolgung des Zuges dieser Völkerwanderung geklärt wird. Der Mann, der berufen war, diese Aufgabe zu lösen, und von Leipziger Fachkreisen auch schon dazu auserlesen war, Hauptmann Merker, ist leider der Wissen- schaft und dem Kolonialdienste durch allzu frühen Tod entrissen.
Die folgenden Zeilen behandeln die zur Rasse der Hamiten ge- hörigen Wahima oder Watussi. Der Hauptsitz der Wahima (Watussi) ist Ruanda und Mpororo, in denen sie auch unbedingte Herrscher sind. Sie haben sich noch weiter über diese Landschaften hinaus ausgedehnt, doch treten sie hier nur vereinzelt auf und beherrschen auch nicht mehr das Land. So finden wir Wahima in Ankole, Karagwe, auch noch in Uganda und bis südlich des Viktoria-Sees sogar. Ihr Vorkommen dort ist jedoch kein Beweis dafür, daß die Völkerwelle bis hier heruntergereicht hat; ebensowenig wie Berechtigung vorliegt zu der Annahme, daß in Uganda ein anderer hamitischer Stamm eingewandert ist. Es handelt sich nach meinen Erfahrungen nur um vereinzelte, meist verarmte Wahima, die wegen ihrer Kenntnisse in Pflege und Behandlung der Rinder von den Häuptlingen dieser Gebiete als Hirten angeworben sind. Wiederholt haben Häuptlinge Ugandas und Ankoles die viel hübscheren Wahima- frauen geheiratet, so daß wir nicht selten Mischblüter in diesen Ländern treffen. Ganz fraglos hat auch der Sultan von Ankole Mhimablut.
Bevor ich die Menschen bespreche, will ich eine kurze Schilderung des Landes vorausschicken.
Es wird mir von der einen oder anderen Seite vielleicht der Vor- wurf gemacht werden, daß derartige geographische Betrachtungen hier nicht hergehören, doch bin ich der Ansicht, daß zur Beurteilung des Volkes auch eine Charakteristik des Landes, in dem es wohnt, notwendig ist.
Die Landschaft Mpororo, in der ich Gelegenheit zu nachstehenden Forschungen und Aufnahmen fand, liegt nördlich und westlich von der Kagera. Im Nordosten grenzt Mpororo an die englische Landschaft Ankole (etwa bei 30° 37'). Die Nordgrenze bildet der Kalenge-See mit seinen Zu- und Abflüssen (bei 0° 54' südlicher Breite). Im Westen ist etwa der 30. Grad östlicher Länge die Grenze.
Mpororo ist ein Bergland mit weiten, zwischen den Höhenzügen ge- legenen welligen Grassteppen, die eine hervorragende Viehweide bilden. Während die Berge im Osten Mpororos 1660 — 1760 m hoch sind, er- reichen die Gebirge im Westen, also am 30. Längengrad, eine Höhe von 2000 — 2300 m. Die hügeligen Grassteppen liegen 1350 — 1400 m hoch. Sie
DIE WAHIMA (WATUSSI).
sind zum Teil sehr wildreich; wir finden hier Zebra, Jimera, Pferde- antilopen, Wasserbock, Schwarzfersenantilope (Swala), Riedbock, Hücker,
Zierböckchen und andere kleinere Antilopenarten. In der Kagera selbst gibt es zahlreiche Krokodile und Flußpferde, letztere wandern sogar den
6
DIE WAHIMA (WATUSS1).
schnellfließenden Kakitumbe-Bach aufwärts. Ich habe es übrigens wieder- holt beobachtet, daß Flußpferde mit Vorliebe reißende Flüsse stromauf
schwimmen, ja sogar häufig Wasserfälle überklettern. Eine ganz besonders wildreiche Steppe liegt zwischen dem Kageraknie bei Kanjonsa (Abb. 1),
DIE WAHIMA (WATUSSI).
7
und Zebrarudel bis zu 400 Stück gesehen. Daß in so wildreichen Gebieten auch Löwen vorhanden sind, verstellt sich von selbst.
8
DIE WAHIMA (WATUSSI).
Diese meine Beobachtungen widerlegen zum Teil die Ausführung Stuhlmanns, der annimmt (siehe „Mit Emin Pascha ins Herz von Afrika", Seite 251), daß Zebra und zahlreiche Arten von großen Antilopen westlich der Kagera nicht mehr vorkommen. Uebereinstimmend mit Stuhlmann konnte ich aber feststellen, daß die Kagera für das Nashorn die Grenzlinie nach Westen und Norden ist. Stuhlmann hat im Jahre 1890 in Mpororo in Nähe der Kagera auch noch Elefanten gesehen. Von diesen war aber zur Zeit meiner Anwesenheit 1903 und 1904 nichts mehr zu spüren. Die einzigen Überreste des früheren großen Elefantenreichtums fand ich in dem Sumpfgebiet bei der englischen Station Mbarara in Ankole, und zwar eine Herde von 80 — 90 Stück.
Ganz Mpororo ist als durchaus gesund zu bezeichnen. Selbst an den tiefgelegenen Punkten in Nähe der zum Teil versumpften Wasserläufe (wie z. B. des Rufua) habe ich nie Moskitos bemerkt. Die höchste von mir in mehr als drei Monaten gemessene Tagesternperatur betrug 32° C.. bei meinen nächtlichen astronomischen Beobachtungen im Steppenland bei Nyawingi schwankte die Temperatur zwischen 12 und 15° C.
Die große Regenzeit, die, nicht gerade zur Freude des Topographen, Anfang September mit einem gewaltigen Gewittersturm, der mein Zelt umwarf, einsetzte, dauert sechs Wochen. Die kleine Regenzeit fällt in die Monate März — April. Die Trockenzeit erreicht ihren Höhepunkt in den Monaten Juli und August. Zu dieser Zeit gewähren die ausgedörrten Steppen mit ihrem strohgelben Grase eben keinen erfreulichen Anblick, und man muß sich immer wieder verwundert fragen, wie es möglich ist, daß die zahlreichen, kraftstrotzenden Wildherden an diesem verdorrten Grase Nahrung genug finden können. Die Luft ist dick und dunstig, und ein starkes Flimmern erschwert das Beobachten und Arbeiten ganz außer- ordentlich. Besonders unangenehm aber wird der Aufenthalt in diesem Steppenlande, wenn einige Wochen vor Beginn der großen Regenzeit die Eingeborenen die Grassteppen in Brand setzen und Qualm und Rauch jede Fernsicht unmöglich machen.
Wiederholt trieb mir der Wind die Steppenbrände unter lautem Prasseln und Knattern auf mein Lager zu. Dann hieß es schleunigst mit allen verfügbaren Kräften Gegenmaßregeln zur Abwehr des Feuers treffen. Meist genügte es schon, wenn man in weitem Umkreise das Gras und Strauchwerk beseitigte. Häufig aber ließ ich zur größeren Sicherheit ein Gegenfeuer anlegen. Vor der Rauchwolke konnte man zahlreiche Vögel beobachten, die unseren Schwalben gleich im Fluge sich gewandt die vom Feuer aufgescheuchten Insekten fingen. Dort aber, wo das Feuer gewütet, bot die kahle, schwarze Steppe einen trostlosen Anblick dar, und so mancher verkohlte Leichnam von Schildkröten, Schlangen und anderen Lebewesen, so mancher verbrannte Strauch und junge Baum legten Zeug-
DIE WAHIMA (WATUSSI).
II)
DIE WAHIMA (WATUSSI).
nis ab von der verheerenden Kraft des Steppenbrandes. Unschädlich sind diese Steppenbrände in der Regel für ausgewachsene Bäume. Sobald der erste Regen die verkohlten Flächen getroffen, sprießt fast zusehends ein üppiger, prachtvoll frischgrüner Graswuchs empor; die denkbar beste Viehweide.
Abb. 6. Mhima (Mtussi)-Mann.
Wunderbar genußreiche Stunden bereiteten mir diese Feuerbrände nach eingebrochener Dunkelheit. Wenn ich nach angestrengter Tages- arbeit die müden Glieder im langen Stuhle vor dem Zelt ruhte und die Blicke iiber die Berge Mpororos schweifen ließ, dann sah ich die Flammen, oft in langer, breiter Front, oft in vielgewundener Zickzacklinie, die zuweilen sogar die Form von Buchstaben annahm (so konnte ich wieder-
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holt den Buchstaben M beobachten), die Hänge hinauf- und hinabzüngeln. Auf meine Fragen, warum die Eingeborenen oft viele Stunden weit in die Steppen wandern, um diese Grasbrände anzulegen, bekam ich folgende Antworten: Einmal tun es die Viehhirten, um für ihre Rinder saftige, grüne Weide zu schaffen, dann aus gleichem Grunde die Jäger, um das
Abb. 7. Mliima (Mtussi)-Mrtnn.
sonst weit in der Steppe zerstreute Wild anzulocken, in den meisten Fällen aber sagten sie mir, daß sie auf diese Weise Regen machten. Jedenfalls trifft nach Ansicht der Eingeborenen ihr Mittel unfehlbar zu; sie brennen eben so lange, bis der Regen da ist.
Die Ebenen Mpororos sind dünn bevölkert. Es liegt dies im Charakter des ganzen Landes. Die Steppe reizt den Eingeborenen nicht
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zur Besiedlung und Bebauung, er findet für seine Zwecke weit günstigere Bedingungen in den Bergen Mpororos, die im Westen sogar außer- ordentlich dicht bevölkert sind.
Es werden in erster Linie gebaut: Süßkartoffeln (Bataten), Erbsen, Bohnen, Sorghum, Negerhirse (Durrha), Eleusinekorn, Mais, Kürbis und als Genußmittel Tabak. Im Osten Mpororos finden wir auch noch die Banane recht häufig. Sie hört jedoch bei etwa 30" 20' östlicher Länge auf und findet sich dann erst wieder in den Tälern der westlichen Randberge. Ich habe im allgemeinen die Wahrnehmung gemacht, daß die Banane nur bis zu einer Höhenlage von 1700 m gedeiht, mit einer Ausnahme, im Vulkangebiet nämlich, wo sie auf dem üppig fruchtbaren Lavaboden bis zu 2000 m Höhe, allerdings in nur kleinen Exemplaren, vorkommt. Anscheinend gebraucht die Banane in den tiefergelegenen Gegenden (wie bei Bukoba) ein gewisses tropisches Klima oder aber die gesteigerte Feuchtigkeit der unteren Bergregionen, wie in den Randbergen. So fehlt sie naturgemäß in Gegenden, die reinen Steppencharakter tragen, wie in Rufua und beim Sultan Katreia.
Es liegt fraglos im Interesse der Erziehung des Negers zur Arbeit und Kultur, wenn er wenig oder gar keine Bananen baut, denn der einmal angelegte Bananenhain ernährt den Neger mühelos. Es ist ja nur erforder- lich, die Banane, die ihre Schuldigkeit getan hat, abzuschlagen und dann und wann einmal das Unkraut auszujäten, eine Arbeit, die fast durchweg von den Frauen ausgeführt wird. Der Ackerbau hingegen erfordert eine erhebliche Mehrarbeit, so daß hier die Männer sowohl bei der Bestellung der Felder, als auch bei der Ernte mitarbeiten müssen.
Während sich in der Nähe des Viktoria-Sees noch zahlreiche Bananenrassen vorfinden, tritt hier in Mpororo eigentlich nur eine Banane mit verhältnismäßig kurzer Frucht auf, die nach Europäergeschmack gerade nicht verlockend ist, ganz im Gegensatz zu verschiedenen Bananenrassen des Viktoriasee-Gebietes, die außerordentlich schmack- haft sind.
Ein eigentümliches Charakteristikum des Landes Mpororo ist der dort herrschende Holzmangel. In den weiten Steppen finden wir nur ganz vereinzelte Sträucher und ab und zu auch einen Akazienbaum. Dichteren Baumwuchs gibt es nur in den Tälern der östlich und westlich gelegenen Gebirgszüge, und zwar auch hier in erster Linie Schirmakazien, sowie ver- einzelte Ficusbäume. Gänzlich jedoch fehlt es an hochstämmigen Bäumen. Dies macht sich unangenehm fühlbar an den Fährstellen der Kagera. So habe ich mich bei der Fähre Jakanjassi, Kanjonsa und Oregero mit Booten behelfen müssen, die aus zwei kleinen, unregelmäßig gewachsenen, aus- gehöhlten Stämmen bestanden, die durch Querhölzer miteinander ver- bunden waren. Die Tragfähigkeit dieser Boote ist naturgemäß äußerst
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gering; mehr als fünf Menschen mit Lasten kann man nicht auf einmal übersetzen, zumal die Kagera an dieser Stelle ziemlich reißend ist.
Abb. H. Suittin Kissilerobo mit seinem Neffen.
Jedoch nicht allein an den Fährstellen, auch beim Aufsuchen eines geeigneten Lagerplatzes litten wir unter dem Holzmangel Mpororos. Während man sonst dort draußen sein Hauptaugenmerk darauf zu richten
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hat, daß sich Wasser in der Nähe des Lagers befindet, mußten wir uns liier auch noch nach dem nötigen Brennholz umsehen; und während sonst die Eingeborenen nur mit Lebensmitteln ins Lager kommen und diese zum Verkauf feilbieten, erscheinen sie hier auch noch mit Bündeln Brennholz, die sie genau zu demselben Preise wie die entsprechenden Bündel Lebens- mittel verkaufen. Dasselbe gilt vielleicht in noch höherem Maße auch von Ruanda. Eine scharfe Kontrolle der Träger und Boys war erforderlich, damit diese nicht in die Dörfer gingen und dort den Eingeborenen Holz fortnahmen, was naturgemäß Veranlassung zu Streitigkeiten gegeben hätte, denn das wenige Holz bestand aus Dorfumzäunungen, Hütten- türen usw. So kam, als ich gerade mein Lager in Nähe der Residenz des Sultans Kissilewombo aufgeschlagen hatte, der „Minister" dieses Sultans ganz entsetzt und aufgeregt zu mir mit der Meldung, meine Leute wollten „d e n" Baum, der am Gehöft seines Sultans stände, abschlagen. Selbstverständlich ließ ich sie sofort zurückrufen und gab den Befehl, daß dieser Baum zu schonen sei.
Als wir in Nähe der Residenz der Priesterin Nyawingi gemeinsam mit den Engländern für unsere Triangulation eine Basis bauten, mußten wir unsere Leute drei Tagemärsche weit nach Osten schicken, um das nötige Holz herbeizuholen. Die Engländer entsandten zu gleichem Zwecke ihre Leute in die Täler des Westgebirges, in denen reichlich Holz vorhanden ist. Hierbei kam es zu folgendem sehr unangenehmen Zwischenfall: Die Eingeborenen, die erst sehr wenig mit Europäern in Berührung gekommen waren, verstanden diese friedliche Mission falsch, überfielen die Leute, als sie gerade im Begriff waren, die Bäume zu fällen, unter denen sich wahr- scheinlich auch heilige Bäume befanden, erstachen vier Träger und ver- wundeten acht weitere schwer.
Fast genau in derselben Gegend übrigens waren 13 Jahre früher von der Expedition Emin Paschas und Stuhlmanns drei Träger von den Ein- geborenen getötet und mehrere verwundet worden.
Charakteristisch für die Steppen Mpororos sind die an den tief- gelegenen Stellen häufig vorkommenden Sümpfe, die teils mit hohem Schilfgras, teils mit Papyrus und ganz vereinzelt auch mit Phönixpalmen bestanden sind. Bei einigen dieser Sümpfe war es mir nicht möglich. Zu- oder Abflüsse festzustellen, die meisten jedoch stehen im Zusammen- hange mit dem Kalenge-See und der Kagera.
Das häufige Passieren dieser Sümpfe gehörte nicht gerade zu den Annehmlichkeiten des Marsches, zumal das gelbbraune Wasser in den Morgen- und Abendstunden recht empfindlich kalt ist. Steht zur Mittags- zeit die Sonne sengend im Zenith, so entwickelt sich in diesen Sümpfen, die durch hohes Schilfgras und Papyrusstauden gegen jeden frischen Luft- zug verschlossen sind, eine dumpfe, schwüle, heiße Luft, die einem fast
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den Atem benimmt. Bei jedem schwankenden und tastenden Schritt vorwärts, der häufig noch durch am Boden w uchernde Schlinggewächse behindert wird, steigen gurgelnd stin- kende Sumpfblasen auf (Abb. 2). Der morastige Untergrund saugt sich am Fuße fest und erschwert ganz un- gemein das Vorwärtskommen. An Reiten war natürlich gar nicht zu denken. Man mußte froh sein, wenn mitUnterstützung von einem Dutzend Trägern das Reittier glücklich durch diese Sümpfe gebracht war.
Ist man jedoch durch seinen Führer beizeiten über die zu durch- querenden Sümpfe unterrichtet, so kann man sich in kurzer Zeit durch vorausgeschickte Leute aus Papyrus- stengeln einen bequemen Weg in Form einer Art Knüppeldamm be- reiten lassen.
Man darf Mpororo nicht nur als ein gesundes, sondern auch als ein fruchtbares Land bezeichnen. In erster Linie gilt dies natürlich von den Gebirgen. Die Abbildung 3 zeigt uns einen Blick in ein Tal des öst- lichen Berglandes, das dicht bebaut und besiedelt ist.
Nicht nur in den Tälern, sondern auch auf den Bergen selbst finden wir Ansiedlungen, jedoch weniger zahl- reich, da es den Leuten hier zu kalt ist. So sehen wir auf Abbildung 4, die von einem Berge Ostmpororos in einer Höhe von 1600 m aufgenom- men ist, ein kleines Dorf. Noch eine Eigentümlichkeit des Berglandes wird uns veranschaulicht: Es ist 6V2 Uhr morgens; klar und scharf heben sich die auf der Spitze der Berge stehenden trigonometrischen Signale ab halbe Stunde mehr, so steigen die in den Täler
Abb. q. Mhima (Mtussi)-Jüngling.
Es vergeht jedoch keine sich bildenden Nebel auf
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Abb. 10. Brust-Tatowierung der Wahtma.
und hüllen die Kuppen der Berge ein. Es war daher erforderlich, daß man schon bei Sonnenaufgang, oft bei unangenehmer Kälte, am Instrument stand, um rechtzeitig die Winkelmessungen beendet zu haben. Denn erst zur Abendstunde, kurz vor Sonnenuntergang, waren in der Regel die am Tage in Wolken gehüllten Berge wieder frei. Das Frühaufstehen wurde allerdings oft durch wunderbare Fernsichten belohnt. So sah ich wiederholt die Vulkankegel des Kiwusee-Gebietes, die fälschlicherweise von früheren Reisenden Mfumbiro genannt worden sind, und genoß auch mehrere Male den majestätischen Anblick der schneebedeckten Gipfel des Ruwenzori-Gebirges.
Jedoch nicht allein die bewohnten Bergländer haben fruchtbaren Boden, sondern auch das unbewohnte Steppenland, so daß seine Besiedlung durchaus möglich ist und man nicht wegen seines Unbewohnt- seins den falschen Schluß ziehen darf, es sei unfruchtbar. So legte sich der Unteroffizier des englischen Standlagers, das sich in der Steppe nörd- lich der Residenz der Priesterin Nyawingi befand, mehr zum Zeitvertreib als zur Nutznießung, Kartoffel-, Bohnen-, Erbsen- und Gemüsefelder an und hatte in wenigen Monaten eine reiche Ernte.
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Eine ganz charakteristische Erscheinung in der Hügellandschaft Mpororos sind die im Gebiete des Sultans Kissilerobo gelegenen zahl- reichen felsigen, infolge der Verwitterung in einen Wirrwarr loser Blöcke aufgelösten Quarzitkuppen (Abb. 5), die, mit Busch und Bäumen be- wachsen, den Wasserböcken, Pferdeantilopen, Schwarzfersenantilopen und Riedböcken gute Schlupfwinkel bieten.
Nach dieser kurzen Schilderung des Landes wende ich mich nun- mehr zu den Menschen. Mpororo wird bewohnt von dem eingewanderten Herren- und Hirtenvolk der Wahima oder Watussi (bei Stuhlmann Wahuma genannt) und den Wapororo, die weiter südlich in Ruanda Wahutu und in Karagwe Wanjambo heißen. Letztere gehören zum Stamme der Bantu. Es ist die von den Wahima unterworfene Urbevölkerung. Sie werden im zweiten Kapitel besprochen. Bie von einigen Reisenden an- gewandte Bezeichnnug Wahinda für ein hier eingewandertes hamitisches Element habe ich nie gehört; sie dürfte wohl identisch sein mit dem Wort Wahima.
An Hand der in diesen beiden ersten Kapiteln enthaltenen Abbildungen wird es uns ein Leichtes sein, die außerordentlich typischen
Abb. ii. Rückentätowierung der Wahima.
Weiß, Die Völkerstämme im Norden Deutsch-Ostafrikas.
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Rasseunterschiede schon äußerlich zu erkennen. Die Wahima, die eine große Ähnlichkeit mit Somali, Abessiniern und Galla zeigen, sind von hohem, schlankem Wüchse, haben längliche, schmale Schädel, intelligente und edelgeschnittene Gesichter, ein großes, schönes, lebhaftes Auge, schmale, wohlgeformte Nasen und Lippen, zierliche Gelenke, lange, schlanke Finger und eine hellere, zum Teil sogar fast gelbbraune Haut- farbe. Diese wird besonders bei den Wahimafrauen, die wenig ins Freie kommen, deutlich. Fraglos sind sie der schönste Menschenschlag, den ich, einschließlich der Masai (siehe Kapitel 6), dort draußen gesehen habe.
Abb. 12 u. 13. Haartrachten der Wahima.
Man kann sie kurz als die Aristokraten Zentralafrikas, als den die ein- geborene Rasse, die Bantuneger, psychisch und physisch hoch- überragenden Hirtenadel bezeichnen. Beim Anblick dieser Wahima fühlt man sich unwillkürlich nach Ägypten versetzt, und bereits ehe man sie näher kennen gelernt hat, allein durch den rein äußerlichen Eindruck, den die 2 m hohen Gestalten in ihrer stolzen, vornehmen, ruhigen, selbst- bewußten Haltung, ihrem offenen Wesen und ihrem gewandten Auftreten machen, hat man ganz unwillkürlich das Gefühl: Du stehst hier den Ver- tretern eines Herren- und Herrschervolkes gegenüber. Dieser über- raschend günstige Eindruck berührt einen um so sympathischer, als man es sonst in Mpororo und Ruanda mit einer scheuen, nur widerwillig ge- horchenden oder aber unverschämten und feindseligen Bevölkerung zu tun hat.
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Besser als viele Worte erläutern naehfolgende Bilder die charakte- ristischen hamitisehen Merkmale der Wahima (Watussi).
Das Titelbild zeigt uns das Profil des Sultans Kissilerobo, eines Bruders des Sultans Kissilewombo. Diese beiden Brüder, die früher zu- sammen in der Residenz des älteren Kissilewombo wohnten, konnten nicht in Eintracht leben, so daß eines Tages Kissilerobo mit seinem Anhang aus- wanderte und in der Ebene östlich davon ein neues, allerdings höchst kümmerliches Sultanat gründete; denn er verfügte zur Zeit meiner An- wesenheit über nicht mehr als 200 Seelen und etwa ebensoviel Rinder.
Abb. 14 11. 15. Haartrachten der Wahima.
Unter diesen Umständen wachte er naturgemäß mit großer Eifersucht darüber, daß ihm keine dieser wenigen Seelen untreu wurde und wieder zu Kissilewombo zurückging.
Hierfür lieferte er selbst mir einen Beweis:
Ich lagerte auf einem Berge an der Grenze der beiden Sultanate und genoß den ehrenvollen Besuch meines Freundes, des Sultans Kissile- robo, als Untertanen des Sultans Kissilewombo zu mir mit Verpflegung ins Lager kamen. Kissilerobo musterte scharfen Auges die mit Bananen und Süßkartoffeln beladenen Eingeborenen. Plötzlich sprang er auf und ergriff ein Weib am Arme, die sich aber kräftig zeternd ganz energisch sträubte, ihm zu folgen. Auf meine erstaunte Frage ergab sich folgender Tatbestand: Das Weib hatte mit ihrer heiratsfähigen Tochter früher bei Kissilerobo gewohnt. Es hatte ihr aber auf die Dauer dort nicht mehr
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gefallen, vor allem wohnten ihr zu wenig Leute in dieser Gegend; die Aussicht, einen recht zahlungsfähigen Schwiegersohn zu bekommen, war sehr gering. Sie hatte es daher vorgezogen, reumütig in das erheblich dichter bevölkerte Gebiet des Sultans Kissilewombo zurückzukehren.
Beachtenswert an dieser Abbildung ist noch die eigenartige Täto- wierung, die von der sonst üblichen, weiter unten ersichtlichen Ornament- tätowierung abweicht. Wir sehen auf der Brust zahlreiche, dicht neben- einanderliegende kurze Striche, die mit einem kleinen, scharfen Messer eingeritzt sind.
Der um die Stirn gebundene Fellstreifen soll ein Heilmittel gegen Kopfschmerzen sein, an denen die Wahima oft leiden. Ebenso häufig stellen sich bei ihnen Brustschmerzen und heftiger Husten ein. Fast immer wurde mir, wenn ich mich nach den Todesursachen erkundigte, die Antwort: „Der Verstorbene hatte es in der Brust."
Die Schnüre um den Hals tragen kleine Holzstückchen, welche als Heilmittel gegen allerhand Krankheiten dienen sollen. Das Haupthaar ist kurz rasiert.
Weitere charakteristische Wahimaköpfe zeigen uns Tafel I und die Abbildungen 6, 7.
An Tafel I noch zu beachten ist bei dem Mhima auf dem rechten Flügel die geschmackvolle Tätowierung des linken Armes neben der Strichtätowierung der Brust. Der zweite Mann vom rechten Flügel zeigt auf der Brust eine eigenartige knopfähnliche Tätowierung, die ich nur sehr selten beobachten konnte.
Besonders deutlich erkennen wir aus der Abbildung 8 die schmalen Langschädel der Wahima mit ihren scharfgeschnittenen Gesichtszügen. Sie beweisen wohl deutlicher als lange Auseinander- setzungen die hamitische Abkunft dieser Rasse. Dies um so mehr, wenn man sich im nächsten Kapitel die entsprechenden runden, plumpen Bantu- schädel ansieht.
Bei Abbildung 8 weise ich nochmals auf die Brust- und Arm- tätowierung hin. Sie zeigt uns wieder Kissilewombo mit seinem Neffen.
Die schlanken, sehnigen Gestalten der Wahima erkennen wir an den Aufnahmen, wie sie Tafel II und Abbildung 9 zeigen.
So mancher mag seinen Schönheitssinn verletzt fühlen durch die zu hohen Schultern bei verschiedenen Wahima. Daher möchte ich betonen, daß dies nicht die natürliche Haltung ist, sondern leider gar zu häufig — auch bei den späteren Weiberaufnahmen — erst hervorgerufen wurde durch die Scheu vor dem photographischen Apparat. Diese war so groß, daß es zuweilen unmöglich war, eine Aufnahme zu machen.
So hatte ich mir mit vieler Mühe in der Nähe der Residenz der Priesterin Nyawingi eine interessante Gruppe von Wanjambo, bestehend
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Abb. 16. Sultan Kissilerobo (Mitte) mit Neffen (links) und Onkel (rechts).
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aus Männern, Weibern und Kindern, die zu uns ins Lager gekommen waren, um Lebensmittel zu verkauten, zusammengestellt. In dem Augen- blick jedoch, als ich unter dem schwarzen Tuch verschwand, um das Bild scharf einzustellen, liefen alle wie der Wind davon. Zum Teil von meinen Boys zurückgerufen und von mir nach dem Grunde ihrer Flucht befragt, antworteten sie, am ganzen Körper vor Angst zitternd: „Ja, das ist ein großes Gewehr und du willst uns erschießen." Ich versuchte nun in längerer Rede und an der Hand von Abbildungen aus der „Woche" ihnen klarzumachen, was meine Absicht sei, daß die Kamera ein durchaus fried- fertiges Instrument sei und sie keine Furcht haben sollten. Jedoch sie schüttelten mißtrauisch den Kopf und wollten sich durchaus nicht photo- graphieren lassen. Da stellte ich mich denn vor die Kamera und befahl meinem Boy, abzudrücken. Als dies geschehen war, sagte ich zu den Leuten: „Jetzt könnt ihr mir doch glauben, daß dies kein Gewehr ist, sonst müßte ich doch tot sein." Aber auch jetzt noch schüttelten sie zweifelnd den Kopf und antworteten mir: „Ja, dir schadet dieses Gewehr nichts, du hast vorher ein Zaubermittel gegessen; wir aber haben dieses Mittel nicht und müßten sterben." Fs war tatsächlich mit den Leuten nichts anzufangen, und ich gab an diesem Tage meine Versuche, sie zu photographieren, auf.
Besonders große Schwierigkeiten machte es, Wahimafrauen und -Mädchen zum Photographieren zu bewegen. Sind doch für den Durch- marschierenden die sorgfältig behüteten Wahimaweiber überhaupt nicht sichtbar. Hat man sich einmal ohne Geräusch und ungesehen einem Dorfe genähert, so kann man wohl für einen Augenblick die verhüllten Frauen vor dem Dorfe erblicken; in dem Moment aber, wo man selbst gesehen ist, sind sie in den Hütten verschwunden. Nur die Männer bleiben vor dem Dorfe sitzen, um den Fremdling grußlos, ihn mit mißtrauischen Blicken betrachtend, vorüberziehen zu lassen. Ist man jedoch mit ihnen bekannt, oder hat man sein Fintreffen anmelden lassen, so daß sie über die Person und friedfertige Absicht unterrichtet sind, so kommen sie dem Europäer mit freundlichem, offenem Gesicht entgegen, um ihn mit Hand- schlag zu begrüßen und ihn zum Lagerplatz zu begleiten. Kaum steht das Zelt, so sind auch die üblichen Geschenke, Milch und Butter, Ziegen oder Schafe, häufig sogar ein Schlachtochse zur Stelle.
Nie jedoch wird, auch wenn man mit den Wahima längere Zeit bekannt und befreundet ist, ein Mlümaweib oder -Mädchen, wie dies doch bei allen anderen Stämmen Brauch ist, zum Verkauf oder Austausch von Lebensmitteln das Lager betreten. Daß es mir gelungen ist, eine ganze Reihe Aufnahmen von Wahimafrauen und -Mädchen zu machen, ver- danke ich der Freundschaft und Dankbarkeit des Sultans Kissilerobo, zu der ich ganz ohne mein Verdienst auf folgende Weise gekommen bin:
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Ich hatte mein Lager unmittelbar an der englischen Grenze im Gebiete des genannten Sultans, als er eines Morgens mit der Bitte zu mir
Abb. 17. Aeltere Wahima-Männer.
kam, ihn gegen die im englischen Gebiet wohnenden Ankoleleute zu unterstützen, die ihm 12 Rinder geraubt und 2 Leute erschlagen hätten. Ich mußte es mit Bedauern ablehnen, mich in diese Angelegenheit zu
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mischen und verwies ihn an die zuständige Militärstation Bukoba. Traurig verließ er mit seinen bewaffneten Mannen mein Lager.
Zufälligerweise passierte am nächsten Tage der sehr liebens- würdige englische Kollektor Mr. Dashwood, der eine Inspektionsreise durch seinen Bezirk machte, mein Lager. Er nahm in meinem Zelt an dem höchst bescheiden gedeckten Tische Platz und bei dieser Gelegenheit erzählte ich ihm den Vorfall, worauf er sofort den Tatbestand untersuchte und dem Sultan Kissilerobo die geraubten Rinder zurückschickte. Hier- durch hatte ich mir die Freundschaft und Dankbarkeit des Sultans erworben, der mir in seinem Dorfe sämtliche Bewohner zwecks photo- graphischer Aufnahmen zur Verfügung stellte.
Ihre aus nebenstehenden Abbildungen ersichtliche Schlankheit be- wahren sich die Wahima auch im vorgeschrittenen Mannesalter. Die von Stuhlmann und Baumann als charakteristische Merkmale der hatnitischen Rasse besonders hervorgehobenen großen Ohren habe ich. nicht als Regel dort draußen beobachten können; ich fand, wie dies ja auch meine Aufnahmen beweisen, wohlgeformte, mittelgroße Ohren. Dagegen ist mir die leicht vorspringende Stellung der Kiefer aufgefallen; der Oberkiefer überragt ein wenig den Unterkiefer, und die großen Schneidezähne stehen etwas schräg nach vorn geneigt, was ganz auf- fallend erkennbar ist beim Lachen und nach meiner Ansicht mit ein Haupt- Charakteristikum des echten Mhima bildet. Besonders auffällig ist dies beim König Msinga von Ruanda.
Ferner erwähnenswert ist die dunkle Färbung des Zahnfleisches. Ich lasse es dahingestellt, ob dies nicht auch mit ein Merkmal hamitischer Abstammung ist. Eine Beschneidung findet im Gegensatz zu den Masai nicht statt, wie dies ja die Abbildung 9 und Tafel II klar beweisen. Auch sonstige Verunstaltungen des Körpers — der Neger nennt es Verschönerung — wie Ausfeilen oder Ausschlagen der Vorderzähne, Erweiterung der Ohrlappen usw. üben die Wahima nicht, dagegen findet man bei ihnen, wie ja schon vorstehend kurz erwähnt, Tätowierung. Diese besteht aus recht geschmackvollen Ornamenten, so daß sie tat- sächlich auch für europäischen Geschmack ein Schmuck und keine Ver- unstaltung ist. Arme, Rücken und Brust werden, wie uns die Abbildungen 10 und 11 zeigen, durch Einritzen mit dem Messer und Ätzen tätowiert. Das Ätzen bezweckt das kräftige Hervortreten der Tätowierung, wie wir es auf Abbildung 11 rechts besonders deutlich sehen. Der Erfolg dieser schmerzhaften Ätzerei ist tatsächlich oft der, daß die Täto- wierung % — 1 ein heraustritt.
Im Gegensatz zu dem krausen, harten Wollhaar der Bantu haben die Wahima weiches, leichtgewelltes Haar.
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Diese Haartrachten der Wahima sind recht verschieden. Wir sehen kurzrasiertes Haar (Abb. 8), natürlich halblang gewachsenes (Tafel II) und eine ganz eigenartige Frisur, bei der ein Teil der Haare spiralförmig ausrasiert, der stehengebliebene Teil aber senkrecht nach oben gezogen wird, wie es die Abbildungen 12 — 15 deutlich veranschaulichen.
Ja auch eine andere, freilich unbeabsichtigte Haartracht können wir bei den Wahima beobachten; es ist die Glatze. Als Vertreter dieser
Abb. 21. Mannertrachten.
Tracht führe ich den Onkel Kissilerobos, auf Abbildung 16 rechts von ihm stehend, vor. Vielleicht ist auch dies mit ein charakteristisches Merkmal der hamitischen Rasse, denn ich habe bei den Bantunegern nie Glatzen beobachtet; dagegen bei älteren Wandorobbo und Masai.
Staunenerregend ist es, mit welch höchst primitiven Rasiermessern die Wahima sich die Haare, die zu dem Zweck erst eingefettet werden, abrasieren. Bei einem Europäer würde sicher die ganze Haut mit abgeschabt.
Schmuck wird weniger getragen; die edelgebauten Wahima- gestalten haben es auch absolut nicht nötig, sich zu schmücken. Be-
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sondere Abbildungen sind nicht erforderlieh, die vorhergegangenen Ab- bildungen erläutern es zur Genüge. Die Männer tragen häufig Stirn- binden aus Fell-, Zeug- oder Baststreifen. Doch gleichzeitig noch den
nützlichen Zweck haben, Kopfschmer- zen zu vertreiben. Um Hals, Arme, Handgelenke und Knöchel tragen sie Ringe aus dünnein Kupferdraht, in die häufig noch einzelne Perlen eingetlochten sind, seltener auch Perlenketten (weiße Perlen werden be- vorzugt). Vereinzelt sah ich auch, an dünner Schnur um den Hals getragen, 2 — 3 cm große kugel- und zylinderförmige, mit kleinen roten und weißen Perlen in hübschen, ge- schmackvollen Mustern von den Wahimaweibern be- stickte Gegenstände (wieder ein Anklang
an die Masai) — Abb. 16 rechts - und Halsbänder aus Köhrenknochen, die eine religiöse Bedeu- tung haben sollen.
Ein eigenartiger Schmuck ist die auf in der Regel bestickt, nur bei Mangel an Perlen nicht bestickt werden, da diese kleinen Perlen recht selten und ein sehr begehrter Tauschartikel sind. Sie werden an gleichfalls aus Pflanzenfasern gedrehten Schnüren um den Hals getragen (Abb. 18).
Abb. 22. Lendentuch.
sollen diese Binden Abbildung 17 an dem mittleren Mtussi auf der Brust sichtbare Tasche. Sie dient zur Aufbewahrung von Pfeife und Tabak, ist aus Bast sehr sorgfältig ge- flochten, hängt an einem Fellstück, sehr häufig Otternfell, um den Hals und ist zu beiden Seiten mit je vier aus Fischotter- fellen gedrehten Schwänzen verziert.
Diese Verzierung aus langen, bis fast auf den Boden her- abhängenden Fisch- otterschnüren finden wir auch an dem
nationalen Gala- kostüm der Wahima, das aus einem um die Hüfte geschlun- genen, sorgfältig ge- gerbten Rinderfell besteht.
Ein anderer Wa- himasclunuck sind kegel- und zylinder- förmige, aus Pflanzenfasern ge- flochtene Ballen von 2 — 5 cm Länge, die
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Als Amulette werden, allerdings nur in geringer Anzahl, an Schnüren aufgereihte kleine Holz- und Knochenstücke, zuweilen auch auf- fallend kleine Hörner, vielleicht von der Schopfantilope stammend, um den Hals getragen.
Ich wende mich jetzt zu einer kurzen Schilderung der Wahima- Bekleidung.
Ursprünglich trugen die Wahima wie die eingeborene Bantu- bevölkerung Felle, die, auf der rechten Schulter geknotet, sehr weich gegerbt und mit Butter stark getränkt waren. Jetzt sind an ihre Stelle Stoffe getreten, die teils auf der rechten Schulter zusammengeknotet so getragen werden, daß beide Arme, teils so, daß nur ein Arm frei bleibt (Abb. 19, 20 und 21). Bevorzugt wird der blaue Stoff (Kaniki) oder auch weißer (Merikani). Diese Tücher werden stark mit Ockererde und Butter eingerieben, so daß von der ursprünglichen Färbung und Musterung wenig mehr zu erkennen ist. Wohlhabende Wahima tragen mit Vorliebe die teuren, buntdurchwirkten Tücher (Kitambi), die 2V-j. — 3 Rupie kosten, im Gegensatz zu den anderen Stoffen, die für 1 Rupie käuflich sind. Unter diesem Überwurf wird ein kleineres Tuch um die Lende geschürzt (Abb. 22), das bei wohlhabenden Wahima auch aus besseren Stoffen, z. B. Kikoi (siehe Abb. 23) besteht.
Die Watussi haben ihre Stoffe von Händlerkarawanen, die von Bukoba, Kissenji, Ischangi und Usumbura aus das Land bereisen, gegen Vieh eingetauscht.
1 >ie Wahima gehen im allgemeinen unbewaffnet. Sie begnügen sich bei ihren Reisen mit einem langen Bergstock aus Holz oder wie im Vulkangebiet aus Bambus. Nur im Kriegsfalle legen sie Waffen an. Ihre Bewaffnung besteht aus einer Lanze, deren Schaft infolge des Holz- mangels in Mpororo und Nordruanda recht dürftig ist und häufig nur aus dünnem, knotigem und schlechtgewachsenem Holz besteht. Das sehr sorgfältig ausgearbeitete, etwa 25 cm lange, schmale, in eine schlanke Spitze auslaufende Blatt ist scharf geschliffen und zeigt zwei Blutrinnen.
Jedoch haben wir es hier nicht mit einer einheitlichen Form zu tun, sondern wir finden häufig Variationen. So sehen wir auf Abbildung 24 ein gleichmäßig breites Blatt, das sich erst am Fnde stumpfwinklig zuspitzt. Ferner führen die Wahima etwa 1,60 m lange Bogen und gefiederte Pfeile, deren eiserne Spitzen mit Widerhaken versehen und nie vergiftet sind. Außerdem haben die Wahima zweischneidige Messer, die sie in einer mit eingebrannten Mustern geschmackvoll verzierten Holz- scheide an einem Leder- oder Otternfellgehänge tragen. Letzteres ist häufig noch mit langen Otternfellschnüren geschmückt. Als Trutzwaffen führen die Wahima geflochtene, 40 — 50 cm lange und 35 cm breite Schilde, die in der Mitte einen hölzernen Buckel zeigen. Bei vornehmen Wahima
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ist er mit schmalen, langen Lederstreifen, an denen häufig noch Perlen und kleine Amulette befestigt sind, geschmückt.
Abi). 25. Tracht eines vornehmen alten Mhima.
Neben dieser allgemein üblichen Schildform findet sich noch eine hiervon abweichende. Es ist ein hölzerner, etwa 1 111 langer und .35 cm breiter Schild, der in der Mitte einen spitzkegeligen Buckel trägt und mit rotweißer Malerei recht geschmackvoll verziert ist (siehe Abb. 24). Der ganze Schild ist gleichmäßig gewölbt.
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Die Wahima verstehen es, ihre Waffen recht sicher zu handhaben. Bei einem Wettschießen, das ich nach einer leeren Petroleumkanne in meinem Lager veranstaltete, zeigten sowohl Wahimamänner als auch -Jünglinge eine erstaunliche Kraft und Gewandtheit.
Auch ich hatte mich auf Bitten der Wahima an einem Bogenwett- schießen beteiligt, aber mich natürlich dabei nicht mit Ruhm bedeckt. Ich wetzte diese Scharte jedoch dadurch wieder aus, daß ich nach meiner Mauserpistole griff, die Entfernung verdoppelte und sie jetzt zu einem Wettschießen einlud.
Staunenswert ist es, wie die wenigen Tausend Wahima sich das ganze Land unterwerfen konnten. Es ist nur so erklärlich, daß die Wahutu, stark zersplittert, in kleinen Dorfgemeinden leben, die nicht allein der einheitlichen Eührung entbehrten, sondern sich selbst untereinander häufig bekämpften, während die Wahima, in einer kräftigen Hand ver- eint, mit dem Schneid des Eroberervolkes im geschlossenen Ansturm in das Land eindrangen. Erst einmal Herren dieses Gebietes, verstanden sie es, unterstützt durch die Eigenart des Landes, bis in die neueste Zeit hinein jeglichen fremden Einfluß von sich fernzuhalten, so daß Ruanda das sagen- umwobene, unbezwingbare Land wurde. Als Schweinfurth an Stanley die Frage richtete, warum er nicht die günstige Gelegenheit benutzt habe und durch Ruanda marschiert sei, antwortete er: „Ich hatte Angst."
Die Wahima Ruandas haben die Zügel der Regierung fest in Händen, und mit Ausnahme einiger Norddistrikte gehorchen ihnen die Wahutu auf Wort und Wink. Es treten aber auch recht harte Strafen bei Unbotmäßigkeiten ein, wenn nicht pünktlich die Abgaben, wie Honig- steuer usw., gezahlt werden. Ein Abbrennen des betreffenden Dorfes ist häufig die Folge, so daß die Bezeichnung „Raubadel" neben „Hirtenadel" nicht falsch sein dürfte.
Wir hatten Gelegenheit ein Beispiel dieser straffen Zügelführung zu erleben.
Eine Postkarawane von uns, die auf dem Wege zum Kiwu-See durch Nordruanda marschierte, wurde überfallen und mehrerer Ballen Stoffe, die wir als Tauschartikel gebrauchten, beraubt. Der König Msinga erhielt hiervon umgehend Mitteilung, und wenige Tage später sah man unmittel- bar vor der Residenz den Schuldigen gepfählt.
Erstaunt war ich über den Mangel an kriegerischen Tugenden bei den Wahima Mpororos, die eigentlich gar keine Gewalt über ihre Ein- geborenen haben. Die in der Nähe wohnenden zahlen ihnen vielleicht Abgaben, meist aber ist es wohl mehr ein Kauf und Austausch von Lebensmitteln.
Der einzige Herrscher, der hier in Mpororo noch Macht über seine Eingeborenen hat, ist der Sultan Kissilewombo. Bei Lieferung von Lebens-
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DIE WAHIMA (WATUSSI).
mitteln und Gestellung von Hilfsträgern führten die Leute seine Befehle pünktlich aus.
Sehr wenig Autorität besaßen dagegen Katreia, Nyawingi und Minnusa. So war Nyawingi anfangs über das Eintreffen der Grenz-
Abb. 25. Haartrachten der prauen.
expedition in ihrem Gebiet sehr erfreut, erhoffte sie doch, wie sie mehr als einmal ausgesprochen hat, daß wir sie gegen ihre unbotmäßigen Unter- tanen unterstützen würden. Als sie aber sah, daß wir auf ihre Wünsche
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nicht eingehen konnten, ließ sie uns durch ihren „Minister" nach etwa 14 tügiger Anwesenheit sagen, wir hätten nun lange genug in ihrem Lande gesessen, helfen wollten wir ihr doch nicht, wir sollten nur wieder wo anders hingehen.
Ebenso ließen Mumusa und Katreia keine Gelegenheit vorüber, um immer wieder ihre Klage über die Wapororo vorzubringen, die ihnen wenig oder garnicht gehorchten und einfach in das westliche Bergland entliefen, wenn gegen sie einmal energische Maßnahmen ergriffen wurden. Ja, der Sultan Katreia war sogar wiederholt von den in völliger Ungebundenheit lebenden Bergvölkern überfallen worden und hatte hier- bei eine Anzahl Rinder eingebüßt.
Im Gegensatz zu der mehrfach ge-
äußerten Ansicht, daß die Wahima jagen, stelle ich auf Grund meiner Erfahrungen fest, daß sie keine Jäger sind. Ja, sie kennen nicht ein- mal das ganz in ihrer Nähe lebende jagdbare Wild. Hierfür folgendes Beispiel:
Ich traf, von Karagwe kom- mend, eines Nach-
Abb. 2b. Haartracht.
Sultan Katreia in Südmpororo ein. In meiner Kara- wane befanden sich Schädel, Haut und Hörner eines 2 Tage vorher von mir geschossenen Nashorns. Als ich mich dem Gehöft des Sultans nä- herte und die ersten mir ent- gegenkommenden Wahima diese Nas- horntrophäen sa- hen, eilten sie in ihr Hort und be- richteten ihren
mittags bei dem
Landsleuten von ihrer wunderbaren Entdeckung. Der Erfolg war. daß ich den ganzen Nachmittag bis zum Einbruch der Dunkelheit sehr leb- haften Besuch in meinem Lager hatte. Alle baten mich sehr interessiert um die Erlaubnis, sich diese wunderbare Jagdbeute einmal ansehen und anfassen zu dürfen.
Ich wende mich jetzt zu den Wahima-Frauen.
Wir finden bei ihnen nicht minder schöne Körperformen als bei den Männern, und ich glaube, daß die nachstehenden Abbildungen so manchen Zweifler bekehren werden, denn schönere Körper dürfte man auch in Europa nicht oft finden.
Auch hier beginne ich mit den Aufnahmen, die uns die schmalen Langschädel der hamitischen Rasse zeigen. Die Beurteilung überlasse
3*
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DIE WAHIMA (WATUSS1).
Abb. 27. Haartrachten.
ich dem Beschauer, knüpfe hieran aber gleich eine kurze Beschreibung der Haartracht.
Wir sehen wie beim männlichen Geschlecht Variationen, doch, haben diese hier bestimmte Bedeutungen, die ich bei der männlichen Haar- tracht nicht feststellen konnte. Am Hochzeitstage rasieren sich die Weiber die Köpfe ganz kahl und vergraben die abgeschnittenen Haare in der Hütte. Nach dieser Zeremonie lassen sie sich das Haar halblang wachsen oder rasieren sich die Haare spiralförmig aus (Abb. 25 und 26). Seltener lassen sie es sich lang wachsen und flechten dünne Strähnen daraus (Abb. 27). Auch kommt es vor, allerdings nur bei alten Frauen, daß sie sich die Haare besenartig senkrecht in die Höhe wachsen lassen; ein wenig schöner Anblick.
Wir sehen also, daß bei den Wahimadamen ganz bestimmte Haar- trachten vorgeschrieben sind.
DIE WAHIMA (WATUSSI).
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Ganz eigenartig und interessant ist die Haartracht der jungen Mädchen. Fast alle, mit ganz wenigen Ausnahmen, drehen sich mit Hilfe von Butter das Haar in lange dicke Strähnen, die ihnen häufig, wie Abb. 28 zeigt, über Augen und Ohren fallen. In diese flechten sie zum Schmuck Kaurimuscheln und Perlen, was den jungen Damen gar nicht übel steht. Eine ganz bestimmte Bedeutung aber hat die auf Tafel III bei den
Abi). 28. Haartrachten.
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3 Mädchen sichtbar ausrasierte etwa handbreite Stelle, die quer über den Kopf von Ohr zu Ohr reicht. Es ist das Zeichen dafür, daß sie verlobt sind.
Die jungen Mädchen sind den Einführungen der Kultur absolut nicht abgeneigt. Dafür hatte ich folgenden Beweis: Ich traf nach einem Zeit- räume von 4 Monaten wieder in dem Dorfe des Sultans Kissilerobo ein und sah hier, daß einige junge Damen anstelle der Kaurimuscheln die von mir auf dem Lagerplatz zurückgelassenen Sodapatronen eingeflochten hatten. Sie fanden sie entschieden hübscher und geschmackvoller als die Kaurimuscheln.
Die Normalfigur eines Mhimamädchens zeigt uns Abb. 29. Es ist ein etwa 12 jähriger Backfisch, nach Aussage des Sultans und Vaters noch Jungfrau, ebenso wie die anderen jungen Mädchen, die wir auf Abb. 30 bis 37 dargestellt sehen.
Wie die Männer, so tragen auch die Frauen nur sehr wenig Schmuck; bei den Verheirateten käme er infolge der eigenartigen Tracht (siehe Abb. 38) auch gar nicht zur Geltung. Sie tragen wenige Perlen- Ketten um den Hals und die Handgelenke - - bevorzugt werden große weiße und kleine rote Perlen — dünne geflochtene Kupferringe, zuweilen auch dickere eiserne Armringe, ferner das Hochzeitsgeschenk des Mannes, bestehend aus zahlreichen (ich habe bis 250 gezählt) dünnen geflochtenen eisernen Drahtringen um die Knöchel (Abb. 34 und 35 links), die bis zur Wade hinaufreichen. Bei vornehmen Wahimafrauen bestehen sie aus Kupferdraht. Amulette werden in derselben Art wie bei den Männern, nur in größerer Anzahl um den Hals getragen.
Die Tracht der Weiber besteht aus einem Unterkleid in Gestalt eines großen, weich gegerbten und mit Butter und Ocker eingeriebenen Rinder- felles (Abb. 39) und einem großen Fellüberwurf, der aber jetzt schon fast durchweg durch Tücher ersetzt ist (Abb. 40). Diesen Ueberwurf schlagen die Weiber so über den Kopf, daß, wie auf Abb. 38 ersichtlich, nur ein kleiner Teil des Gesichtes, eigentlich nur die Augen, frei bleiben.
Die Felle, die durch sorgfältige Bearbeitung weich und schmiegsam gemacht sind, werden mit der behaarten Seite nach innen getragen und zeigen, besonders bei den vornehmen Wahimafrauen, als Schmuck eine sehr sauber ausgeführte, schachbrettförmig angeordnete Näharbeit, die darin besteht, daß etwa 7 cm lange rhombenförmige Fellstücke heraus- geschnitten und an ihre Stelle andersfarbige Fellstücke eingenäht werden. Auf meine Frage, wer das Fell in dieser Weise hergerichtet habe, antworteten mir die Wahimafrauen, sie hätten es selbst getan. Dies ist aber nur zum Teil richtig, denn alle grobe Arbeit wird durch die Wapororo bewerkstelligt und die Wahimafrauen führen nur zum Schluß die Näh- arbeit aus.
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Erheblich ein- facher bekleidet gehen die Wahima- mädchen, die sich ein Ziegenfell oder sel- tener auch schon Stoffstücke auf der rechten Schulter zu- sammenknoten oder um die Hüfte binden, beide Arme und die wohlgeformten Brüste freilassend (Tafel III u. Abb. 41). Abbildung 42 zeigt zwei Wahimamäd- chen mit Kanga be- kleidet, einem bunt- bedruckten Kattun, der in bereits kulti- vierten Gegenden sehr viel von den
Frauen getragen wird, bei den Wahima jedoch nur selten. Die Wahima- kinder sind zum größten Teil recht hübsch und erinnern lebhaft an die Somali. Sie gehen bis zum fünften oder sechsten
Jahre unbekleidet, alsdann tragen sie ein kleines Fell oder auch einen Zeug- streifen. Geschmückt sind sie mit Perlen- ketten um Hals oder auch um Arm- gelenke, bisweilen auch mit eisernen oder kupfernen Rin- gen um Hals und
Abb. 29. j 12 jähriges Mädchen.
DIE WAHIMA (WÄTUSS1).
Fußgelenke. Die Amulette werden auch hier in der üblichen Weise getragen, nur sieht man merkwürdigerweise besonders bei kleinen Kindern zahlreiche und große Holzamulette. Die Haartracht der Kinder, ihre Bekleidung und ihren Schmuck stellen uns die Abbildungen 43, 44, 45 und 46 dar.
Die Wahima sind ein Hirtenvolk, und nur das, dafür zeigen sie aber auch eine Begeisterung und Hingabe für ihre schönen langgehörnten Rinderherden, wie mau sie nur noch bei den Masai findet.
Ihre Hauptnahrung besteht in Milch, seltener Fleisch. Die wenigen zum Leben erforderlichen Vegetabilien liefern ihnen die untergebenen Wapororo bezw. Wahutu, oder sie werden bei ihnen gegen Milch und Butter eingetauscht. Die Wahima hängen sehr an ihrem Vieh, sodaß sie es nur selten über das Herz bringen, eines der Tiere zu schlachten, dagegen wird krankes und gefallenes Vieh gegessen.
Das Wahimarind (Abb. 47, 48, 49) gehört zur Sangagruppe, einer Rinderrasse, die man sonst nur in Abessinien und in den Gallaländern heimisch findet. Diese Rinder sind für die Wahima charakteristisch und ein weiterer Beweis für ihre Einwanderung aus den Nilländern, bei welcher Gelegenheit sie eben dieses Rind hier eingeführt haben.
Sofort beim ersten Blick fällt einem der Unterschied zwischen dem kleineren, sonst in Ostafrika vorkommenden Buckelrind mit seinen kurzen Hörnern und dem schönen, großen, fast buckellosen, langgehörnten Wahimarind auf. Einen Buckel finden wir nur, wie es auch unsere Ab- bildungen zeigen, bei den Bullen, nie bei den Kühen.
Leider ist auch hier, ebenso wie bei dem Zeburind, das Euter schwach entwickelt, sodaß die Wahimakühe auch nur wenig mehr Milch geben wie die Zebukühe. Die besten Milchkühe, die ich dort draußen gesehen habe, gaben täglich 3 — 4 Liter, dies aber auch nur für wenige Wochen, solange das Kalb noch jung war.
Es ist eine Eigentümlichkeit sämtlicher afrikanischer Milchkühe, ganz gleich ob Sangarind oder Zeburind, daß sie nur so lange Milch geben, als das Kalb der Milch bedarf, und sich nur melken lassen, wenn dieses daneben steht. Bei den häufig recht anstrengenden Märschen, die ich mit meinen beiden Milchkühen auszuführen hatte, mußten die Vieh- hirten ganz besonders Acht auf die Kälber geben, denn der Tod eines Kalbes hatte gleichzeitig den Verlust der Milch zur Folge, und nichts ist von den Wahima unter größeren Schwierigkeiten zu erwerben als eine Milchkuh.
Wie sich meine oft und dringlich zur größten Sorgfalt und Auf- merksamkeit ermahnten Viehhirten zu helfen wußten, als ihnen ein Kalb eingegangen war, dafür hatte ich fclgenden Beweis:
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An einem Spätnachmittag, nach angestrengtem Marsche, ging ich zur Kontrolle durch mein Lager und kam gerade dazu, wie meine Rinder- hirten die Kühe melkten. Was sah ich da — ich glaubte meinen Augen nicht zu trauen! Vor der einen Kuh stand, von einem Manne gehalten und von der Kuh mit rauher Zunge liebevoll beleckt, das mit Gras ausgestopfte Kalbfell. Es gehörte wirklich eine sehr lebhafte Phantasie dazu, diese Atrappe für ein Kalb zu halten. Bereits am Tage vorher war es ein- gegangen, die Leute hatten aber noch nicht gewagt, mir diesen Vorfall zu melden, sondern schnell das Fell abgezogen und im durchaus berechtigten Vertrauen auf die Dummheit des Rindviehs sich schnell ein neues Kalb konstruiert. Mehrere Wochen lang erfüllte diese Atrappe wirklich ihren Zweck.
Ihr charakteristisches Aussehen erhalten die Wahimarinder durch die gewaltigen Horner, mit denen der verhältnismäßig kleine Kopf geschmückt ist. Wie uns die Abbildungen zeigen, gibt es hier auch ver- schiedene Formen. Die am häufigsten vorkommende ist auf Abb. 49 sicht- bar. Die Hörner verlaufen zunächst seitwärts nach oben, während die Spitzen nach rückwärts und häufig auch etwas nach innen gewendet sind.
Nicht nur der Verlauf der Hörner, sondern mehr noch ihre ungeheure Dicke an der Basis bedingt das charakteristische Aussehen dieser Rinderrasse. Auch bei dem ungarischen Steppenrind findet man ja oft Hörner von nahezu 1 m Länge, stets bleiben diese jedoch verhältnis- mäßig dünn und schlank. Beim Wahimarind hingegen beträgt der Umfang an der Flornbasis durchschnittlich 40 — 50 cm. Diese charakteristische Beschaffenheit des Hornes findet man nur bei den in Abessinien und in den Gallaländern verbreiteten Sangarindern wieder, mit denen das Wahimarind identisch ist. Es dürfte wohl kein Zweifel darüber sein, daß die Heimat dieses Rindes ebenso wie die ihrer Besitzer, der Wahima, in Nordafrika, vielleicht gar in Asien zu suchen ist.
Die größte Sorgfalt verwenden die Wahima auf die Pflege ihrer schönen Rinderherden, verdanken sie doch ihnen ihren ganzen Lebens- unterhalt, und die Zahl der Rinder bedingt die soziale Stellung der Wahima. Leider sind auch hier, wie in den Gebieten östlich des Viktoria- Sees, Tausende von Rindern an einer Viehseuche eingegangen. Während früher sich der Rinderreichtum eines Wahimadorfes auf Tausende belief, habe ich jetzt nicht mehr als im Durchschnitt 200 — 400 bei jedem mittel- großen Dorfe feststellen können. Ob diese Viehsterbe auch hier durch die Rinderpest oder durch eine andere Seuche hervorgerufen wurde, weiß ich nicht, vermute aber, daß es die Rinderpest war, denn einmal stimmt der Zeitpunkt überein (etwa 1892), ferner sind auch, wie in der Masai- Steppe, in Mpororo und dem benachbarten Ankole, zur selben Zeit fast sämtliche Büffel dieser Seuche zum Opfer gefallen.
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Ganz wunderbar ist es, wie vertraut die Wahima mit ihren Kinder- herden umgehen. Trotzdem es doch häufig recht bösartige Bullen unter diesen gibt, habe ich es nie erlebt, daß ein Mhima von ihnen angegriffen
Abb. 55. Gestalt und Körperbau.
wurde. Nur wenige Hirten genügen, um Herden von mehreren Hundert zusammenzuhalten und lange Märsche mit ihnen auszuführen. 1 bis 2 Wahima setzen sich, ganz eigenartig durch die Zähne pfeifend, an die
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Spitze der Herde, die ihnen wie Hunde folgt, selbst wenn längere Strecken im Trabe zurückzulegen sind und es über schwieriges, bergiges Gelände oder durch Wasser geht.
Dieselbe Wahrnehmung habe ich übrigens bei den Masai gemacht. Auf diese Weise gelingt es ihnen, falls der Gegner nicht ganz über- raschend auftritt, ihre Rinderherden in beschleunigtem Tempo davon- zufiihien und in den Schlupfwinkeln unterzubringen.
Am Tage weiden die Rinder oft stundenweit vom Dorfe entfernt, und zwar die Kälber getrennt von der Herde. Getränkt werden die Tiere an offenen Wasserstellen. Wo diese indessen sumpfige Ränder haben, so daß das Vieh nicht gut heran kann, errichten sie große Tröge aus Lehm, sehr selten aus Holz, die sie in mühsamer Arbeit mit Wasser füllen und so das Vieh tränken.
Täglich gegen 5 — 51 - Uhr abends trifft die Herde im Dorfe wieder ein. Die Kälber werden für kurze Zeit zu den Kühen gelassen, diese dann gemolken, die Kälber hingegen in besonderen kleinen Hütten unter- gebracht. Die Zugänge des Dorfes werden geschlossen, und die Wache facht ein stark qualmendes Feuer an, das mit trockenem Rindermist genährt wird, um das Vieh vor seinen zahlreichen Peinigern, Stechfliegen, Mücken und Zecken, zu schützen. Mit Tagesgrauen, also gegen 6 Uhr, werden dann die Kühe wieder gemolken und auf die Weide getrieben.
Gegen Ende der Trockenzeit machen diese Weideplätze allerdings einen kümmerlichen Eindruck. Müde hängen die gelblichen Halme, mehr Stroh als Gras, zur Erde und man sollte nicht glauben, daß eine solche Weide noch Nährwert besitzt. Dies muß aber doch der Fall sein, denn ich habe auch in dieser Jahreszeit das Wahimarind in einem prachtvollen Futterzustande gesehen, in ganz erheblich besserem jedenfalls als die Rinder der Wadschagga am Kilimandscharo, die auf Stallfütterung an- gewiesen sind.
Die Milch, zuerst in große irdene Töpfe oder auch in große Holz- gefäße hineingemolken, wird in die weiter unten beschriebenen birnen- förmigen hölzernen Gefäße umgefüllt und teils in frischem Zustande genossen, häufiger aber in geronnenem.
Stets dürfen die Milchgefäße nur zur Aufnahme der Milch benutzt werden, nie zum Fleischkochen. Eines Tages erschienen Anverwandte meines Mhimaführers mit Milch für diesen in meinem Lager. Da sie das für sie immerhin wertvolle Milchgefäß wieder mitnehmen wollten, stellte ich ihnen einen meiner Kochtöpfe zur Verfügung. Sie lehnten aber dankend ab mit dem Bemerken, daß die Kuh, von der diese Milch komme, sterben müsse, da in dem Topfe schon Fleisch gekocht sei. Auch der Hin- weis, daß meine Milchkühe noch immer gesund seien, trotzdem in diesem Topfe Fleisch und Milch gekocht werde, vermochte sie nicht zu seiner Annahme zu bewegen.
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Ein Teil der Milch wird zu Butter verarbeitet, derart, daß Weiber oder Halberwachsene das hölzerne Gefäß oder die Kalebasse in schüttelnde Bewegung setzen. Die fertige Butter wird sodann in runde irdene Töpfe
Abb. 34. Gestalt und Körperbau.
getan. Eine Verunreinigung der Milch und Butter durch Urin findet, wie schon erwähnt, nicht statt, dagegen werden die Gefäße vor jedesmaliger Füllung erst ausgeräuchert. Hierzu dienen kleine irdene Kannen mit seit-
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licher Oeffnung zum Anblasen des Feuers und einem Hals zum Hinein- leiten des Rauches in die Gefäße.
Wunderbarerweise wird die Butter von den Wahima nicht als Nahrungsmittel benutzt, sondern dient einmal als Tauschartikel, zweitens, mit Ockererde oder rotem Ton vermischt, zum Einfetten des Körpers und der Kleidung. Vor allem werden die Felle, mit denen durchweg die Weiber noch bekleidet gehen, damit geschmeidig gemacht. Man kann keinen Gegenstand der Wahima und auch keinen Mhima selbst berühren, ohne nicht sofort das Gefühl zu haben, man habe Fett angefaßt. Auch geht von den Menschen und ihren Sachen ein ganz eigenartiger ranziger Duft aus, an den sich die Europäernasen erst langsam gewöhnen müssen.
Neben dem Rind finden wir bei den Wahima Ziegen und Schafe einer kleinen Rasse mit gerader Nase und kurzen Hörnern, die sehr wahr- scheinlich von den Eingeborenen, Wahutu bezw. Wapororo, erst über- nommen sind. Hühner werden nicht gehalten.
Für sehr dankenswert würde ich eine Kreuzung des prachtvollen Wahimarindes mit dem Zeburind halten, um so mehr, als die zahlreichen Rinderherden am Meruberg und Kilimandscharo der Auffrischung bedürfen. sollen sie nicht bald degenerieren. Die Bedenken, die von verschiedenen Seiten hiergegen geltend gemacht werden und die auf Tsetsegefahr und Transportunfähigkeit des Wahimarindes abzielen, halte ich nicht für stich- haltig, denn das Rind ist nicht empfindlicher als das Maultier. Ich habe mein Maultier monatelang in Mpororo gehabt und es dann völlig frisch und gesund von der Kongogrenze über Entebbe, Schirati, durch die Masai- steppe, am Kilimandscharo und dem Jipe-See vorüber bis nach Mombo ge- bracht. Von den in Schirati gekauften Rindern ist mir auch bis Mombo kein einziges Stück eingegangen, mit Ausnahme eines Ochsen, der am Rufu-Fluß von einem Krokodil ins Wasser gezogen wurde.
Die Rinder werden von Jünglingen unter der Aufsicht, oder doch Kontrolle, älterer Wahima geweidet. Die Rinderhirten bestreichen sich häufig Gesicht, Brust und Arme mit rotem Ton oder auch mit Kalk.
Die Anlage der Dörfer ist je nach dem Wohnsitz der Wahima ver- schieden. In Ost- und Mittehnpororo bauen sie offene Gehöfte derart, daß die höchst dürftigen Hütten im Kreise angelegt werden, in der Mitte einen freien Platz lassend, gerade groß genug zur Aufnahme der Rinder während der Nacht. Die Zwischenräume zwischen den einzelnen Hütten werden mit einer schwachen Dornenhecke geschlossen. Am Tage hat das Dorf Zugänge von allen Seiten, zur Nacht ist es durch die Dornenhecke völlig abgesperrt (Abb. 50).
In West- und Südmpororo hingegen werden mit Rücksicht auf die raublustigen Bergvölker starkbefestigte Dörfer angelegt. Jedes Dorf zer- fällt in mehrere, wieder in sich stark befestigte Abteilungen, so daß eine
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abschnittsweise Verteidigung; und somit, wenn die angreifende Partei nicht so zahlreich ist, daß das ganze Dorf umzingelt werden kann, ein gedeckter Rückzug möglich ist.
Abb. 55. Gestalt und Körperbau.
Die Befestigung besteht aus 2 -3 m hohen, V2 — 1 m breiten Ast- verhauen aus armdicken Ästen, die wiederum an zahlreichen Bäumen, fast immer Ficusarten, Stützpunkte finden. Vereinzelt sah ich auch die
Weiß, Die Völkerstämme im Norden Deutsch-Ostafrikas. 4
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Gehöfte umgeben mit Euphörbienhecken. Die wenigen Zugänge werden zur Nachtzeit noch durch besonders starke Astverhaue geschlossen und bewacht.
Erfolgt ein Überfall (nur zur Nachtzeit, mit Vorliebe zwei Stunden vor Tages- anbruch), so läßt die Wache
ein weithin schallendes Alarmgeschrei ertönen, das von Hof zu Hof weiter- gegeben wird. Auf dieses Alarmgeschrei kommen aber nicht etwa die Wahima der benachbarten Gehöfte den bedrohten Landsleuten zu Hilfe, wie man vermuten sollte, sondern überlassen sie ruhig ihrem Schicksal und fliehen mit Rindern, Weibern und Kindern (und zwar in dieser Reihenfolge) eiligst in ihre Schlupfwinkel.
Daß selbst so außer- ordentlich stark befestigte Dörfer keinen Schutz gegen die Überfälle der räuberi- schen Bergvölker gewähren, erlebte ich im Februar 1904.
Zwecks Wiederaufbau eines weit südlich am Kaki- tumbebach gelegenen trigo- nometrischen Signals hatte ich mein Lager an diesem Bache in Südmpororo auf- geschlagen, als ich die auf Abbildung 24 sichtbaren Wahima in freier Steppe, etwa 50 an der Zahl, auf mich zukommen sah. Kaum hatten sie mich erblickt, als sie alle hinter einem Gebüsch verschwanden. Ich war anfangs über dieses Be- nehmen der Leute erstaunt und wußte nicht, ob sie in friedlicher Absicht kamen oder nicht. Bald jedoch tauchten sie hinter den Büschen wieder
Abb. 56. Gestalt und Körperbau.
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auf, jetzt völlig unbewaffnet und zum weiteren Beweis ihrer friedlichen Absicht mit Zweigen in der Hand. Sie erzählten mir, in der vorigen Nacht habe ein Überfall von der ge- samten Kriegsmacht des Sultans Ratangaboa stattgefunden, zwei Dör- fer seien gänzlich niedergebrannt, eine Anzahl Männer niedergeschla- gen, 2000 Rinder und ebenso viel Ziegen und Schafe sowie ihre Weiber und Kinder ihnen entführt.
Ich setzte natürlich große Zweifel in die Richtigkeit ihrer Meldung, denn die Eingeborenen erzählen gern (leschichten und versuchen stets, die Anwesenheit des Europäers für sich auszubeuten. Als sie jedoch mehrere von Speeren und Pfeilen herrührende frische Wunden auf- wiesen, beschloß ich, nach dem nur wenige Stunden entfernten Tatorte zu marschieren. Hier sah ich denn die Leichen neben den völlig nieder- gebrannten Dörfern. Leider hatte ich weder das Recht noch die Macht, ihnen zu helfen, denn zu einem erfolg- reichen Zuge gegen die Räuber wäre vielleicht eine ganze Kompagnie aus- reichend gewesen, nie aber meine vier Askari. Ich schickte sie daher mit ihrer Klage nach der Militär- station Bukoba.
Auch in Mittelmpororo hatten die Leute aus dem westlichen selb- ständigen Berglande Rukiga den Versuch gemacht, in der Nacht aus einem Dorfe des Sultans Kissile- wombo Vieh zu stehlen, nicht jedoch in räuberischem Überfall, sondern es an das Dorf geschlichen, eine
Abb. 37. Mhiina-Misdiblut.
atten sich wie Diebesgesindel einige Öffnung in die Dornenhecke gelegt und waren von der Wache in dem Augenblick abgefaßt worden, als sie
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DIE WAH1MA (WATUSS1).
eine Ferse am Strick herausziehen wollten. Sie wurden ergriffen und am nächsten Morgen zu mir gebracht. Hier bestritten sie natürlich lebhaft, daß sie Rinder hätten stehlen wollen; sie seien nur hergekommen, um sich die Rinderherde einmal anzusehen.
Wie die Anlage der Gehöfte Unterschiede zeigt, so sehen wir es auch beim Hüttenbau. Die kegelförmigen Hütten (siehe Abb. 51) in Ost- und Mittelmpororo sind ganz roh in wenigen Stunden aus Ästen und Schilf zusammengeflochten und unregelmäßig und notdürftig mit Gras beworfen. Regnet es durch, so wird ein Rinderfell auf die undichte Stelle gelegt. Das Innere der Hütte zeigt ebenso wie die Hütte selbst eine höchst dürftige Einrichtung. Bettgestelle in der bekannten, sehr einfachen Form, bestehend aus vier eingegrabenen Pfählen, verbunden mit Querstangen, besitzen nur die vornehmen Wahima. Die anderen be- gnügen sich mit ganz grob geflochtenen Matten oder Fellen als Unterlage und zum Zudecken gleichfalls mit Fellen.
Der äußerst primitive Hüttenbau der Wahima Mittel- und Ost- mpororos ist wohl darauf zurückzuführen, daß sie häufig mit Rücksicht auf die Weideplätze ihre Dörfer verlegen und dann natürlich auf den Aufbau keine große Zeit und Mühe verwenden. So haben Emin Pascha und Stuhlmann im Jahre 1891 das Dorf der Nyawingi an einer ganz anderen Stelle gesehen als w ir im Jahre 1903. Wahrscheinlich wohnte damals Nyawingi im englischen Gebiet, während sie zu unserer Zeit ihre Residenz in demselben Gebiet, % Stunden südlich der Grenze, auf- geschlagen hatte.
Die Wahima West- und Südmpororos hingegen sind infolge der starken Befestigungsanlage ihrer Dörfer nicht imstande, diese häufig zu verlegen und treiben lieber ihr Vieh stundenweit zu den guten Weide- plätzen. Stets sind sie aber bis 5Vj Uhr abends wieder im Dorfe. Wir sehen daher hier auch häufig auf den Bau der Hütten und auf deren Aus- stattung größere Sorgfalt verwendet: allerdings weisen diese bei weitem nicht die Größe und saubere Einrichtung auf wie die Hütten der vor- nehmen Watussi Ruandas (Abb. 52).
Die kegelförmig gebaute Hütte hat einen vorspringenden Eingang und ist größer und besser eingedeckt. Wiederholt sah ich auch an Stelle der kegelförmigen Hütten längliche mit seitlichem Eingang, ähnlich der Bauart der Masaihütte, aber nur mit Grasbekleidung, nicht wie bei den Masai mit Lehm oder Kuhmist.
Erheblich größer, sehr sauber ausgeführt, mit geflochtenen Matten und zahlreichen an den Wänden hängenden Milchgefäßen ausgestattet war die Hütte der Königin Mumusa.
Ganz unbegreiflich war es mir, daß dieser edle Volksstamm, der in sittlicher Beziehung sowohl wie in seiner äußeren Erscheinung den Bantu-
Abb. 38. Kleidertraditen der Frauen.
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DIE WAHIMA (WATUSSI).
neger weit überragt, sich in diesen erbärmlichen Dörfern, die vor Schmutz starren und in denen es von Ungeziefer wimmelt, wohlfühlen kann. Wie es im Innern eines Dorfes, in dem von 6 Uhr abends bis 6 Uhr morgens das Vieh steht, aussieht, kann man sich ungefähr denken. Der Mist wird nicht etwa aus dem Dorfe entfernt, sondern nur ab und zu zusammengefegt und dient in holzarmen Gegenden als Brennmaterial.
Das Hausgerät besteht aus wenigen tönernen Kochtöpfen und Kürbisflaschen, die jedoch in einfachster Form ohne jegliche Verzierung gebraucht werden.
Das einzige Hausgerät, auf dessen Ausstattung sie Wert legen, ist das Milchgefäß. Der Mhima, der mit großer Liebe an seinem Rind hängt, hält anscheinend ein gewöhnliches irdenes Gefäß nicht für würdig genug, seine Haupt- und Lieblingsnahrung aufzunehmen. Diese Gefäße haben birnenartige Form und werden aus einem massiven Holzblock heraus- gearbeitet; über ihre Herstellung spreche ich noch in dem Handwerker- kapitel. Bei wohlhabenden Wahima hängt das Milchgefäß in geflochtenen Netzen in der Hütte, ist rot gefärbt und zeigt oft hübsche und geschmack- volle eingebrannte Strich- und Kreuzlinienmusterung.
Im Anschluß hieran möchte ich gleich die Musikinstrumente er- wähnen. Wir sehen nur Trommeln, diese aber in allen Größen. Sie sind verschieden abgestimmt, so daß man nicht nur den eintönigen Paukenschlag hört, sondern oft recht harmonisch klingende Töne. Dies fällt einem besonders angenehm auf, wie auch Graf Götzen schon berichtet, in der Residenz des Königs Msinga, dessen aus Batwazwergen gebildete Kapelle oft die ganze Nacht hindurch die Orgien des Königs mit Trommelschlag begleitet.
Als Hauptgenußmittel, wie überall in Ostafrika, dienen Tabak und Bier. Die Wahima bauen aber den Tabak nicht selbst, sondern erwerben ihn von den Wapororo. Der Tabak wird aus Pfeifen geraucht und zwar von den Männern und Jünglingen, nicht aber von den Weibern. Der Pfeifenkopf, aus Ton gebrannt, ist sauber gearbeitet, kegelförmig, oft mit umgebogenem Rand und unterhalb desselben mit feinen Kreislinien und Strichelungen verziert. Der halblange Stiel ist mit Bast, Eisendraht oder bei vornehmen Wahima mit Kupferdraht am Pfeifenkopf befestigt.
Auch das Bier wird nicht von den Wahima selbst zubereitet, sondern gleichfalls von den Ackerbauern.
Bares Geld war zu meiner Zeit den Leuten Mpororos und Ruandas so gut wie gar nicht bekannt. Nur der Sultan Kissilewombo ließ sich in Rupies zahlen; dies hatte seinen guten Grund darin, daß er in Bukoba steuerpflichtig war. Weiter westlich nahmen die Leute kein Geld mehr, sondern nur noch Tauschartikel. In eine unangenehme Lage geriet ich, als mir für eine kurze Zeit die Tauschartikel ausgegangen waren, und die
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Leute sich absolut nicht zur Annahme von Rupies bequemen wollten, selbst als ich ihnen für ethnographische Gegenstände und Lebensmittel den drei- bis vierfachen Wert bot.
Abb. 5Q. Unterkleidung einer Mhimafrau.
Die gangbarsten Tauschartikel waren ein blauer Stoff (Kaniki), der weiße Baumwollstoff (Merikani), bunt durchwirkte Tücher (Kikoi und Kitambi), große weiße und kleine rote Perlen. Das Abmessen der Stoffe
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gescliah mit der natürlichen Elle, d. h. es wurde die Entfernung vom Ellen- bogen bis zur Fingerspitze des ausgestreckten Unterarmes als Maßeinheit angenommen. Hierbei mußte man darauf achten, daß einen die Leute nicht übervorteilten, denn sie verstanden es mit großem Geschick, sich beim Abmessen immer den Mann mit dem längsten Unterarm auszusuchen.
Für eine Ziege z. B. zahlte man fünf derartige Ellen weißen Stoffes, kleinere Lieferungen von Vegetabilien wurden mit Perlen beglichen.
Abb. 40. Bekleidung der Frauen.
Unter sich handeln und tauschen die Wahima mit Lebensmitteln, Kaurimuscheln, Erzeugnissen des Schmiedehandwerks, Fellen, Ziegen, Schafen und Rindern.
Ich wende mich nunmehr zu den beiden interessantesten Er- scheinungen der Bewohner Mpororos, den Sultaninnen Nyawingi und Mumusa. Sie sind keine eigentlichen Herrscherinnen in unserem Sinne, sondern Hohepriesterinnen des Geistes Nyawingi, der das Volk durch diese regieren läßt.
Als Emin Pascha und Stuhlmann im Jahre 1892 durch Mpororo marschierten, wünschte Nyawingi mit dem Pascha zu verhandeln, ließ ihm aber gleichzeitig sagen, daß sie sich nicht zeigen dürfe, sondern hinter
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einem Vorhang mit ihm sprechen würde, worauf Emin Pascha erwiderte, unter diesen Umständen würde er nicht zu ihr kommen, da er nicht ge- wohnt sei, mit einer Wand oder einem Vorhang zu sprechen.
Da wir unser astronomisches Beobachtungslager nur eine halbe Stunde vom Dorfe der Nyawingi entfernt aufgeschlagen hatten, so be- schlossen Hauptmann Schlobach und ich, ihr an einem Sonntage unseren Besuch zu machen, um so mehr, als sie den Wunsch geäußert hatte, mit Hauptmann Schlobach über verschiedene Fragen zu ver- handeln.
Als wir uns dem Dorfe näherten, kamen uns ihre „Minister" und Würdenträger entgegen, um uns bis zur Hütte der Nyawingi zu geleiten. Bevor wir unter Führung des ersten „Ministers" die Hütte betreten durften, mußten wir unsere sämtlichen Leute, mit Ausnahme eines Dolmetschers, aus dem Dorfe entfernen, erst dann führte uns der „Minister" hinein.
Die eine Hälfte dieser Hütte ist durch einen Vorhang abgeteilt, hinter dem nach Aussage des „Ministers" Nyawingi sitzen soll. Wir be- kommen sie jedoch nicht zu sehen, sondern hören sie nur in hohen Fistel- tönen reden; das soll, wie uns der „Minister" erklärt, die Stimme des Geistes sein. Sie spricht jetzt in natürlichem Tone zu ihrem „Minister" und verdolmetscht ihm das, was der Geist soeben gesagt hat; der „Minister" wiederum verkündet es uns mit Hilfe eines Dolmetschers. Es sind die üblichen Bitten und Wünsche, die einem jeder Sultan im Innern vorträgt: Nyawingi beklagt sich darüber, daß ein Teil ihrer Untertanen ihr den Gehorsam verweigert habe und Leute aus den Rukigabergen bei ihr eingefallen seien, ihr verschiedene Männer erschlagen und ihr Rindvieh gestohlen hätten. Sie bittet um unsere Unterstützung gegen diese; in erster Linie sollen wir die Rukigaleute bekriegen, um ihr das Rindvieh zurückzuerobern. Es wird ihr geantwortet, daß wir hierzu absolut keine Zeit und kein Recht hätten, sie müsse sich schon an die zuständige Militär- station Bukoba wenden. Sie war über diese Antwort sehr traurig und versuchte nun nochmals, den Geist in Fisteltönen auf uns einreden zu lassen. Als auch der zweite Versuch mißlang, bat sie uns um Geschenke, die wir ihr in Gestalt von bunten Tüchern, Decken und Perlen überreichen ließen. Hieiauf geruhte sie zum Dank uns ihre Hand, die schmal, wohl- geformt und von hellbrauner Farbe war, durch den Vorhang hindurch- zureichen.
Wir baten sie nun, doch ans Tageslicht zu kommen und uns, wie es in Europa Sitte sei, „Guten Tag" zu sagen. Nach einigen Verhand- lungen willigte sie auch ein, fragte aber erst noch einmal, ob kein anderer in der Nähe sei, der sie sehen könne. Nun erst trat sie hinter dem Vorhang
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hervor und begrüßte uns. Schön war sie nun gerade nicht, sie kann es aber früher einmal gewesen sein. Sie spielt auch heute durchaus nicht
Abb. 42. Waliima-Madchen, mit Kanga bekleidet.
mehr die Rolle, die sie einst gespielt haben soll, und ist bei weitem nicht mehr, wie die Wahima sie nennen, die Beherrscherin von Mpororo. Nominell gehorchen ihr die Wahima und zahlen ihr sogar, wie z. B. der
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ganz selbständige, im englischen Gebiet lebende Sultan Lugarama, Tribut; im Grunde tun sie jedoch, was sie wollen. Ich habe den Eindruck ge- wonnen, daß der größte Teil der Wahima an den Geist nicht glaubt; sie halten aber an diesem Kultus fest mit Rücksicht auf die umwohnenden, ihnen Untertanen, sehr abergläubischen Negerstämme, die Wapororo oder Wanjambo, oder wie sie diese kurz benennen, „Weru", was soviel wie Untertanen heißt.
Während Hauptmann Sehlobach noch mit Nyawingi verhandelt, sehe ich mich in der großen, ziemlich dunklen und nicht gerade sehr sauberen Hütte um und entdecke hierbei in einer Ecke zwei junge Mädchen im Alter von 10 bis 12 Jahren, die, wie Nyawingi uns selbst sagt, ihre Töchter sind; für eine Hohepriesterin eine immerhin etwas seltsame Tatsache! Ich äußere nun den Wunsch, sie zu photographieren, und bitte sie, zu diesem Zwecke aus der Hütte herauszutreten. Anfangs will sie hiervon gar nichts wissen, als ich ihr jedoch noch einige Tücher und Perlenketten gebe, erklärt sie sich einverstanden, aber nur, wenn das Dorf so weit abgesperrt wird, daß niemand sie erblicken kann. Außerdem muß der „Minister" eine große geflochtene Strohmatte als spanische Wand so vor die Hütte stellen, daß man Nyawingi vom Eingang des Dorfes her nicht sehen kann. Somit gelang es mir endlich, einige photographische Aufnahmen zu machen, von denen eine in Abbildung 53 wieder- gegeben ist.
Im Anschluß hieran bat sie uns nochmals, in die Hütte zu kommen; sie selbst ging voraus und führte uns durch einen schmalen, niedrigen, ganz dunklen Gang in eine dahinter gelegene zweite kleinere Hütte, in der uns völlige Nacht umfing. Hier versuchte sie nun von neuem, den Geist reden und auf uns wirken zu lassen, in der Hoffnung, wir würden sie schließlich doch gegen ihre unbotmäßigen Leute unterstützen. Wir ließen ihr wiederum unser lebhaftes Bedauern darüber aussprechen, daß wir das nicht könnten und dürften, worauf sie uns sagen ließ, Nyawingi sei ein sehr mächtiger Geist, der nicht nur hier, sondern auch in unserer Heimat wohne; wir würden ihn nach unserer Rückkehr sicher in Europa treffen.
Hauptmann Schlobach forderte sie alsdann auf, uns in den nächsten Tagen ihren Gegenbesuch zu machen, was tatsächlich auch mit den nötigen Vorsichtsmaßregeln, wie Absperren und Vorhalten eines großen geflochtenen Schirmes, erfolgte. Bei dieser Gelegenheit wurde ihr von Hauptmann Schlobach der Phonograph vorgeführt und ihr erklärt, in diesem säße unsere europäische Nyawingi, die bedeutend mächtiger sei als ihre Nyawingi, worauf sie es mit der Angst bekam und uns bat, wir möchten aufhören, diese Nyawingi sprechen zu lassen. Sie fürchtete wohl, erkannt zu sein. Nach Empfang von einigen Geschenken verließ
DIE WAHIMA (WATUSSI).
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sie unser Lager; selbstverständlich hatte sie bei diesem Besuch wieder versucht, uns zur Bekämpfung ihrer Nachbarn zu veranlassen.
Wie wenig Macht diese Nyawingi über ihr Volk besitzt, erhellt daraus, daß sie nicht einmal in der Lage war, unsere Karawane während
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Abb. 44. Wahima-Kinder aus Mpororo.
des vierwöchigen Aufenthaltes dort zu verpflegen, und wir auf Nachschub aus dem Gebiete des Sultans Kissilewombo angewiesen waren. Nach etwa Mtägigem Aufenthalt ließ sie uns durch ihren „Minister" sagen, wir hätten nun gerade lange genug in ihrer Nähe gesessen; helfen wollten wir ihr doch nicht, also sollten wir nun wieder abmarschieren.
Vier Monate später traf ich zum Grenzpfeilerbau wieder in dem Gebiete der Nyawingi ein und fand hier verschiedene Veränderungen vor. Ihr Hort war niedergebrannt und an einer ungefähr 2 Mi km weiter südlich gelegenen Stelle wieder aufgebaut. Der „Minister", der mir entgegenkam und mich begrüßte, war ein anderer wie bei meinem damaligen Besuche. Auf meine Frage, wo denn sein Vorgänger geblieben sei, antwortete er mir: „Ja, der ist tot." „Woran ist er denn gestorben?" fragte ich weiter, „es war doch ein junger, kräftiger Mann." Anfangs wollte er mit der Sprache nicht recht heraus, dann erzählte er mir aber folgende Episode: Der erste und zweite „Minister" hatten im Dorfe der Nyawingi Streit be- kommen, wer mehr zu sagen habe. Der Wortwechsel wurde immer heftiger, schließlich liefen beide eiligst in ihre Hütten, holten sich ihre Speere und rannten sich diese gegenseitig mit kräftigem Schwünge in den
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Leib. Unmittelbar im Anschluß hieran gaben sie ihren Geist auf. Jeden falls ein einfaches und empfehlenswertes Duellverfahren!
Ich begrüßte hierauf die Nyawingi, die die üblichen Bitten auch jetzt wieder an mich richtete. Sie beklagte sich, daß die Macht der Rukigamänner immer größer würde und sich bereits ein Teil ihrer Unter- tanen von ihr losgesagt habe und in die Rukigaberge ausgewandert sei.
Abb. 45. Misdiblut-Kinder aus Ankole.
Helfen konnte ich ihr natürlich ebensowenig wie das erste Mal. Auf vieles Bitten meinerseits und gegen zahlreiche Geschenke erhielt ich von ihr ein recht seltenes Stück, nämlich ihr eisernes Zepter, das sie seinerzeit auch Emin Pascha entgegengeschickt hatte als Zeichen ihrer Würde. Es be- findet sich mit zahlreichen anderen Sammlungsgegenständen im Museum zu Leipzig.
Kurz bevor ich der Nyawingi diesen zweiten Besuch machte, kam ich durch das Gebiet der Herrscherin Mumusa. Ich hatte diesen Umweg machen müssen, da ein Triangulationssignal, das ich notwendig ge-
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brauchte, umgefallen, wahrscheinlich aber von Nashörnern umgeworfen war. Dicht neben ihrem Dorfe schlug ich gegen 3 Uhr nachmittags mein Lager auf und wurde von ihren Würdenträgern begrüßt. Auf meinen Wunsch, ihre Herrscherin sehen zu wollen, führte mich der erste „Minister" in ihre Hütte, die größer und sorgfältiger gebaut war als die der Nyawingi und in der Hinrichtung des Innern erheblich mehr Aus- stattung zeigte als dort; an den Wänden hingen in sauber geflochtenen Netzen hübsch geformte und zum Teil mit Mustern versehene hölzerne Milcligefäße. Auch war Mumusa entschieden vernünftiger als Nyawingi. So verzichtete sie darauf, erst den Geist zu uns in Fisteltönen reden zu lassen und streckte mir gleich hinter dem Vorhang ihre Hand zur Be- grüßung entgegen, bei welcher Gelegenheit sie auch ihren wohlgeformten hellbraunen Arm zeigte. Auf meine Bitte schlug sie sogar ohne langes Zögern den Vorhang zurück und wurde nun, allerdings im Halbdunkel sitzen bleibend, sichtbar. Ihr Äußeres ist bedeutend angenehmer als das Nyawingis; wunderhübsche braune Augen in einem edelgeschnittenen Mhimagesicht; dazu, wie ich später sehen konnte, eine recht schön ge- wachsene große Figur. Ich überreichte ihr die mitgebrachten Geschenke und bat sie, meine Karawane für den heutigen Tag zu verpflegen, worauf sie auch sofort ihrem „Minister" Anweisungen gab, das Erforderliche herbeizuschaffen.
Wie Nyawingi, bat ich gleichfalls Mumusa, sich von mir photo- graphieren zu lassen. So vernünftig sie sonst war, das wollte sie aber durchaus nicht tun, in erster Linie wohl aus Furcht davor, daß einer ihres Volkes sie bei dieser Gelegenheit sehen könne. Erst als ich ihr weitere Geschenke gab und ihr auch versprach, das ganze Dorf absperren zu lassen, so daß sie von niemand gesehen werde, willigte sie ein.
Sie hüllte sich vollständig in ein großes Tuch und klatschte dreimal in die Hände, worauf zwölf wohlgebaute Wahimajünglinge herbeieilten und sie in eine bereitstehende Tragbahre, die, wie Tafel IV zeigt, große Ähnlichkeit mit einer Badewanne hat, setzten. Durch mehrere an den Seiten befindliche Oesen wurde je eine lange Stange gesteckt und so die Königin Mumusa aus der Hütte getragen. Hierauf verschwanden sofort die zwölf Wahima wieder, nur ihr erster „Minister" blieb bei ihr.
Ich ließ ihr nun durch diesen sagen, sie möchte aus der Tragbahre heraussteigen, damit ich sie in ganzer Figur photographieren könne, vor allem möchte sie aber ihr Kopftuch zurückschlagen, damit auch ihr hübsches Gesicht zu sehen sei. Sie wollte jedoch von einem Verlassen der Tragbahre absolut nichts wissen, und auch das Kopftuch schlug sie nur ganz wenig zurück, nachdem ich auf ihren ausdrücklichen Wunsch noch meinen Boy, der mir beim Photographieren behilflich war, und meinen Dolmetscher entfernt hatte. Als ich nun selbst den Versuch
Tafel IV.
Siiltcuiin Mumusa.
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machte, ihr Tuch noch weiter zurückzuschlagen, ließ sie mir durch ihren „Minister" sagen, ich dürfe unter keinen Umständen ihr Tuch berühren, dazu habe höchstens der „Minister" das Recht, worauf ich sie bitten ließ, es so weit zurückzuschlagen, daß wenigstens der ganze Kopf sichtbar werde.
Somit gelangen mir nach vielem Hin- und Herreden, und nachdem ich eingesehen hatte, daß eine Aufnahme in voller Figur unmöglich war.
Abb. 46. Misdibltit-Kinder aus Ankol
einige Photographien. Als ich diese gemacht hatte, trat sie auf dieselbe Weise den Rückweg in ihre Hütte an. Hier ließ sie mir durch ihren „Minister" sagen, daß sie gehört habe, ich führe in meiner Karawane ein ihr noch unbekanntes Tier mit, daß sie kennen lernen wolle. Nach verschiedenen Kreuz- und Querfragen stellte ich mit Hilfe meines Dol- metschers fest, daß sie meinen Hundsaffen „Fips" sehen wollte. Ich ließ ihr sagen, daß ich natürlich sehr gern bereit sei, ihr meinen Affen zu zeigen, sie müsse mir jedoch ihren Gegenbesuch machen und sich den Affen in meinem Lager ansehen.
Weiß, Die Völkerstämme im Norden Deutsch-Oslafrikas
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Anfänglich sträubte sie sieh heftig dagegen, doch: Weib bleibt Weib, die Neugierde siegte! Schon nach einer halben Stunde meldete mir mein Boy (ich war inzwischen in mein Zelt zurückgekehrt), daß Mu- musa mit ihrem Gefolge nahe. Ich trat zum Zelt heraus und sah einen großen Zug Wahimamänner, mit Schilden und Speeren bewaffnet, sich nähern. An der Spitze schritt, einen großen Bambusstock in der Hand, der erste „Minister"; ihm folgte, in der schon vorher be- schriebenen Weise getragen, die verhüllte Mumusa, zu beiden Seiten und hinter dem Korbe eine große Anzahl Männer und Jünglinge. Bis jetzt hatte ich noch kein anderes weibliches Wesen als Mumusa zu Ge- sicht bekommen.
Dicht vor meinem Zelt wurde der Korb niedergesetzt (Abb. 54), und alles, mit Ausnahme des „Ministers", zog sich auf ihr Händeklatschen weit zurück. Sie lüftete nun ihr Kopftuch ein wenig und bat, den Affen sehen zu dürfen. Ich forderte sie auf, doch in meinem Zelt auf einem bequemen Stuhle Platz zu nehmen, was sie jedoch ganz energisch ablehnte. „Fips", von meinem Boy geführt, erschien auf der Bildfläche und erregte sichtlich ihr Erstaunen; als er jedoch zutraulich wurde und zu ihr in den Korb springen wollte, bat sie mit ängstlicher Stimme, ich möchte das Tier entfernen. Ich ließ ihr nun wiederum einige Geschenke übergeben und erhielt ihr Perlenstirnband, das recht geschmackvoll aus sehr kleinen schwarzen und weißen Perlen von ihr hergestellt war.
Hierauf kehrte sie wieder in die Residenz zurück, nachdem sie auf meine Bitten noch versprochen hatte, mir am nächsten Morgen, bevor ich abmarschiere, einige Wahimafrauen und -Kinder, die ich bei ihr über- haupt noch nicht zu Gesicht bekommen hatte, zum Photographieren zur Verfügung zu stellen. Tatsächlich fand ich am nächsten Morgen vor der Hütte der Mumusa Weiber und Kinder pünktlich zur Stelle. So war ich noch eine halbe Stunde photographisch tätig und verließ dann, in jeder Weise von diesem Besuche zufriedengestellt, die Residenz Mumusas. Sie hat mir in ihrem Äußeren, wie auch in ihrem Wesen erheblich besser gefallen als die berühmtere Nyawingi. Auch hat sie entschieden die um- wohnenden Untertanen besser in der Gewalt als jene; die Verpflegung für meine Karawane traf pünktlich und reichlich ein, was bei Nyawingi nicht immer der Fall war.
Ganz selbstverständlich ist es, daß auch Mumusa den Versuch machte, mich zu einem Kriege gegen ihre räuberischen Nachbarn zu be- wegen. Wie sie mir noch erzählte, sei auch sie weiter nichts wie eine Hohepriesterin des Geistes Nyawingi, und es gäbe noch eine dritte im Kongostaate.
Dieser Nyawingikultus hatte übrigens während meiner Anwesen- heit dort ansteckend auf die Bewohner von Ankole gewirkt. So kamen
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eines Tages, als ich beim Pfeilerbau dicht an der Grenze arbeitete, zwei Weiber und sechs Männer zu mir, welche behaupteten, die jüngere der beiden Weiber sei die echte, richtige Nyawingi, die andere in Mpororo sei gefälscht; ich möchte doch dieser echten Nyawingi wieder zu ihrer Macht verhelfen. Ich lachte sie natürlich aus und schickte sie nach Hause.
Zur weiteren Charakteristik der Wahima sei noch folgendes er- wähnt. Sie besitzen eine an Naturmenschen Befremden erregende Selbst- beherrschung. Sie geben nie, wie ich das bei allen anderen Stämmen
Abb. 47. Rinder.
mit Ausnahme der Masai beobachtet habe, ihrem Erstaunen, ihrer Freude und anderen Gemütsbewegungen sofort durch laute Rufe, Hände- klatschen oder lebhafte Gesten Ausdruck, sondern bewahren ihre vor- nehme Ruhe. So sah ich, als Hauptmann Schlobach dem Sultan Kissile- wombo seinen Phonographen vorführte, an den Augen der Wahima und den Blicken, die sie sich zuwarfen, das lebhafte Erstaunen, aber kein Laut und keine Geste verriet ihre Ueberraschung.
Dieselbe Erfahrung machte ich, als ich dem Sultan Kissilerobo und seinem Gefolge meinen Spiegel zeigte. Fraglos hatten sie noch nie einen
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Abb. 48. Rinder.
Spiegel gesellen und er erregte daher lebhafte Bewunderung und Interesse bei ihnen. So wollte mir durchaus der erste „Minister" Kissilerobos den Spiegel abkaufen, doch konnte ich leider auf das Geschäft nicht eingehen, denn es war der einzige. Welchen Eindruck dieser Spiegel auf die Leute gemacht hatte, bemerkte ich daran, daß er, als ich abends in mein Zelt kam, verschwunden war. Ich ahnte den Zusammenhang und ließ mir den ersten „Minister" holen. Er leugnete natürlich lebhaft, doch förderte eine Durchsuchung seiner Hütte den Spiegel zutage.
Ganz einzig steht unter sämtlichen mir bekannten Negerstämmen das Familienleben der Wahima da, das man, abgesehen von der ohne Frage recht praktischen Uebung, daß der Mhima je nach Vermögens- lage mehrere Weiber besitzt, fast ein europäisches nennen könnte. Der Mhima behandelt seine Frau mit Achtung und Ehrerbietung und mit zärt- licher Liebe hängt er an seinen Kindern. Wiederholt beobachtete ich, daß er Weib und Kind küßte. Wohl sah ich bei den Masai und Wandorobbo Männer ihre Kinder küssen, nie jedoch ihre Frauen. Sehr selten wird es dem nur durchreisenden Europäer gelingen, die wohlbehüteten Wahima- frauen und -Töchter zu Gesicht zu bekommen. Hierzu ist ein durch längeren Aufenthalt im Umgange mit ihnen erwachsendes Vertrauen er- forderlich.
Wie Dr. Kandt, wohl der beste Kenner Ruandas und der Watussi, sagt, ist nichts schwerer, als in ihr Geistes- und Seelenleben einzudringen. Sie verschließen fest ihr Allerheiligstes vor dem profanen Forscherauge. Trotzdem Kandt, der das volle Vertrauen der Watussi genießt, jahrelang
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dort gelebt und geforscht hat, ist er doch immer wieder auf starke Wider- sprüche gestoßen, so daß er es bis jetzt mit seiner strengen Gewissen- haftigkeit noch nicht vereinbaren konnte, sein reiches Material zu ver- öffentlichen, nicht früher, bis weitere Nachforschungen alle Widersprüche beseitigt haben. Jedenfalls dürfte so viel schon jetzt als sicher gelten, daß große Aehnlichkeiten in den Religionsanschauungen der Watussi und Masai bestehen.
Dies wird auch durch den Pater Dufays bestätigt, der uns be- richtete, daß er von einem schwerkranken Mtussi, den er pflegte und der zu sterben glaubte, ähnliche alttestamentarische Ueberlieferungen gehört habe, wie Merker bei den Masai. Als der betreffende Mtussi wider Er- warten doch noch gesund wurde, stellte er seine auf dem Krankenlager gemachten Aussagen wieder in Abrede. Es scheinen also diese An- schauungen nicht allgemein bekannt zu sein, sondern nur bei den Familien- häuptern, die sie in ihrer Sterbestunde gewissermaßen als Vermächtnis ihrem ältesten Sohne überliefern.
Genaue Untersuchungen über die Sprache der Wahima konnte ich naturgemäß infolge Zeitmangels nicht machen. Folgende beide Möglich- keiten liegen vor: Entweder hat die Urbevölkerung die Sprache der Wahima, ihrer Herrscher, angenommen, oder die Wahima die der Ur-
Abb. 49. Milchkuh mit Kalb.
To
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bevölkerung. Letzteies erscheint mir wahrscheinlich, jedoch möchte ich nach meinen Beobachtungen noch hinzufügen, daß die Wahima außerdem noch ihre eigene Sprache haben. Hierfür spricht folgendes Erlebnis: Als Watussi aus Ruanda zu mir nach Südmpororo ins Lager kamen, be- grüßten sie sich mit meinen aus Westmpororo stammenden Wahima freundschaftlich, und zwar bestand diese Begrüßung erst in einem An- fassen, nicht der Hände, wie es bei uns Sitte ist, sondern sie faßten über die Hände herüber um die Handgelenke. Hierauf erfolgte eine halbe Umarmung, bei der also nur je ein Arm in Tätigkeit trat, so etwa, wie wir eine Dame zum Tanz umfassen. Sie unterhielten sich dann voll- kommen mit den Wahima, waren aber nicht imstande, sich mit den Wapororo zu verständigen. Um mit ihnen zu sprechen, bediente ich mich meines Askari Kirangano, der Kisuaheli und die Sprache der Wapororo sprach, und meines Mhimaführers. Zu dem Askari sprach ich in Kisuaheli, er zu dem Mhima in der Sprache der Wapororo (Kinjorro) und dieser Mhima endlich in einer uns unverständlichen Sprache zu den Watussi. Besonders flott ging die Unterhaltung infolgedessen nicht.
Die Erfahrung wird ja jeder Forschungsreisende machen, daß brauchbare Resultate bei Nachforschungen nur dann zu erzielen sind, wenn man immer und immer wieder in ganz verschiedenen Dörfern den Leuten dieselben Fragen vorlegt und zwar möglichst nur den Dorf- ältesten. Denn Antworten bekommt man auf seine Fragen schnell, ob sie aber richtig sind, kann man erst durch wiederholtes Kontrollieren feststellen. Am gewissenhaftesten und sorgfältigsten in diesem Punkte ist wohl Hauptmann Merker bei der Erforschung der Masai verfahren. Hierzu gehört eben, daß man sich mit voller Kraft nur dieser Aufgabe widmet und nicht, wie ich., in seinen wenigen Mußestunden nur einige Brosamen sammelt.
Wie leicht man dazu kommt, selbst bei großer Sorgfalt falsche Aufzeichnungen zu machen, das kann in erster Linie Dr. Kandt bezeugen, der die Sprache der Watussi vollkommen beherrscht, mit ihnen be- freundet ist, jahrelang in ihrem Lande gelebt und geforscht hat und trotz- dem immer wieder auf einander widersprechende Angaben bei den Leuten gestoßen ist.
Die Heirat erfolgt in der allgemein dort üblichen Weise, nämlich durch Kauf, und zwar beträgt die Hochzeitsgabe in der Regel 3 bis 10 Rinder, mehrere Ziegen und Schafe und mehrere eiserne Hacken. Es ist also in Afrika im Gegensatz zu Europa für die Eltern erheblich an- genehmer, Töchter wie Söhne zu haben. Dem endgültigen Abschluß, also dem endgültigen Jawort des Vaters der Braut, gehen längere Ver- handlungen voraus. Diese werden geführt von den beiden Vätern oder, ist der Heiratskandidat schon selbständig, von diesem selbst mit seinem
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Schwiegervater. Bei jeder derartigen Zusammenkunft erfordert es der gute Ton, daß der Schwiegersohn dem Schwiegervater ein Geschenk mitbringt, dessen Wert bei jedesmaligem Besuch zu steigen hat. Bei der ersten Zusammenkunft und Besprechung genügt z. B. ein größerer Topf Honig, während bei der Schlußverhandlung schon einige Ziegen und Schafe gegeben werden. Selbstverständlich wird bei diesen stunden- langen Besprechungen tapfer gezecht.
Es ist allgemein Sitte, daß die Wahimamädchen bis zu ihrer Ver- heiratung unberührt bleiben. Doch bestätigen hier wie auch in Europa die Ausnahmen die Regel. Der betreffende Schwiegersohn tröstet sich meistens damit, daß er einen Teil der Hochzeitsgabe zurückverlangt. Ein
Abb. 51. Hütte in Hord-Mpororo.
Verzicht auf das Mädchen erfolgt eigentlich nur dann, wenn sie bereits ge- schwängert ist. Die verheirateten Frauen halten ihren Männern die Treue, in der Regel wenigstens, jedenfalls wird der Ehebruch streng be- straft. Der schuldige Mann wird verstoßen, auch hat der betrogene Ehe- mann das Recht ihn zu erschlagen und sein Vermögen einzuziehen. In Ruanda hingegen soll, was ich persönlich nicht feststellen konnte, Kon- nubium herrschen.
Bei keinem Volksstamm ist mir das rasche Dahinwelken der Weiber, sobald sie verheiratet sind, so aufgefallen wie bei den Wahima. Die Nichte des Sultans Kissilerobo z. B. sah ich bei meinem ersten Ein- treffen als junges, schönes, blühendes Mädchen, das sich in wenigen Tagen verheiraten sollte. Nach 4 Monaten sah ich sie wieder und war stark enttäuscht. Das lange Haar war abrasiert, die früher schönen, straffen
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Brüste waren schlaff und sie war fett geworden. Dies liegt in erster Linie an der eigentümlichen Lebensweise der verheirateten Frauen. Während sich die jungen Madchen im Freien tummeln, bleiben die Frauen ständig in den Hütten sitzen und arbeiten so gut wie gar nicht, genießen aber ganz erhebliche Mengen Milch. Die Folge ist, daß sie sehr bald ihre schöne schlanke Figur verlieren und dick und plump werden.
Eine weitere Folge dieser Lebensweise ist ein Erschlaffen der nie mehr geübten Beinmuskeln. Bei noch ganz jungen Frauen habe ich einen müden, schleppenden Gang und Atembeschwerden bemerkt, selbst wenn es sich nur um einen Marsch von wenigen Kilometern, wie z. B. beim
Abb. 51. Hütte in Süd-Mpororo.
Wohnungswechsel, handelte. Hieran sind natürlich auch das schwere, lange Unterkleid, bestehend aus einem Rinderfell, und die zahlreichen bis zum Wadenansatz reichenden Beinringe schuld.
Mit Ausnahme der vornehmen, herrschenden Wahima besitzt im Durchschnitt der Mhima nicht mehr als 3 Frauen, von denen jede etwa 3 — 4 Kinder zur Welt bringt, die zu einem Drittel leider infolge unsach- gemäßer Pflege und Behandlung in frühester Kindheit sterben. Bei der Geburt eines Kindes darf der Ehemann nicht zugegen sein, sondern nur die weisen Frauen des Dorfes. Die Geburt erfolgt in der Hockstellung. Hat die weise Frau das Kind gewaschen, so wird der Vater gerufen. Er darf die Hütte jedoch noch nicht betreten, sondern sich nur am Ein-
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gange aufhalten, die weise Frau zeigt ihm das Neugeborene und er hat in lauten Tönen seine Freude zu verkünden.
Die Wahima werden nicht alt. Ihre häufigste Todesursache, so- weit ich durch Befragen feststellen konnte, ist eine Brustkrankheit, ver- bunden mit starkem Husten, Fieber und häufig noch mit einer außer- ordentlich hartnäckigen Verstopfung, die ich mit meiner medizinischen Ausrüstung, selbst mit großer Dosis Calomel, nicht habe beseitigen
Abb. 55. Priesterin Nyawingi mit Minister und Töchtern.
können. Stirbt ein Mhima. so wird er in seiner Hütte begraben und diese dann über ihm abgebrannt. Sowohl Geburt als auch Hochzeit und Tod werden in der üblichen Weise durch Trinkgelage gefeiert.
Gern habe ich mit den intelligenten, sympathischen Wahima zu tun gehabt. Um so mehr als sich hier in Mpororo dieser Stamm noch rein und unvermischt erhalten hat, unter Beibehaltung seiner alten Sitten und Gewohnheiten. So manche interessante und angeregte Unter- haltungsstunde habe ich dort draußen in Mpororo mit diesen Naturkindern
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gehabt, die mir ebenso wie die Masai in steter lieber Erinnerung bleiben werden. Oft hatte ich bei diesen Plauderstunden das Gefühl: „Wenn doch so mancher hochkultivierte Europäer, mit dem du zu Hause not- gedrungen umgehen mußt, ein ebenso anständiger Charakter wäre, wie deine braunen Freunde hier."
Mit lebhaftem Bedauern habe ich dann später in Ankole die unter dem Einfluß der dort herrschenden Wagandahäuptlinge lebenden Wa-
Abb. 54. Sultanin Mumusa in ihrem Tragkorb.
hima gesehen, die sich europäisch kleideten und auch sonst verschiedene Kulturgebräuche angenommen hatten. Naturgemäß heirateten die Wa- gandahäuptlinge die viel schöneren Wahimafrauen, so daß hier schon starke Vermischung eingetreten war. Wohl traf ich in Ankole noch wiederholt Leute, die nach Wuchs und Gesichtsschnitt Wahima hätten sein können, aber sie waren es leider nicht mehr. Der starke Einfluß der von den Engländern hier eingesetzten Wagandachefs hatte sie sehr bedauerlicherweise zu einem ganz anderen Menschenschlage gestempelt.
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DIE WAH1MA (WATUSSl).
So erfreulich es für die kulturelle Entwicklung des Landes fraglos ist, wenn die Eingeborenen europäische Gebräuche annehmen, so wenig erfreut das den, der dort draußen Naturmenschen sucht und deren Sitten erforschen will.
11. Die Wanjambo.
(Wapororo, Wahutu).
achdem ich im vorigen Kapitel eine kurze Schilderung von dem Herrschervolk der Waliima gegeben habe, wende ich mich nunmehr zu den ureingesessenen Landesbewohnern, den Wanjambo, wie sie ganz all- gemein heißen, oder Wapororo, wie sie sich in Mpororo, bezw. Wahutu, wie sie sich in Ruanda nennen. Sie bewohnen die Landschaften Ruanda, Mpororo, Karagwe und kommen auch noch nördlich der Kagera in der Landschaft Ankole vor. Wie im ersten Kapitel, will ich auch hier der Schilderung der Menschen eine kurze Beschreibung des Landes vorausgehen lassen. Mpororo und Ruanda sind bereits besprochen, es bleiben also noch Karagwe und Ankole.
Karagwe ist ein durch zahlreiche tiefeingeschnittene, fast stets meridional verlaufende Täler stark zerklüftetes Land. Die typische Form eines derartigen Karagwe-Tales zeigt uns Abb. 55. Die Bergzüge haben eine Durclischnittshöhe von 1700 m und sind fast alle gleich hoch. An verschiedenen Stellen werden diese Längszüge durch eine Sattelung in Art eines Querriegels verbunden, so daß man es nicht nötig hat, in die Täler hinabzusteigen, wenn man weite Umwege nicht scheut. Schneller jedoch kommt man, allerdings auch mit erheblich mehr Anstrengungen, durch Karagwe hindurch, wenn man die steilen Hänge in die oft 400 bis 500 m tiefen Täler hinab- und wieder hinaufsteigt.
Während wir auf den Höhenzügen fast nur Grasbestand und höchst selten Bäume finden, sind die Täler und Hänge mit Akazienbaum- und Buschbestand bewachsen. Die Täler, die meist eine sumpfige Sohle oder auch ein fließendes Gewässer aufweisen, sind mit undurchdring- lichem dornigen Unterholz bestanden, in welchem zahlreiche Nashörner hausen. Ein Durchqueren dieser Täler ist nur auf den Nashornpfaden möglich, will man sich nicht erst in stundenlanger Arbeit mit Axt und
7s
DIE WAN1AMBO.
Abb. 55. In Karagwe an der Kagera.
Buschmesser einen Weg bahnen. Angenehm sind derartige Märsche natürlich nicht. Das Marschieren in gebückter Haltung, häufig sogar auf allen Vieren, ist recht anstrengend, dazu kommt noch als wenig an- genehme Zugabe die Aussicht, auf einem der zahlreichen kreuz und quer verlaufenden Nashornpfade ganz plötzlich mit einem dieser Dickhäuter zusamenzutreffen, wie ich es auch während meiner Tätigkeit dreimal erlebt habe.
Im Norden und Westen wird Karagwe begrenzt durch die Kagera, im Süden erstreckt es sich bis zu etwa 2" 45' südl. Breite und stößt hier an West- und Ost-Ussuwi, im Osten fällt Karagwe etwa bei 31 u 10' östl. Länge 400 m tief in einer steilen Terrasse gegen Kisiba und den Viktoria-See ab.
Karagwe ist ein fruchtbares, gut bebautes Land, wenn auch ge- rade nicht sehr dicht bevölkert. Das Hochplateau ist als durchaus gesund zu bezeichnen und würde sich sehr gut für eine Besiedlung durch Europäer eignen. Es werden gebaut Bananen, Erbsen, Bohnen, Süß- kartoffeln, Mais, Kürbis, Tabak. Merkwürdigerweise befinden sich die Dörfer weniger auf den ebenen Höhenrücken als auf den Hängen und Sätteln. Das Klima ist kühl. In den Morgenstunden gleich nach Sonnen-
DIE WANJAMBO.
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aufgang können wir, wie ich es schon bei Mpororo schilderte, täglich aus den Tälern das Aufsteigen der Nebel beobachten. Der Höhenlage des Landes entsprechend sind die nächtlichen Niederschläge in Form von Tau selbst zur Trockenzeit sehr reichlich und tragen naturgemäß zur Fruchtbarkeit des Landes bei, um so mehr, als der Boden nicht wie sonst aus dem wenig fruchtbaren Laterit, sondern zum überwiegenden Teil aus Verwitterungsprodukten von Tonschiefern (Phylliten) besteht.
Die Kagera, der Grenzstrom Karagwes, wird von vielen, in erster Linie von Dr. Kandt, als Quelle des Nils bezeichnet, eine Ansicht, die wohl nicht ganz mit Unrecht von anderen dagegen lebhaft bestritten wird. Denn einmal ist die Kagera ein viel zu kleiner Fluß, um ein so gewaltiges Seebecken wie den Viktoria-See mit seiner großen Ver- dunstungsfläche speisen zu können. Es müssen unbedingt noch zahl- reiche unterirdische Quellen (Grundwasser) im See selbst vorhanden sein. Dann aber ist die Kagera auch nicht der einzige, wenn auch der größte der in den Viktoria-See mündenden Flüsse. Der Vergleich, daß wir hier dieselben Verhältnisse haben wie beim Rhein und Bodensee, hinkt ent- schieden. Ich stelle mich also auf Seiten derer, welche die Kagera n i c h t als Nilquelle anerkennen. Jedenfalls hat Dr. Kandt das zweifellos hohe Verdienst, nach mühevollen Märschen die Quelle der Kagera in dem Ursprung des Rukarara entdeckt und hiermit die jahrelang bestehende irrige Auffassung Baumanns, daß der Ruwuwu die Kageraquelle sei. widerlegt zu haben.
Abb. 56. Die Kagera nördlidi von Karagwe.
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DIE WANJAMBO.
Die Kagera entspringt in dem Rukarara nur 23 km östlich des Kiwu-Sees. Weitere Quellflüsse der Kagera sind der Mhogo und der Mkungwa. Letzterer ist der Abfluß der durch einen 115 m hohen Wasser- fall verbundenen beiden Seen Bolero und Luhondo. Dort, wo die Kagera die Westgrenze Karagwes bildet, fließt sie in annähernd Südnordrichtung. Auf mehr als 75 km Länge ist sie zu beiden Seiten von einem großen Papyrussumpf eingerahmt, der wiederholt die recht bedeutende seitliche Ausdehnung von 6 — 10 km erreicht und in dem zahlreiche offene Stellen sich als kleine Seen abheben. Haid nachdem die Kagera den Kissinga-See
Abb. 57. Kagera-Fahre Kwa-Kikobe an der Nordostgrenze Karagwes.
durchflössen hat, tritt von beiden Seiten das Tonschiefergebirge bis dicht an ihre Ufer heran und sie muß sich hier in außerordentlich charak- teristischen Määnderwindungen ihren Weg durch die Berge bahnen. Der Papyrussaum wird hier schmaler und an den Ufern sehen wir zahlreiche Schirmakazien und Phönixpalmen. Bei Kanjonsa ändert sie in scharfem Knick ihre bisher verfolgte Südnordrichtung und wendet sich nach Osten. Sie durchfließt 23 km weit die Ebene Kiwimbiri, um sich dann bei der Mrongo-Fähre wieder in zahlreichen Windungen und über mehrere wildschäumende Katarakte ihren Weg durch die hart an ihre Ufer tretenden Bergzüge Karagwes und Ankoles zu bahnen.
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Hier an dem Kanjonsa-Knie (siehe Abb. 1 im I. Kapitel) befindet sich eine Fähre, die aus höchst dürftigen Doppeleinbäumen besteht, die nicht mehr als 4 Mann tragen können. Der auf dem Bilde sichtbare
Abb. 58. Am Kagera-Ufer bei Nsungesi.
große Einbaum ist erst seinerzeit von der deutschen Grenzexpedition mit vieler Mühe und mit Rücksicht auf die zahlreichen Katarakte meist auf dem Landwege von 50 Hingeborenen dorthin transportiert worden. Er stammt aus dem Buddu-Walde. Der Akazienbaum liefert eben keine besseren Fahrzeuge, wie die auf Abb. 56 sichtbaren Doppeleinbäume.
Weiß, Die Volkerstämme im Norden Deutsch-Ostafrikas.
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Das Übersetzen einer größeren Europäerkarawane beansprucht wegen der reißenden Stromgeschwindigkeit der Kagera einen halben Tag.
Das offene Wasser der Kagera ist hier etwa 50 m breit und zu beiden Seiten eingesäumt von einem 30 — 100 m breiten Papyrusstreifen, in dem zahlreiche Flußpferde und Krokodile leben. Die Flußtiefe
Abb. 5Q. Leberwurstbaum in der Kagera-Ebene.
wechselt. Im allgemeinen habe ich eine Tiefe von 1% — 2 m festgestellt, fand aber auch Stellen, wo selbst mit einer 4 m langen Stange kein Grund zu finden war. Die Stromgeschwindigkeit beträgt im Durchschnitt 1 m in der Sekunde, wächst aber zur Regenzeit bis zu V/2 m.
Die Kagera ist im Norden Karagwes wegen zahlreicher Katarakte leider noch nicht schiffbar, sie wird es erst an der Ostgrenze, etwa 4 Wegstunden unterhalb von Kwa-Kikobe bei 31" 5' östl. Länge, und bleibt es dann, wie ich im Gegensatz zu früheren Behauptungen durch Befahren des Stromes festgestellt habe, bis zur Mündung. Ver-
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schiedene Male teilt sie sich und bildet durch Inseln getrennte Arme. Diese Inseln sind mit Baum, Busch und Schlinggewächsen dicht be- standen. Zu beiden Seiten ist sie bis auf wenige Partien, bei denen die Ufer steil abfallen, mit einem durchschnittlich 50 m breiten Papyrus- streifen eingesäumt.
Abb. 60. Die lieiüen Quellen von Mtagata.
Wie zahlreich die sonst sehr scheuen und schwer zu sichtenden Krokodile in diesem Flusse sind, davon konnte ich mich überzeugen, als wir bei der Topographie lautlos zur Mittagsstunde an das Kagera- ufer gelangten. Es war eine offene Stelle, an der das Ufer 20 m steil abfiel. Vor mir mitten im Strome befand sich eine kleine kahle Insel und auf ihr lagen, sich behaglich sonnend, dicht nebeneinander Leib an Leib wie
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die Ölsardinen in der Büchse, 37 Krokodile, darunter einige riesige Exemplare. Nichts rührte sich an diesen Tieren, so daß ich achtlos vor- beimarschiert wäre, hätten meine Leute mich nicht auf sie aufmerksam gemacht. Ich wartete eine geraume Zeit und hoffte, daß etwas Leben in diese stumpfsinnige Gesellschaft kommen würde, jedoch vergeblich. Beim ersten Schuß aber, den ich auf das größte der Krokodile abgab, stürzten sie alle mit einer Geschwindigkeit, die ich den auf dem Lande so plumpen und ungeschickten Tieren nie zugetraut hätte, in die Kagera, so daß das Wasser hoch aufschäumte.
Unter den Negern herrscht immer große Freude, sobald eins von den ekelhaften Tieren erlegt ist, hat doch so mancher schon durch diese sein Leben lassen müssen. Auch von uns fiel ein schwarzer Unteroffizier, der ein sehr guter Schwimmer war, den Krokodilen zum Opfer, als er die nur 50 m breite Kagera an der Mrongo-Fähre durchschwimmen wollte. Vier Wochen vorher war 3 Stunden weiter unterhalb der Mrongo-Fähre der englische Präparator Mr. Dogget gleichfalls eine Beute der Krokodile geworden.
Die Kageraufer sind mit einem dichten, aber nur schmalen Galerie- wald eingefaßt, der oft prachtvolle hochstämmige Schirmakazien und Phönixpalmen und außerdem ein außerordentlich dickes Unterholz ent- hält (Abb. 56, 57, 58), so daß man erst, abgesehen von den wenigen Fährstellen, nach stundenlangem mühevollen Ausholzen zum Flusse ge- langen kann.
Die Bäume sind belebt von zahlreichen Affen (Meerkatzen und Hundsaffen) und von zum Teil wunderbar buntgefiederten Vögeln, so daß eine Kagerafahrt, vorausgesetzt, daß einem nicht wie mir von einem alten angeärgerten Flußpferdbullen das Boot zerbrochen wird, sehr reiz- voll ist.
12 km östlich von der Mrongo-Fähre verläßt die Kagera deutsches Gebiet und fließt in einem 6V2 km langen Bogen durch englisches. 10 km westlich von Kiboroga tritt sie aus dem Gebirgsland heraus und strömt — jetzt nicht mehr in so zahlreichen Mäanderwindungen ■ — durch eine sehr dünn bevölkerte, mit dichtem Busch bedeckte Ebene, in der sich verschiedene Antilopenarten (Jimera, Schwarzfersenantilope, Pferdeantilope, Riedbock), ferner Wildschweine, zahlreiche Perlhühner und Feldhühner, sowie, allerdings nur vereinzelt, sogar Nashörner auf- halten. In dieser Ebene fand ich wiederholt recht stattliche Vertreter des sogenannten Leberwurstbaumes (Kigelia). S. Abb. 59.
Die fraglos interessanteste Naturerscheinung Karagwes sind die heißen Quellen von Mtagata (Abb. 60), die in einem schattigen, dicht ver- wachsenen kleinen Quertale des tief eingeschnittenen Kaschanda-Tales in einer Höhe von 1450 m entspringen. Mit einer Temperatur von 52,5° C.
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strömt in kräftigem Strahl dampfend das klare Wasser aus den roten Tonschiefern am Hange des Mtagata-Sattels hervor, sammelt sich dicht unterhalb in einem natürlichen Felsbecken und fließt in schmalem Rinnsal in ein zweites, ganz ähnliches, tiefer gelegenes Becken. Diese beiden werden von den Eingeborenen sehr praktischerweise gleich als Bade-
Abb. 61. Badende kranke Eingeborene in Mtagata.
wannen benutzt. Von früh bis spät kann man darin Hingeborene mit Hautkrankheiten und bösen Wunden Heilung suchend sitzen sehen. (Abb. 61.)
Rührend war die Sorge eines Elternpaares, das aus seinem 3 Tage- märsche weit entfernten Dorfe dorthin gewandert war, um für sein an zahl- reichen Geschwüren erkranktes Kind Heilung zu suchen. Fast den ganzen Tag saßen die Eltern mit dem kläglich wimmernden Kinde in der Bade-
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wanne, vormittags die Mutter, nachmittags der Vater. Als ich sie darauf aufmerksam machte, daß es unmöglich gut sein könne, wenn sie den ganzen Tag das Kind in dieses warme Wasser hielten, schüttelten sie ungläubig den Kopf und behaupteten, je länger das Kind in dem Wasser säße, desto schneller würde es gesund.
Ich war außerordentlich überrascht, gerade in dem klimatisch doch so gesunden Karagwe so viel kranke Eingeborene zu finden. Be- sonders traurig war der Anblick der zahlreichen rhachitischen Kinder. Ob die Hautkrankheiten schon immer hier in Karagwe geherrscht haben
Abb. bi. Auf den Bergen Ankoles.
oder, was wohl wahrscheinlicher sein dürfte, erst infolge der Kriegszüge der Waganda von diesen hierher verschleppt sind, habe ich nicht fest- stellen können.
Wer glaubt, daß man in Afrika umsonst baden kann, der irrt sich. Der kleine Häuptling, zu dessen Bezirk die heißen Quellen gehören, hat sich diesen Umstand sehr praktischer Weise zunutze gemacht. Er erhebt von den Eingeborenen, die hier baden wollen, eine Kurtaxe. Wer nur einige läge baden will, zahlt hierfür etwas Lebensmittel oder auch Kaurimuscheln und Perlen. Wer jedoch eine mehrwöchige Kur ge- braucht, hat mehrere eiserne Hacken oder auch eine Ziege zu bezahlen. Hierfür haben dann die Badegäste die Berechtigung, die auf der
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Abbildung 61 sichtbaren „Kurhäuser" zu benutzen. Es ist ein jammer- voller Anblick, in diesen elenden, halbzerfallenen Hütten die von üblen Krankheiten geplagten Eingeborenen eng aneinander gedrängt hausen zu sehen.
In unmittelbarer Nähe der Quellen hat sich in angenehmem Gegensatz zu der sonst recht einförmigen Vegetation Karagwes eine üppige Flora entwickelt. Wir sehen rot- und gelbblühende Winden sich über die dichten Büsche ranken, und in dem warmen Wasser gedeihen, einzig dieser hohen Temperatur angepaßt, blaugrüne Algen,
Abb. 65. Auf den Bergen Ruandas in 2500 in Höhe.
die sich malerisch von den weißleuchtenden Quarzblöcken ablieben, die den Lauf der Quelle umsäumen, daneben erfreuen im Vergleich zu dem ewigen Einerlei der Schirmakazien hohe, schattige Fieusbäume das Auge. An den Büschen und Bäumen in der Nähe der Quellen haben die Ein- geborenen Opfergaben aufgehängt, die, der Armut der Wanjambo ent- sprechend, nur aus Steinen, in Bananenbast gewickelt, oder in dürftigen Fetzen von Rindenstoff und Zeug bestehen.
Auch wir Gesunden verabsäumten nicht, hier ein erfrischendes Bad zu nehmen. Meine Träger und Boys benutzten den Ruhetag sogar in höchst anerkennenswerter Weise nicht allein zum Baden, sondern auch zum Waschen ihrer der Reinigung sehr bedürftigen Kleidungsstücke. Sie
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behaupteten, daß sie hier keine Seife gebrauchten, das warme Wasser reinige die Kleider auch ohne Seite. Natürlich trank ich auch von den heißen Quellen. Das Wasser ist ganz klar und völlig ohne Geschmack. Ich konnte weder Kohlensäure, noch Salz, noch Schwefel feststellen. — Nach der Schilderung Karagwes möchte ich mich gleich noch Ankole zuwenden.
Abb. 64. Wahutu aus Nord-Ruanda.
Es liegt zum größten Teil in englischem Gebiet; wir finden aber auch hier noch weit nach Norden vorgeschoben zahlreiche Wanjambo. Die anderen Bevölkerungselemente sind Waganda, Mischungen aus Waganda und Wanjambo und zum geringeren Teil auch noch Wahima, die sich aber leider schon sehr mit der Urbevölkerung vermischt haben. Ankole ist ein Bergland mit welligen, zwischen den Höhenzügen gelegenen Steppen. Es liegt nördlich von Mpororo und Karagwe und wir finden
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hier die gleichen geopraphischen Eigentümlichkeiten, wie in diesen Ländern, so daß ich von einer näheren Beschreibung absehen kann.
Bei der Mrongo-Fähre reicht Ankole auf eine Länge von 15 km, in das deutsche Gebiet übergreifend, an die Kagera heran, bleibt alsdann im weiteren Verlaufe dieses Stromes englisch, um noch einmal in einem 50 km
Abb. 65. Wanjambo aus Karagwe.
langen Streifen zwischen Nsungesi und Jakanjassi deutsch zu werden; an letzterem Orte stößt es mit der Landschaft Buddu zusammen.
Die Bewohner von Ankole haben ebenso wie die Waganda früher häufige Einfälle nach Karagwe gemacht und viel Vieh geraubt. Seit Errichtung der Station Bukoba herrschen aber dort geordnete Ver- hältnisse. Als Distrikts- und Dorfchefs fand ich in Ankole wiederholt Waganda, was auf englischen Einfluß zurückzuführen ist. Die Bezeich-
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nuiig Wakimbiri für die Urbevölkerung Ankoles, die Stulilmann anführt, habe ich bei vierwöchigem Aufenthalt dort nicht gehört.
Abb. 66. 14 jähriger Mhutu-Knabe.
Das Land ist hiermit skizziert, betrachten wir uns jetzt seine Urbevölkerung. Sie gehört zu der eingesessenen Kasse der Bantu. Bei den Wanjambo Karagwes, Mpororos und Ankoles ließen sich
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unterscheidende Merkmale gar nicht nachweisen und bei den Wahutu Ruandas sind solche wohl vorhanden, jedoch nur äußerlicher Natur und bedingt durch die veränderten klimatischen und geographischen Ver- hältnisse. Das ungemein zerklüftete Gebirgsland Ruanda mit seinem für afrikanische Verhältnisse rauhen Klima hat einen kräftigen, wetter- harten Menschenschlag geschaffen. Die stark anwachsende Bevölkerung wird gezwungen, von Jahr zu Jahr in harter, schwerer Arbeit immer
Abb. 67. Wanjambo-Männer aus Karagwe.
mehr Urwald und Urbusch (im Vulkangebiet) in Kultur zu nehmen. Künstliche Terrassen müssen angelegt werden, um auch die steilen Berghänge bebauen zu können (Abb. 63). Hier reicht naturgemäß die Arbeitskraft des Weibes nicht mehr aus, der Mann muß tatkräftig mii Hand anlegen. Man sieht es, wie Tafel V und Abbildung 64 ja auch zur Genüge beweisen, den breitschulterigen, muskulösen Leuten mit ihrem starken Brustkorb recht wohl an, daß sie nicht wie ihre Vettern in Kisiba unter schattigen Bananen ein paradiesisches Dasein
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führen. Kann man es den Leuten verübeln, wenn sie das, was sie in harter Arbeit dem Boden abgerungen haben, nicht mit anderen teilen wollen? Daß sie unter dem Joch der Watussi seufzen, jeden Fremdling mit Mißtrauen empfangen und dort, wo sie nur die geringste Aussicht auf Erfolg haben, wie im Norden Ruandas, immer wieder versuchen, die Herrschaft der Watussi abzuschütteln?
Abb. 68. Haartracht.
Die unterscheidenden ethnographischen Merkmale zwischen den Wahutu und den Wanjambo bespreche ich später. Jetzt zu den Wanjambo.
Schon der Vergleich unserer Abbildungen mit den im vori- gen Kapitel gezeigten Wahimaköpfen und -Gestalten wird die außer- ordentlichen charakteristischen Unterschiede der beiden Rassen rein äußerlich beweisen. Wir sehen hier grob geschnittene, unschöne Gesichtszüge, breite Nasen, aufgeworfene Lippen und den plumpen Rund- schädel der Bantuneger. Auch der finstere, verschlossene und stumpf-
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sinnige Gesichtsausdruck der Wanjambo und Wahutu steht im auf- fallenden Gegensatz zu den offenen, intelligenten und stolzen Gesichtern der Wahima.
Der gedrungene, kräftige und muskulöse Körperbau mit breiten Schultern und Brustkorb ist aus den Abbildungen 64 u. 67 ersichtlich. Die Leute sind nach unseren Begriffen als mittelgroß zu be- zeichnen. Nur in Karagwe finden wir oft hohe und schlanke Gestalten (Abb. 65).
Eine ganz eigenartige Erscheinung, von mir in vier Jahren nur zweimal beobachtet, ist der auf Abbildung 66 sichtbare, etwa 14 jährige
Abb. 69 u. 70. Haartrachten.
Knabe, der bei durchaus normalen männlichen Geschlechtsteilen deutlich entwickelte Brüste hat.
Tätowierung sowie sonstige, durch Erweiterung der Ohrlappen, Einschlagen oder Anfeilen der Zähne usw. hervorgerufene „Ver- schönerungen" sind nicht üblich. Die auf Abbildung 67 sichtbare, außerordentlich stark hervortretende Ornamenttätowierung ist lediglich eine Nachahmung der Watussigebräuche.
Man kann sehr häufig in Afrika die Beobachtung machen, daß die unterjochten Völkerstämme die Sitten und Gebräuche ihrer Sieger nach- äffen, in der verfehlten Hoffnung, ihnen dadurch ebenbürtig zu werden. Ich erinnere nur an die Bakulia und Wassonjo, die ja als Masaiaffen hin- reichend bekannt sind.
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Um bezüglich der soeben genannten Abbildung 67 keine Miß- verständnisse aufkommen zu lassen, möchte ich noch erwähnen, daß die Männer lediglich auf meine Veranlassung hin (um nämlich die Brust beim Photographieren freizulegen) ihre Felle um die Hüfte geknotet haben. Es ist nicht etwa die dort übliche Sitte.
Die Haartracht ist verschieden, ganz nach dem Geschmack der Leute. Sie rasieren sich die Haare ganz ab, lassen sie auch natürlich
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Abb. 71. Haartracht. |
wachsen, rasieren sich ferner die Haare spiralförmig aus (wieder eine Nachahmung der Watussigebräuche, s. Abb. 68, 69, 70 und Tafel VI), oder aber, was die Bilder 71 u. 72 deutlich veranschaulichen, sie rasieren sich die Haare ab und lassen nur einzelne kleine Haarbüschel stehen, die wie Fliegen auf der kahlen Kopfhaut sitzen, eine Haartracht, die ich in Ruanda nie beobachtet habe. Ganz vereinzelt, beim männlichen Geschlecht jedenfalls, fand ich die auf Tafel V sichtbare Haar- tracht des etwa 15 Jahre alten Knaben, der sich seine Haare in zahlreiche Strähnen geflochten hatte.
Schmuck wird von den Männern sehr wenig getragen. Man sieht an den Handgelenken einige eiserne Ringe, und zwar massive oder dünne
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geflochtene; um den Hals, teils als Schmuck, teils als Amulette, an Schnüren aufgereihte Holz- und Knochenstücke, zuweilen auch Schaf- und Ziegenhörner, abgeschnittene Stücke von Rohr, Hauer von Wild- schweinen, seltener Perlen und kleine eiserne Schellen.
Die Bekleidung besteht fast durchweg aus Fellen, seltener aus Stoffen. Diese Felle werden in folgender Weise hergerichtet:
Unmittelbar nachdem das Fell abgezogen ist, wird es an zahl- reichen kleinen Pflöcken auf dem Erdboden ausgespannt. Sobald es trocken, wird die eine Seite mit dem Messer abgekratzt und dann mit Steinen abgerieben, bis das Fell leidlich geschmeidig ist. Die behaarte Seite wird nach innen getragen, jedoch kommt es auch vor, daß die Leute besonders schöne Antilopenfelle, wie das der Schwarzfersenantilope, mit dem Fell nach außen tragen. Das Fell wird unterhalb des linken Armes
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durchgezogen und auf der rechten Schulter zusammengeknotet, es bleiben somit beide Arme frei und die rechte Körperseite unbedeckt.
Stoffe waren bei den Wapororo, als wir im Jahre 1902 dort ein- trafen, so gut wie unbekannt, wurden aber, besonders der weiße Baum- wollstoff (Merikani), von den Leuten sehr gern genommen. Selbst wenn der Mann nur ein armlanges Stück Zeug erhielt, was kaum genügte, um seine Hüften zu bedecken, so war dies für ihn doch schon ein hin- reichender Grund, das Fell abzulegen und sich mit diesem winzigen Stoff- stück zu bekleiden.
Außerdem gingen dort noch als Tauschartikel rote Perlen, wollene Decken und bunt durchwirkte Tücher (Kitambi). Weniger gern nahm man die bunt bedruckten Kattune (Kanga).
Wir fanden hier wieder bestätigt, was schon Schweinfurth be- richtet, daß die Tauschartikel der Mode unterworfen sind. So wollten die Leute hier nur rote Perlen und verschmähten unsere blauen und weißen, während die Wageia östlich des Sees nur blaue wünschten. Woher diese Geschmacksrichtung kommt, weiß ich nicht. An der Farbe allein kann es nicht gelegen haben, denn sie nahmen sehr gern blaue Stoffe (Kaniki), verschmähten indessen die roten (Bendera). Diese Mode hält sich auch nicht dauernd in der Gegend, sondern wechselt wie jede Mode. So kann man es erleben, daß Tauschartikel, die vor drei Jahren noch sich einer großen Beliebtheit erfreuten, jetzt gar nicht mehr genommen werden.
Bewaffnet sah ich die Männer nur, wenn sie zur Jagd gingen, da- gegen waren sie immer, wohl mit Rücksicht auf das bergige Gelände, mit langen Stöcken ausgerüstet. Als Waffen dienen Speere mit häufig sehr minderwertigen Schäften, was auf den Holzmangel zurückzuführen ist, lange Bogen und Pfeile; Schilde führen sie nicht.
Die Speerspitzen zeigen zwei Blutrinnen, eine blank polierte Mittelrippe und scharf geschliffene Ränder. Die Speere sind 1,70 bis 2 m, die Spitze 30 bis 40 cm lang, der eiserne Schuh etwa 15 cm. Spitze und Schuh sind mit einer Tülle auf den Schaft aufgesetzt.
Neben diesen Lanzen führen die Wanjambo große, oft übermanns- hohe Bogen (siehe Abb. 65) und große gefiederte Pfeile, die mit einer Widerhakenspitze versehen sind. Neben diesen Widerhakenspitzen finden wir auch andere, die in ihrer Form den Speerspitzen gleichen. Die Sehne des Bogens besteht aus Bast; sie wird an dem Holz durch häufiges Umschlingen befestigt. Die Pfeile sind sehr lang und stark. Die Spitzen werden mit Bast, der vorher mit kautschukhaltigem Ficus- saft getränkt worden ist, an dem Schafte befestigt. Das Holz selbst wird gegen Zerspringen an dieser Stelle durch Umwicklung von Bast
Tafel V.
Jüngling und Mann aus West-Mpororo.
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Abb. 75. Aelterer Mann aus Karagwe (Mtagata).
geschützt. Die Befiederung ist drei- und fünfilügelig, und auch an seinem unteren Teil ist der Pfeil durch eine Bastumwicklung gegen Aufspringen gesichert.
Weiß, Die Völkerstämme im Norden Deutsch-Ostafrikas.
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Der Bogen wird beim Gebrauch fast senkrecht gehalten. Hierbei umfaßt der Schütze die Sehne mit vier Fingern, der Pfeil liegt zwischen dem zweiten und dritten Finger (Abb. 74). Dann wird der Bogen gespannt, bis das Eisen des Pfeiles das Bogenholz berührt. Dem Europäer wäre diese Leistung, die nicht sowohl auf Muskelkraft, als vielmehr auf langjähriger Uebung beruht, nicht möglich. Schutz für das linke Handgelenk gegen das Zurückschnellen der Bogensehne sah ich hier nicht. Die Pfeile werden in langen Kalebassen oder auch in sehr
Abb. 74. Bogenschütze.
geschmackvoll geschnitzten hölzernen Köchern aufbewahrt. (Ueber die Herstellung dieser Holzköcher siehe das Handwerkerkapitel.)
Die Wanjambo sind nicht nur Ackerbauer, sondern auch Jäger, und zwar fangen sie einmal das Wild in Fallen und Gruben, oder sie ziehen hinaus in die Steppen und machen mit Hilfe großer Netze Treibjagden. Die Wildgruben werden in der Weise angelegt, daß auf dem Wechsel eine tiefe, längliche Grube mit senkrecht abfallenden Wänden ausgehoben
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und mit dürren Aesten, Gras und etwas Erde überdeckt wird. Pas Ge- lände zu beiden Seiten dieser Gruben wird mit Dornenhecken gesperrt, so daß das Wild gezwungen ist, nur diesen einen Weg zu nehmen. Betritt es die trügerische Decke, so bricht es durch, stürzt in die Grube und wird von den Wanjambo gespeert.
Mit Hilfe der Netze wird die Jagd in folgender Weise ausgeübt: Mehrere von den 1 m breiten und 20 bis 30 m langen großmaschigen
Abb. 75. Mann aus Karagwe mit Tabaksbeutel.
Netzen werden an Pfählen, Bäumen und Büschen in der Steppe aus- gespannt. Dann ziehen die Wanjambo in Trupps von 50 bis 100 hinaus und treiben das Wild in die Netze. Die Tiere, die sich hierin verfangen, werden mit Speeren getötet.
So manches Zebra, Jimcra, auch Pferde- und Elenantilopen, ganz abgesehen von zahlreichem kleineren Wild, fallen ihnen hierbei zum Opfer. Eine Jagd mit vergifteten Pfeilen kennen die Leute nicht.
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Noch eine andere Art der Treibjagd habe ich dort draußen kennen gelernt, ohne Anwendung von Netzen. Hin größerer Trupp Wanjambo besetzt in dünner Schützenlinie, meist gedeckt durch eine Bodenwelle, einen Geländeabschnitt, und etwa 20 Mann ziehen hinaus in die Steppe und treiben dieser Kette das Wild zu. Beim Durchbrechen der Linie werden die Tiere niedergespeert. Nicht innner verläuft eine derartige Jagd harmlos. So wurden zu meiner Zeit zwei Leute, die entschieden sehr gegen ihre Absicht einen Leoparden mit aufgejagt hatten, arg zu- gerichtet. Auch berichteten mir die Wanjambo, daß sie bei diesen Treib-
Abb. 76. Wanjambo-Manner beim peuererzeugen.
jagden wiederholt Löwen gesehen hätten. Sie seien dann aber stets umgekehrt, um sie nicht zu stören.
Bei der Verfolgung einer Elenherde in der Steppe am Kakitumbe- Bach sah ich etwa 1 km von mir entfernt einen Trupp von rund 60 Jägern. Ich nahm, da sie eine andere Marschrichtung hatten wie ich und sich langsam von mir entfernten, weiter keine Notiz von ihnen. Bald darauf erlegte ich einen starken F.lenbulien und ging zurück, um meine Leute, die mich gänzlich aus den Augen verloren hatten, herbeizuholen. Als wir nach 1% Stunden zu der Stelle kamen, wo ich das Elen gestreckt hatte, war von dem ganzen starken Tier nichts mehr zu finden. Wie aus den Spuren deutlich hervorging, hatten die Wanjambo, wohl an-
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Abb. 77. Wahutu-Frauen aus Nord -Ruanda.
gelockt durch meinen Schuß, das Tier gefunden, schleunigst in Stücke zerschnitten und fortgeschleppt. Nicht einmal das schöne Gehörn hatten sie mir zum Andenken dagelassen. Eine sofortige Verfolgung war ergebnislos.
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Ob die Wanjambo zur Jagd ausziehen oder Verwandte und gute Freunde im Naclibardorfe besuchen, stets ist ihr treuer Begleiter der Tabaksbeutel (siehe Abb. 75). Während er bei den Wahutu Ruandas aus einem Geflecht von Pflanzenfasern besteht, fertigen ihn die Wan- jambo Karagwes aus dem Balg einer Katzenart oder jungen Ziege. In diesen Beutel stecken die Männer Pfeife, Tabak und Feuerzeug; dieses besteht aus einem kleinen Brett von weichem und einem Stock von hartem Holz. Letzterer wird auf dem weichen Brettchen in schneller, quirlender Bewegung gedreht (siehe Abb. 76), bis das hierdurch ab- geriebene Holzmehl und der häufig um das untere Ende des Stockes gewickelte Bast zu glimmen anfängt. Auf diese Weise hat der Mann in etwa einer Minute Feuer. Jedoch nicht jedem gelingt es, in so kurzer Zeit Feuer zu erhalten; es gehört hierzu einige Kunstfertigkeit. Jeden- falls ist es keinem von uns Europäern geglückt, auf diese Weise auch nur einen Funken zu erzeugen.
Sehr selten sah ich die bei den Waganda übliche Methode der Feuergewinnung, die dai in besteht, daß glimmendes, trockenes Gras ein- gehüllt in frisches mitgeführt wird. Will der Mann sich seine Tabaks- pfeife in Biand setzen, so öffnet er die Umhüllung und bläst das langsam glimmende Gras an. Noch nach sechsstündigem Marsch erhielt ich auf diese Weise Feuer.
Ebenso tvpische Unterschiede wie beim Vergleich der Wahima- und Wanjambomänner finden wir bei den Frauen. Auch hier sind deutlich die charakteristischen Merkmale der Banturasse ersichtlich (siehe Abb. 77, 78 usw.). Tätowierung, Beschneidung oder sonstige künstliche „Verschönerungen" finden bei ihnen ebensowenig statt wie bei den Männern.
Die Haartracht ist recht verschieden. Wir finden das natürliche kurze Kraushaar, das zuweilen, aber selten, ganz abrasiert oder auch mit Hilfe von Fett in zahlreiche kurze und längere Zöpfe gedreht wird (Abb. 79 und 80), und zwar sehen wir im Osten die kurzen dickeren Zöpfe, die nie bis über die Augen reichen, und im Westen längere, dünnere, die über Ohren und Augen fallen (Abb. 81 und 82). Außer- dem kommen noch vereinzelt spiralförmig ausrasierte Köpfe (wie auf Abb. 83) vor. Eine ganz eigenartige Haartracht sehen wir bei dem Mhutu- weib aus Nordruanda auf Abbildung 84. Ich habe diese geschmackvolle Frisur sonst nirgends wiedergefunden.
Die Haartracht der jungen Mädchen ist nicht verschieden von der der Frauen.
Nur wenig mehr Schmuck wie die Männer legen die Weiber an. Wir finden auch hier wieder eiserne massive Ringe, ferner solche, die mit
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Eisendraht, seltener mit Kupferdraht umsponnen sind, zuweilen auch ein Perlenarmband aus weißen oder roten Perlen und um den Hals Ketten aus Perlen, bei denen die kleinen roten bevorzugt werden; endlieh an dünnen Bastschnüren, gleichfalls um den Hals getragen, zahlreiche Amulette aus Holz, Knochen und Rohrstücken. Im Westen Mpororos sehen wir auch um den Hals breite massive Eisenringe.
Abb. 78. Wa n ja 111 bo- prauen aus Mpororo.
Außerdem tragen die Weiber um die Knöchel zahlreiche, mit dünnem Eisendraht umsponnene Ringe. So zählte ich bei einem Weib an einem Bein deren 216. Diese werden so eng um die Knöchel gefügt, daß sie, ohne geöffnet zu werden, nie mehr zu entfernen sind. Angelegt werden sie in der Regel an dem Tage der Verheiratung und bilden eine von den Hochzeitsgaben des Mannes. Man kann sich eine Vorstellung davon machen, was für Schmutz sich dort im Laufe der Jahre ansammeln
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muß, denn mit Entrüstung wies ein Weib, von mir befragt, die Zumutung zurück, daß sie bade. Die Folge sind natürlich häufige Beinleiden.
Bei den Wahutuweibern sieht man seltener die mit Eisendraht umsponnenen, dafür aber Bastringe (Abb. 77).
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Die Kleidung der Weiber besteht fast ausnahmslos aus Fellen. An ihre Stelle treten in Karagwe und Ankole zuweilen auch Rindenstoffe, doch dann nur als Überwurf, nie als Unterkleid (Abb. 85). Gewebte
Abb. 80. Mädchen aus Ankole.
Stoffe sieht man so gut wie gar nicht. Die Weiber binden sich das Fell, gleichfalls die behaarte Seite nach innen, um die Hüften, so daß es etwa bis zur Mitte der Wade reicht (Abb. 86). Hierüber wird noch ein auf der
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rechten Schulter zusammengeknoteter Fellüberwurf getragen, der zu- weilen den linken Ann frei läßt, zuweilen ihn bedeckt (Abb. 78).
In diesem Fellüberwurf tragen die Mütter die Kinder, so daß die Beine um den Leib des Weibes gelegt werden (siehe Abb. 77 und 81). Das Fell wird unterhalb der Arme über der Brust zusammengeknotet und ist mit die Ursache, daß in kurzer Zeit bei noch ganz jungen Frauen die vollen, schönen, aufrechten Brüste in schlaffe, hängende verwandelt werden. Wider Erwarten fühlen sich die Kinder bei dieser Art der Beförderung äußerst wohl. So sah ich ein Weib bei der Feldarbeit, auf
Abb. 8i u. 82. Weib aus West-Mpororo in Seiten- und Vorderansicht.
dem Rücken ein schlafendes Kind, damit beschäftigt, den Boden um- zuhacken. Trotz der heftigen, ruckartigen Körperbewegung, die sich natürlich dem Kinde mitteilte, schlief dieses friedlich lächelnd weiter. Werden die Kinder nur auf kürzere Strecken befördert (etwa innerhalb des Dorfes), so tragen die Mütter, seltener auch die Väter oder älteren Geschwister sie im Reitsitz auf einer Hüfte (Abb. 87).
Kinder bis zu einem Alter von 7 bis 8 Jahren gehen ganz nackt, später tragen sie ein kleines Fell nach Art der Männer. Sind die Mädchen entwickelt (etwa 12 Jahre alt), so tragen sie einen Fellschurz wie die Frauen; der Oberkörper jedoch bleibt unbekleidet (Abb. 88).
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Abbildung 85 zeigt uns eine Gruppe von Wanjambofrauen aus Karagwe bei unserem Expeditionslager Kwa-Kikobe. Es sind, wie wir sehen, alles ältere Semester. Als ich den Häuptling, der mir diese Weiber zum Photographieren ins Lager gebracht hatte, fragte, ob er keine hübschen jungen Frauen und junge Mädchen habe, warum er nur diese alten Weiber herbringe, antwortete er mit frecher Stirn, schönere und jüngere gäbe es nicht in Karagwe.
Die Kinder tragen mehrere Amulette und einige wenige Eisen- ringe, sowie Perlen. Das natürliche kurze Wollhaar wird beibehalten.
seltener ganz abrasiert. Oft habe ich gesehen, daß die Kinder am ganzen Körper mit Erde eingerieben waren, und zwar in der Nähe der Kagera mit Kalkerde (Abb. 89). Auf meine Fragen sagten mir die Leute, daß) dies ihr Heilmittel gegen Hautkrankheiten sowohl als auch gegen Brust- krankheiten und Kopfschmerzen sei. Im letzteren Falle genüge übrigens schon das Bestreichen von Stirn und Schläfen, wie wir es auf Ab- bildung 87 sehen.
Auf den schlechten Gesundheitszustand habe ich bei der Schil- derung Mtagatas schon hingewiesen. Die Abbildung 92 zeigt uns eine Kindergruppe, bei welcher der leider oft so schwächliche rhachitische Körperbau deutlich ersichtlich ist.
Die Wanjambo sind Ackerbauer. Rinder sah ich nur sehr selten, einige Herden, die ich bei Wapororo im Westen fand, stammen sehr wahr-
Abb. 85. Weib aus Karagwe (Haartracht).
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scheinlich von Raubzügen her, denn wiederholt klagten mir der Sultan Katreia und die Priesterin Nyawingi, daß die Bewohner der westlichen Berge ihnen Leute erschlagen und Rinder gestohlen hätten. Ziemlich zahlreich jedoch findet man bei ihnen Ziegen und Schafe, die einer kleinen Rasse mit geraden Nasen und kurzen Hörnern angehören.
Abb. 84. Mhutu-Weib aus Nord-Ruanda.
Als weiteres Haustier ist der Hund zu nennen. Er ist zu ver- gleichen unserem Dorffixköter und gehört zur Rasse der gewöhnlichen Parias. Die am häufigsten vorkommende Farbe ist braun oder braun und weiß gefleckt. Die Hunde finden Verwendung bei den Treibjagden. Sehr angenehm unterscheiden sie sich von unseren Dorfhunden dadurch, daß sie nicht mit wütendem Gekläff jedem Fremdling in die Beine fahren, sondern sich sofort mit eingezogener Rute entfernen, sobald ein Fremder sich dem Dorfe nähert. Bellen können sie nicht, nur winseln und heulen,
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was sie aber nur selten tun. Neben diesen vorstehend geschilderten Pariahunden gibt es in Mpororo eine Kasse von größeren Jagdhunden, die sich durch längeren Behang und höhere Läufe auszeichnen. Diese sind übrigens sehr zähe und ausdauernd. So hat ein von Herzog Adolf Friedrich zu Mecklenburg in Rufua in Mpororo erworbener Hund die ganze Durchquerung Afrikas gut überstanden und ist erst nach neunmonatigem Aufenthalt in Deutschland an einer anscheinend europäischen Krankheit eingegangen.
Abb. 85. Wanjambo-frauen eins Karagwe.
Recht zahlreich finden wir bei den Wanjambo die Hühner ver- treten. Sie gehören zu einer kleinen Rasse, die auch dementsprechend recht kleine Eier legt. Die Wanjambo essen jedoch weder die Hühner noch die Eier, so daß der durchreisende Europäer sich hier recht reich- lich mit ihnen versorgen kann. Die Hühner werden von den Medizin- männern nur geschlachtet, um aus ihren Eingeweiden wahrsagen zu können.
Die kegelförmigen Hütten mit bis zur Erde reichendem, an der Tür etwas vorgebautem Dach (Abb. 78) sind recht roh gearbeitet. Auf
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DIE WANJAMBO.
die Herrichtung des Bodens der Hütte wird gar keine Sorgfalt verwandt. Höchst selten findet man das Innere der Hüttenwand etwa 1 m hoch mit Lehm verstrichen.
Die Hütten liegen im Osten Mpororos, wo die Banane noch das Hauptnahrungsmittel bildet, zerstreut und ziemlich versteckt in den Bananenhainen, in Westmpororo, wo keine Bananen mehr gebaut werden, in kleinen offenen Dörfern nahe beieinander. Sie haben keinen Mittelpfeiler und keine Spitze. Zwischen ihnen finden wir Getreide- speicher (siehe Abb. 93). Es sind lange, zylindrische, nach unten abgerundete Körbe. Sie werden durch seitliche Stützen (etwa 10) gehalten und durch ein Grasdach geschützt, das nur an einer Seite am oberen Rande eine Öffnung frei läßt. Als Abort und Misthaufen benutzen die Leute den Platz unmittelbar hinter ihren Hütten; man hüte sich daher, den schmalen, durch das Dorf führenden
Abb. 86. Junges Mädchen pfad zu verlassen.
aus West-Mpororo. fa der der befindet sich die
Feuerstelle; hier wird nach afrikanischer Sitte auf drei Steinen gekocht. Abgeteilt durch eine Scheidewand bis etwa zu halber Höhe der Behausung befinden sich ein Raum für Ziegen und Schafe und ein Schlafraum; in diesem sieht man, jedoch nicht immer, ein Bettgestell. Dieses besteht aus vier in die Erde geschlagenen Pfählen, die mit Stangen verbunden sind. Auf diesen wiederum sind Querhölzer befestigt, die mit einem Fell bedeckt werden. Häufig wird dieses auch nur auf die Erde gelegt. Selten finden wir auf dem Bettgestell und am Boden aus Schilf grob geflochtene Matten, wie sie auf Abbildung 94 sichtbar sind.
Nach unseren Begriffen bietet eine derartige rauchgefüllte, schmutzige Hütte keinen angenehmen Aufenthalt, zumal sie noch von Ratten und Ungeziefer bevölkert ist und zur Nachtzeit in ihr Ziegen, Schafe und Hühner untergebracht werden, was nicht gerade zur Er- höhung der Sauberkeit beiträgt. Jede Familie bewohnt eine Hütte. Das bebaute Land befindet sich in unmittelbarer Nähe, selten sah ich kleinere Parzellen in einiger Entfernung vom Dorfe.
In dem Schlafraume hängt das Hausgerät. Es besteht aus größeren, bis zu 20 1 fassenden und aus kleineren Tongefäßen, die sehr
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einfach gearbeitet sind, oben eine Einschnürung mit umgebogenem Rand und selten irgend eine Musterung aufweisen. Ferner finden wir kleine und große geflochtene Körbe, auf deren Herstellung mehr Sorgfalt ver- wendet wird und die recht hübsche Muster in den Farben schwarz-weiß- rot, und zwar auch im englischen Gebiet, aufweisen. Diese drei Farben werden ja dort draußen auf bequeme Weise gewonnen. Schwarz liefert die Holzkohle, weiß ein Kalkstein und rote Tonerde sowie rotes Gestein findet sich gleichfalls häufig vor.
Zum Hausgerät gehören noch (Abb. 94) die in der Regel recht langhalsigen Kalebassen, für Hier bestimmt, seltener für Wasser, die an Schnüren an den Rohrstäben der Hüttenwand aufgehängt werden. Weiterhin Trinkbecher aus Kürbis, Messer und sonstige kleine Utensilien.
Unter dem Hüttendach werden ferner noch aufgehängt die Waffen, und einen besonderen Ehrenplatz haben die Tabakspfeife und die in Bananenbast eingewickelten Tabakspakete. Die kegelförmigen Pfeifen- köpfe sind aus grauem Ton sorgfältig gearbeitet und gebrannt, haben in der Regel keinen umgebogenen Rand wie in Uganda, aber oben eine Ver-
Abb. 87. Wanjambo-Frauen aus Ost-Mpororo.
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zierung von Kreislinien und Strichen. Die Befestigung des Pfeifenrohres geschieht mit dünnem Eisendraht.
Des weiteien fand ich in den Hütten Stricke, die recht geschickt aus Baumbast zusammengedreht und etwa einen halben Finger dick waren. Aus diesen werden die 1 m breiten und 20 bis 30 m langen großmaschigen Netze für die Treibjagden gefertigt.
Musikinstrumente finden sich nur vereinzelt vor. Die Wanjambo sind eben wenig musik- und tanzliebend, im Gegensatz zu ihren Vettern
Abb. 88. \i — 14jährige Wanjambo-Mädchen aus Karagwe.
in Uganda und Kisiba. Große Trommeln finden wir nur bei den Häupt- lingen. Der kleine Mann begnügt sich damit, zuweilen auf der Rohrflöte zu blasen, die wie bei uns die Klarinette gehalten wird.
Außerdem finden wir bei ihnen noch Antilopenhörner, die an beiden Enden offen sind. Das Blaseloch befindet sich seitlich, und durch Schließen und Öffnen des an der Spitze angebrachten Loches mittels des Zeigefingers entstehen verschiedene mehr oder weniger schöne Töne. Dieses Horn ist jedoch weniger Musikinstrument als Signalhorn. Es
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dient zum Zusammenrufen der jagdlustigen Männer und auch als Kriegs- trompete.
Im Dorfe, noch häufiger aber hinter dem Dorfe, finden wir kleine Fetischhütten. Es sind kaum V- m hohe Spitzhütten mit offener Vorder- wand, in denen allerhand Amulette angebracht sind, wie kleine Stücke Rindenstoff, kleine in Bast gewickelte Steine, Kaurimuscheln, Rohr- stückchen und kleine Päckchen aus Bananenbast, gefüllt mit Lebens- mitteln.
Abb. 89. WcUijambo-Frauen und -Kinder aus Mpororo.
Die Wanjambo leben von Bananen und den schon vorstehend er- wähnten Feldfrüchten. Daneben genießen sie als besondere Delikatesse auch Fleisch, das ihnen die Jagd liefert, oder auch, allerdings nur bei feierlichen Gelegenheiten, eine geschlachtete Ziege. Als weitere Genuß- nüttel finden wir bei ihnen Bier und Tabak.
Die Bananen werden im grünen, unreifen Zustande geerntet und zu einem dicken Brei gekocht. Die zur Bereitung von Bier (Pombe) bestimmten Bananen werden gleichfalls im unreifen Zustande geerntet, dann aber in Nähe der Hütte in eigens zu diesem Zwecke gegrabene
Weiß, Die Völkerstämme im Norden Deutsch-Ostafrikas.
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Löcher gehängt und so erst zum Ausreifen gebracht. Die Leute ge- winnen hieraus ein recht schmackhaftes Bier.
Dort, wo es in Mpororo keine Bananen mehr gibt, wird das Bier aus Getreide zubereitet.
Meine Leute, die zum Teil aus Wasuaheli (Leute von der Küste), zum Teil aus Waheia (Leute aus dem Bukobabezirk) bestanden, tranken dieses Getreidebier nicht gern; sie behaupteten, es schmecke nicht gut und sei auch nicht stark und berauschend (kali). Letzteres muß aber doch der Fall gewesen sein, denn ich traf im Westen Mpororos am Hunga-Berge kurz nach der Erntezeit eine Hochzeitsgesellschaft, die sich, in erster Linie natürlich die männlichen Mitglieder, zum Teil aber auch die weiblichen, an dem Getreidebier total betrunken hatten, mich sehr freundschaftlich begrüßten und mir durchaus auch einen Krug davon auf- nötigen wollten.
Diese mit kräftigen Trinkgelagen verbundenen Erntefeste haben sehr häufig unangenehme Folgen. Der sonst friedlich gestimmte Ein- geborene fühlt plötzlich kriegerische Tugenden, und oft haben gerade zu jener Zeit Kriegszüge stattgefunden. Der Kleinkrieg zwischen den ein- zelnen Stämmen, ja sogar zwischen den einzelnen Dorfgemeinden ist dort draußen viel häufiger, als man hierzulande annimmt. Erst das Er- richten der Militärstationen hat diesem Unwesen Einhalt geboten. Selbst
Abb. qo. Aeltere Wanjambo-Weiber aus Karagwe.
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Abb. 91. Junge Wanjainbo- Mädchen aus Mpororo.
der durchmarschierende Europäer ist zu dieser Zeit vor Ueberfällen nicht sicher, zumal wenn durch der Sprache nicht ganz kundige Führer Mißverständnisse herbeigeführt werden. Das sollten Kirschstein und ich, als wir Nordruanda auf sonst von Europäern nicht berührten Pfaden durchquerten, erfahren:
Während sich die Bewohner in den ersten Tagen sehr freundlich gezeigt hatten und stets mit reicher Verpflegung zu uns ins Lager ge- kommen waren, nahmen sie in der Umgegend des Berges Kabuje einen bedrohlichen Charakter an. Wir waren von dem kaiserlichen Resi- denten, Hauptmann W. v. Grawert, zwar schon in diesem Sinne gewarnt worden, mußten aber trotzdem durch dieses Gebiet hindurch, weil wir sonst zu spät den Kiwu-See erreicht hätten. Wir befanden uns in einer äußerst dicht von Wahutu bevölkerten Gegend, in der der Einfluß der Watussi aufhörte. Mehrere Tagemärsche weit haben wir überhaupt keinen Mtussi gesehen. Ebensowenig wie sie die Autorität der Watussi anerkannten, wollten sie von uns Europäern etwas wissen. Hierzu kam noch der vorstehend erwähnte, schwerwiegende Umstand, daß die Leute Erntefeste feierten, fast immer betrunken und infolgedessen sehr
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kriegerisch veranlagt waren. Wir verlangten von ihnen weiter nichts als Verpflegung für unsere Karawane und einen Führer; beides gegen gute Bezahlung. Unser Führer, den wir aus dem letzten Lager mitgenommen hatten, war dadurch dienstunfähig geworden, daß er unter- wegs einen guten Freund getroffen, diesem den gefüllten Bierkrug ent- rissen und sich in kurzer Zeit derartig betrunken hatte, daß er lallend vor der Karawane herwankte.
Abb. 92. Wanjambo-Kinder aus Karagwe.
Die Wahütu jedoch mißverstanden unsere friedlichen Absichten, ließen von Dorf zu Dorf ihr weithinhahendes, gellendes Kriegsgeschrei er- tönen, und in wenigen Minuten konnten wir beobachten, wie die Leute aus den Tälern und von den Hängen, mit Speer, Pfeil und Bogen bewaffnet, in dichten Scharen auf uns zuströmten. Wohl wäre es möglich gewesen, mit unseren 6 Gewehren die Gegner bei Tage im Schach zu halten, doch niemals hätten wir uns gegen einen nächtlichen Ueberfall schützen können. Auf der unserem Lager gegenüberliegenden Kuppe versammelten sich die Krieger. Wir konnten beobachten, wie die Dorfältesten Rat hielten. Schon wurden Abteilungen an den Hängen entlang in Richtung auf unser Lager abgeschickt. Da beschloß ich, um Blutvergießen nach Möglichkeit zu verhindern, völlig unbewaffnet, nur mit meinem Dolmetscher, den Leuten entgegenzugehen, um mit ihnen zu verhandeln.
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Als ich die Hälfte des Weges zurückgelegt hatte — die Askari, die mich durchaus begleiten wollten, waren im Lager zurückgeblieben — ließ ich den auf der Kuppe versammelten Leuten durch meinen Dolmetscher zu-
Abb. 95. Ein 14 — iöjähriges Mnjambo-Mädchen aus Mpororo, dahinter Getreidespeicher.
rufen, daß ich durchaus friedliche Absichten habe, wie sie daran erkennen könnten, daß ich völlig unbewaffnet sei. Ich forderte sie auf, mir ihren Ältesten zu einer Besprechung entgegenzuschicken. Längere Zeit ließen sie die Zurufe meines Dolmetschers unbeantwortet. Ein höchst kritischer
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Moment, besonders deshalb, weil sich zu beiden Seiten an den Abhängen die Leute nahe an mich herangeschlichen hatten und mit ihren Bogen auf mich anlegten. Die einzige Beruhigung für mich war, daß die Pfeile nicht vergiftet waren.
Endlich löste sich aus der Gruppe der Dorfältesten einer heraus und kam gleichfalls unbewaffnet auf mich zu. Ich ging ihm ein Stück entgegen und begrüßte ihn durch kräftigen Handschlag. Der Friede war ge- schlossen, und innerhalb einer Stunde hatten wir die nötige Verpflegung
Abb. 94. Hausgerät der Wapororo.
und einen brauchbaren Führer. Bei einer anderen kritischen Gelegenheit bedienten wir uns nach eingebrochener Dunkelheit unserer Leuchtpistole und hatten vollen Erfolg, denn die Leute wagten nicht, Europäer anzu- greifen, die mit Sternen schießen.
Kurz noch einige Worte über die Bierbereitung. Wir lernen hier zwei verschiedene Bierarten kennen, einmal die aus den Früchten der Bananen hergestellte, für die vielleicht nach der Weise ihrer Herstellung die Bezeichnung „Bananenwein" richtiger wäre, und die ganz ähnlich wie bei unserer Braumethode aus Hirse, Sorghum und Eleusine hergestellten Biere.
Das Bananenbier oder den Bananenwein gewinnt man folgender- maßen: Reife Bananen werden in einem Holztrog zerquetscht und mit
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feinem Gras und etwas Wasser zusammengeknetet. Die hieraus ge- wonnene Flüssigkeit wird in große irdene Töpfe gefüllt, an einen warmen Ort gebracht und einem natürlichen Gärungsprozeß überlassen. Wir unterscheiden neben zahlreichen Variationen zwei Hauptsorten: Eine leichtere, wohlbekömmliche, die nur einen kurzen, und eine schwere, stark berauschende, die einen langen Gärungsprozeß durchgemacht hat.
Das aus der Körnerfrucht der Hirse, des Sorghums und der Eleusine gewonnene Bier wird folgendermaßen hergestellt: Die Körner werden
Abb. 95. Wapororo bei der Elemine-Ernte.
etwa einen halben Tag lang in kaltem Wasser eingeweicht, dann wird das Wasser abgegossen und man laßt den Topf etwa drei Tage stehen, bis das Korn genügend gekeimt hat, so daß es nunmehr als Malz Verwendung finden kann. Jetzt wird es an der Sonne getrocknet und dann zu Mehl zerstampft. Zur weiteren Verarbeitung gehören zwei Töpfe; in dem einen befindet sich kochendes, in dem anderen kaltes Wasser. Letzterer erhält einen Zusatz von gewöhnlichem Mehl, das unter Zugießen von heißem Wasser und ständigem Umrühren zu einem dicken Brei gekocht wird. Diesen vei teilt man auf mehrere Töpfe, verdünnt ihn mit warmem Wasser und läßt ihn erkalten. Jetzt erst wird Malz hinzugetan. Am nächsten Tage erfolgt ein nochmaliges Aufkochen, nach diesem läßt man die Töpfe wieder einen Tag stehen, um das Gebräu unter Hinzufügen von gewöhn-
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lichem Mehl noch einmal zu kochen. Ist es jetzt erkaltet, so erhält es noch einen Zusatz von Malz und bleibt bis zum nächsten Morgen stehen. Erst dann, also am fünften Tage, ist das Bier fertig; es wird jetzt nur noch durch ein Sieb gegossen und kann getrunken werden. Bei den Bakulia findet ein Durchsieben nicht statt. An Stelle dessen benutzen sie beim Trinken Saugrohre, die unten ein kleines Sieb besitzen.
Das, was ich über Geld und Wertmesser bereits im vorigen Kapitel sagte, gilt auch hier. Geld nahmen die Leute nicht, sondern nur die schon vorher erwähnten Tauschartikel. In Karagwe und Ankole wurden die Kaurimuscheln den roten Perlen vorgezogen, in Mpororo und Ruanda trat der umgekehrte Fall ein.
Es dürfte von Interesse sein, etwas über die so stark verbreiteten, als Scheidemünze dienenden Kaurimuscheln, dort Ssimbi genannt, zu hören. Die Engländer kämpfen in Uganda vergeblich gegen den Handel mit Ssimbi an. Ganze Bootsladungen davon wurden von ihnen aufgekauft und im See versenkt. Selbst die Einführung kleiner Kupfer- und Nickel- münzen, die in gleicher Weise wie die Kaurimuscheln, um es den Ein- geborenen recht bequem zu machen, in der Mitte durchlocht sind, hat die Ssimbi nicht verdrängen können.
Die Dorfältesten erzählten mir, daß vor langen, langen Jahren die Ssimbi aus Tabora zu ihnen gebracht und von ihren Vorfahren gegen Elfenbein (dies ist ein Beweis dafür, daß es schon recht lange her sein muß, denn jetzt ist Elfenbein dort kein Handelsartikel mehr) eingetauscht worden seien. Für einen 15 bis 20 Pfund schweren Zahn erhielten sie drei Lasten (also etwa 200 Pfund) Ssimbi. Aller Wahrscheinlichkeit nach sind die Kaurimuscheln von arabischen Händlern von der Küste mit- gebracht und hier eingeführt. Für den Handel werden sie in folgender Weise hergerichtet:
Der Rücken der Kaurimuscheln wird abgeschliffen, so daß ein 5 bis 8 mm großes Loch entsteht. Die so präparierten Muschelschalen werden zu je 100 auf einen Strang aus Bananenbast gezogen und 10 solcher Stränge zu einem Bündel von 1000 vereint. Der einzelne Strang (Kette) heißt hier Kiassa, das ganze Bündel Fundo. Beim Bezahlen wird immer nach der Fünfzahl gerechnet. Der ganze Kleinhandel sowohl als auch die Tributzahlung der Untertanen an ihre Häuptlinge erfolgt in diesen Kauri- muscheln.
Für den Europäer ist natürlich diese Scheidemünze recht unbequem. Wir mußten stets 1 — 2 Lasten dieser Ssimbi mit uns herumschleppen. In den Jahren 1902 — 04 bekamen wir für 1 Rupie (= 1,33 Mark) 12 Ketten ä 100 Ssimbi, also 1200 Stück.
Noch einige Worte über die dort herrschenden Preise. Ein fertig zugerichteter Pfeilschaft ohne die eiserne Spitze kostet 20 Ssimbi. Die
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eiserne Spitze allein gleichfalls 20 Ssimbi. Der völlig gebrauchsfertig her- gestellte Pfeil 50 Ssimbi. Ein fertiger Rindenstoff, das in Uganda, vor allem aber auch in Ankole und Karagwe gebräuchliche Kleidungsstück, kostet 5 bis 7 Ketten, also 500 bis 700 Ssimbi. Einen Schild erhält man für den- selben Preis, einen mittelgroßen Kochtopf für 25 Ssimbi, eine Nähnadel für 5 Ssimbi. Ein geflochtener mittelgroßer Korb kostet 25 Ssimbi.
Will der Mann heiraten, so geht er zu seinem Vater und sagt ihm: „Ich habe die Absicht, mir eine Frau zu nehmen, gib mir mein Erbteil" (Ziegen, Schafe usw.). Er bleibt jedoch vorläufig noch bei seinen Eltern
Abb. 96. Eingeborene ans Ankole.
wohnen. Alsdann sucht er seinen zukünftigen Schwiegervater auf, dem er aber gleich ein kleines Geschenk mitbringt (eine Hacke, einen Krug Bier [Pombe], etwas Wildfleisch oder bei wohlhabenden Leuten auch eine Ziege). Er trägt dem Schwiegervater sein Anliegen vor, der sich vorläufig aber noch stark reserviert verhält und weder ja noch nein sagt. Die An- nahme des Geschenkes jedoch gilt immerhin als ein Zeichen, daß der Be- werber starke Aussichten auf ein Jawort hat. Er kehrt in sein Dorf zurück und baut sich mit Unterstützung von guten Freunden seine Hütte. Die Be- suche bei dem Schwiegervater wiederholt er noch häufig, stets mit einem kleinen Geschenk versehen. Es vergeht oft ein Vierteljahr, bis er das eigentliche Jawort erhält und die Morgengabe in Gestalt von 10—20 Ziegen
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DIE WANJAMBO.
(im Westen Mpororos 20 — 30) dem Schwiegervater auszahlen darf. Erst jetzt bekommt er seine Braut zu sehen. Bei armen Leuten genügen auch 2 — 3 Ziegen; häufig muß der Mann, wenn er das verlangte Heiratsgut nicht zahlen kann, dieses bei seinem Schwiegervater einige Jahre lang ab- arbeiten.
Ueber die Hochzeitsfeierlichkeiten sowie die anderen Sitten und Gebräuche konnte ich mich aus Zeitmangel nicht informieren; ich weiß aus eigener Anschauung nur so viel, daß gutes und reichliches Essen und Trinken, wie wohl überall, bei der Hochzeit eine Hauptrolle spielt.
Es gilt als Regel, daß die jungen Mädchen bis zu ihrer Verheiratung noch nicht in geschlechtlichen Verkehr getreten sind. Doch sind Aus- nahmen von dieser Regel häufig. Es kommt seltener vor, daß sie mit Männern Umgang pflegen, wohl aber ziemlich häufig mit den gleich- altrigen Jünglingen, ihren Freunden. Oft verlangt der junge Ehemann, so- bald er festgestellt hat, daß seine Gattin nicht als Jungfrau in die Ehe getreten ist, einen Teil der Morgengabe zurück. In den meisten Fällen nehmen sie diese Tatsache aber ruhig in den Kauf und erheben nur dann energisch Einspruch, wenn die Braut von einem anderen geschwängert ist.
Im Durchschnitt konnte ich feststellen, daß jeder Mann 2 Frauen hat, die Armen nur eine. An einen Dorfältesten, mit dem ich mich zur Abendstunde vor meinem Zelt über ethnographische Dinge unterhielt, richtete ich die Frage, welche von seinen 3 Frauen er denn am liebsten habe. Anfangs wollte er mit der Sprache nicht heraus. Als ich ihm jedoch sagte, er könne es mir ruhig anvertrauen, ich würde es seinen Weibern nicht wiedererzählen, antwortete er mir: „Ja, die zweite." „Warum hast du denn diese am liebsten?" fragte ich, worauf er mir ohne Besinnen zur Antwort gab: „Ja, die kennt meinen Bauch ganz genau und kocht mir das Essen so, wie ich es gern habe; und wenn ich ihr etwas sage, dann tut sie es, ohne erst viel zu reden." Ich war erstaunt über diese ver- ständige Antwort und glaubte anfangs, es mit einem ganz besonders ver- nünftigen Manne zu tun zu haben. Als ich diese Frage auch in anderen Dörfern stellte, fand ich aber gleiche oder ähnliche Antworten.
Als Frau mit einem anderen Manne geschlechtlich zu verkehren, gilt als Schande und kommt sehr selten vor; höchstens wenn der Mann auf Reisen ist.
Ob die Wanjambo ihre Ursprache reden oder eine von den Wahima eingeführte, will ich nicht entscheiden. Jedenfalls habe ich zu meinem Be- fremden folgendes feststellen können:
Als Watussi aus Ruanda zu mir nach Mpororo kamen, konnten sie sich mit den Wapororo nicht verständigen. Auf meine Frage antworteten mir letztere: „Die Sprache dieser Leute (Watussi) ist sehr hart." Die
DIE WANJAMBO.
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Abb. 97. Mnjambo -Weib mit Tochter aus Ankole.
wenigen von mir aufgezeichneten Worte der Wapororo sind: bitoke = Bananen; burungi = gut, schön; nyerere = = eiserner Ring (um die Knöchel getragen); kichemga — Blasebalg; rupu = Fell zum Blasebalg; katuntu = Locheisen zum Drahtziehen; kikwaso = = Zange zum Draht- ziehen; utankato = rundes Eisenstück, als Hammer benutzt; nkitebbe =
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DIE WÄNJAMBO.
Holzstuhl; buringa = Messingarm- ring; mfrebe = Tabaksbeutel aus kleinem Ziegenfell; mriko = große Holzkelle zum Umrühren; kibo = geflochtener Korb; luäbia = Ton- gefäß für Gemüse; ndoscho = Holz- löffel; kihoscho = Bananenstecher; mhorro = sichelförmiges Handbeil; njischa = Holzamulett; muschio = kleines Messer; ruhabio = Bananen- messer; mfuka = herzförmiges Hackenblatt aus Eisen; njemeko = Tonkrug; muambi = Pfeil; kirimba = Köcher; buta = Bogen; ruga = Sehne; ichuma = Lanze; sugo = kleine Eisenschelle, von Kindern am Fußgelenk getragen; muschio = Rasiermesser; mpindu=Nadel zum Nähen, dient gleichzeitig zum Her- ausnehmen von Sandflöhen; scha- scharra = großer Korb mit Deckel; fuege = geflochtene Grasringe; bumarra = Pfeilgift; mutemba = geflochtener köcherartiger Behälter für Pomberöhrchen; mulseha = Pomberöhrchen; midaho = Pombe- löffel; mongu = Lanzenschaft; mihunda = Lanzenschuh; kassissi = kleines Kürbisgefäß, von den Weibern getragen, gefüllt mit Näh- zeug usw.; mheko = geflochtener schmaler Leibgurt aus Baumfasern; evilo = großer geflochtener Korb aus Schilfgras; mtara = großer geflochtener Teller, % m im Durch- messer; schekuru = Holzmörser zum Hirsestampfen; muhini = Holzstampfer dazu; mbehe = kleiner Holz- trog; nagonya kunyama = ich möchte schlafen. Männernamen sind: Katchumika, Baturrua, Karageire; Weibernamen: Kataquend', Kinigirr'.
Auch hier muß ich wieder mit lebhaftem Bedauern hervorheben, daß der Mangel an Zeit es mir nicht ermöglichte, näheres über die sozialen Verhältnisse in Erfahrung zu bringen, noch weniger aber über das Seelen-
Abb. 98. Junges Mnjambo-Madchen aus Ankole.
DIE WANJAMBO.
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leben dieses Volkes. Nichts ist auch schwerer wie letzteres. Der Grund liegt klar auf der Hand. Der Neger betrachtet mit Recht jeden europäischen Eindringling mißtrauischen Auges und wir können nicht erwarten, daß er seine Seele von dem fragenden Forscher sezieren läßt. Daß der Neger ein Mensch mit Seele und Innenleben ist, nicht aber, wie man leider fälsch- licherweise so oft hört, ein Halbaffe, den wir hochkultivierten Europäer
Abb. 99. Kinder aus Ankole.
erst zu Menschen machen müssen, dürfte keinem, der dort draußen gelebt und sich mit dem Volke auch nur etwas beschäftigt hat, verborgen ge- blieben sein. Ein kleines Beispiel aus meiner Erfahrung.
Ich marschierte lautlos auf dem durch Regen aufgeweichten Boden zwischen den Karagwe-Bergen und der Kagera in einer Gegend, die da- mals noch völlig von der Kultur unberührt war. Meine Karawane war weit zurückgeblieben, so daß kein fremder Laut die Ruhe der wenigen hier wohnenden Eingeborenen störte. So auf schmalem, viel gewundenem Negerpfade westwärts schreitend, näherte ich mich unbemerkt einem kleinen Dorfe und sah hier dicht hinter demselben ein Mnjamboweib vor
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DIE WAN1AMBO.
Abb. ioo. Kinder aus Ankole.
der Fetischhütte, die hier die Stelle der Kirche vertritt, stehen, auf den Armen wiegte sie ihr sterbendes Kind und betete hierbei zu dem guten Geist, den sie in jener kleinen Hütte wohnen glaubte, die Seelenangst um ihr Liebstes im Blick, mit solcher Inbrunst und Andacht, wie der gläubigste Christ im herrlichsten Dome nicht inniger beten kann.
Jeder, der als Neuling nach Afrika kommt, macht ja in der Be- urteilung des Negers eine Wandlung durch. Zuerst, unter dem Eindruck der in Europa verbreiteten falschen Ansichten, schätzt man den Neger zu tief ein. Dann lernt man ihn an der Küste kennen, sieht wie hier gewandte, intelligente Burschen ausgezeichnete Dienste als Boys, Köche, Schreiber und Dolmetscher verrichten, lernt in dem schwarzen Askari einen wohldisziplinierten und wohlgeschulten Soldaten kennen und über- schätzt dann den Neger. Erst wenn man längere Zeit mit den Leuten zu tun gehabt hat, wird man es gelernt haben, die goldene Mittelstraße einzuhalten.
Auf eine andere irrige Ansicht möchte ich noch bei dieser Gelegen- heit hinweisen. Wie oft hört man hier in Deutschland nicht: „Nein, diese armen, geplagten Negerweiber, sie müssen die ganze Arbeit verrichten, der Mann tut nichts!" Eraglos arbeiten die Männer dort daußen erheblich weniger als die Frauen. Doch habe ich es in 4 Jahren nie erlebt oder auch nur gehört, daß ein Negerweib an Ueberanstrengung gestorben sei.
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Im Durchschnitt arbeiten sie 3 — 4 Stunden, zur Erntezeit und zur Zeit der Bestellung der Felder länger.
Auch dagegen wird hier zu Hause so oft geeifert, daß die Männer dort draußen mehrere Weiber haben. Jedoch zu Unrecht, denn es ist eine allen Anthropologen wohlbekannte Tatsache, daß das Negerweib ihr Kind meistens ein ganzes Jahr lang nährt und nach den sittlichen An- schauungen des Negers während dieser Zeit keinen ehelichen Verkehr ausüben darf. Häufig pflegt die Frau bei der Geburt des ersten Kindes den Mann zu veranlassen, sich eine zweite Frau zu nehmen. Daraus ergibt sich eine Berechtigung zur Vielweiberei. Durch diese wird andererseits auch einem sozialen Uebelstand abgeholfen, der sonst durch den Ueber- schuß an weiblichen Geburten hervorgerufen würde.
Ganz fraglos haben wir, die wir von dem Lande Besitz ergriffen haben, die Verpflichtung, die Leute zu höherer Kultur zu erziehen. Doch diese Erziehung sollte vernünftigerweise darin bestehen, daß wir den Leuten nicht das „ora et labora" lehren, sondern das „labora et ora''. Dringend erforderlich ist es, daß wir den Gesundheitszustand unserer schwarzen Landsleute dort draußen heben, daß wir sie zur Reinlichkeit und Körperpflege erziehen und vor allem dahin wirken, daß die Neger- weiber ihre Säuglinge und Kinder sachgemäß behandeln. Erschreckend
Abb. ioi. In Ankole eingewanderte Wciheia.
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groß ist ja leider die Kindersterblichkeit in Afrika. Unsere Kolonie könnte wohl doppelt so zahlreich bevölkert sein, wenn in der Kinderpflege ver- nünftig verfahren würde.
Nicht jeder meiner Leser wird vielleicht mit diesen meinen Aus- führungen einverstanden sein. Ich will aber hier in erster Linie meine persönlichen Lindrücke von Land und Leuten schildern. Das tue ich; ich weiß auch, daß ich mit dieser meiner Ansicht absolut nicht allein dastehe, daß viele ebenso denken, allerdings nicht immer laut sagen.
Zum Schluß füge ich noch einige Ankolebilder hinzu. Wir sehen auf Abbildung 96 eine Gruppe von Ankole-Männern, die deutlich den Typus der Wanjambo erkennen lassen.
Die nächste Abbildung 97 zeigt uns Mutter und Tochter auf dem Wege vom Bananenhain zu ihrer Hütte. Auch hier sieht man bei dem jungen Mädchen deutlich denselben kümmerlichen Gesundheitszustand wie bei den Wanjambo-Kindern Karagwes. Abbildung 98 zeigt uns ein gut ent- wickeltes Ankole-Mädchen und die nächsten beiden Abbildungen Kinder- gruppen aus Ankole (Abb. 99 u. 100).
Als letzte Abbildung dieses Kapitels gebe ich die riesige Hütte (Abb. 101), die ich bei der Topographie der Berge Ankoles zu meiner Ueberraschung hinter einem Bananenhain versteckt vorfand. Nicht allein die Größe und saubere Herstellung dieser Hütte lockte mich zur näheren Untersuchung, sondern auch ihre in der Nähe befindlichen Bewohner, die ganz deutlich einen anderen Typus zeigten, wie die Wanjambo in Karagwe. Von mir befragt, gaben sie nach einigem Zögern zu, daß sie keine Ankoleleute seien, sondern aus dem Bukoba-Bezirk ein- gewanderte Waheia. Sie gehörten früher zu den Untertanen des Sultans Kahigi, seien aber, im ganzen drei Familien, ausgewandert, weil nach ihrer Ansicht der Sultan zu viel Steuern von ihnen verlangt habe. In Ankole mußten sie natürlich auch Steuern zahlen und zwar den Engländern. Um nun möglichst billig fortzukommen (es galt hier die Hüttensteuer, pro Hütte und Jahr 3 Rupie), hatten sich die drei Familien zusammen diese schöne große Hütte gebaut und betrogen somit den englischen Staat um einige Rupie.
III. Die Waganda und Waheia.
ie Schilderung der Waganda und Waheia will ich zu einem Kapitel zusammenfassen, da beide Stämme so- wohl in ihrem Äußeren wie in ihren Lebensgewohn- heiten viel gemeinsam haben, während sie sich von den bereits besprochenen Wanjambo, Wapororo und Wahutu nicht unwesentlich unterscheiden, wiewohl sie gleich diesen zur Bantu-Rasse gehören. Uganda, das Land der Waganda, von dem ich jetzt eine ganz kurze Schilderung gebe, reicht nur mit seinem südlichsten Ausläufer, nämlich einem Teil der Provinz Buddu, in deutsches Gebiet hinein. Im Süden wird Buddu durch die Kagera von Kisiba getrennt; im Westen verläuft die Grenzlinie von der Fähre Njakanjassi durch die wildreiche Steppe Kibo- roga, dicht östlich am Berge Budakia entlang, in das englische Gebiet; im Osten bildet der Viktoria-See die Grenze.
Die Kagera fließt hier in weitem Bogen nach Süden durch eine große Lbene. Licht hinter Kifumbiro bis nahe zur Mündung ist sie zu beiden Seiten von weiten Sümpfen, in denen sich Phönixpalmen malerisch ab- heben, eingesäumt, so daß es nur an wenigen Stellen möglich ist, an ihre Ufer zu gelangen. Den südlichsten Punkt erreicht die Kagera zwischen Kitengule und Kifumbiro bei 1° 16' südlicher Breite.
Bei Njakanjassi ist die Kagera etwa 60 m breit und mehrere Meter tief; der vielgewundene Flußlauf hat sich tief eingeschnitten, so daß stellen- weise die Ufer 10 — 15 m nahezu senkrecht abfallen. An diesen Stellen fehlt naturgemäß der sonst charakteristische Papyrussaum. Man kann hier deutlich erkennen, daß der Boden aus graubraunem, häufig sogar weißlichem, mit Sand vermischtem Ton besteht. Aus dieser Zusammen- setzung darf man wohl schließen, daß wir in der Kageraebene ein altes Schwemmland vor uns haben. Möglicherweise befand sich hier in früheren Zeiten, als der Spiegel des Viktoria-Sees noch höher stand, ein Seearm.
Weiß, Die Völkerstämme im Norden Deutsch-Ostafrikas.
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DIE WAG AN DA UND WAHEIA.
Leider liegt die Kageramündung nicht mehr im deutschen Gebiet. Der Fluß windet sich in zahlreichen Krümmungen 19 km weit durch Englisch-Buddu hindurch und ergießt sich 6Vt km nördlich der deutsch- englischen Grenzlinie in den Viktoria-See. Die Kagera hat jetzt, wie auch zu Stanleys Zeit, nur eine etwa 80 m breite Mündung. Zu Stuhlmanns Zeiten floß sie mit 3 Armen in den See. Vor der Mündung liegt eine Barre, die das Hinfahren in den Fluß nur mit Eingeborenenbooten gestattet; selbst mit einer flachgehenden kleinen Dampfpinasse war es leider nicht möglich, in die Kagera lüneinzugelangen. Eine Beseitigung dieser Barre
Abb. 102. Die Kagera unmittelbar vor ihrer Mündung in den Viktoria-See.
wäre also dringend erforderlich, um den sonst bis an die Karagweberge heran schiffbaren Strom nutzbar zu machen. Schon von weitem, wenn man von Norden kommt, erkennt man die Nähe der Kageramündung an einem breiten, gelbbraungefärbten Wasserstreifen, in dem zahlreiche kleine Schilfinseln und die Rosetten der Schwimmpflanze Pistia stratiotes treiben.
Ein ganz besonders charakteristisches Merkmal erhält die Land- schaft Buddu durch zwei Komplexe von hochstämmigem Alluvialwald, die sich zur Regenzeit in Sumpfwälder verwandeln, den Russenjewald und den Minsiro- oder Njakawassiwald, von denen letzterer die ganz be- deutende Ausdehnung von 223 qkm, ersterer von etwa 70 qkm hat.
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Abgesehen von den soeben erwähnten Sumpf- und Waldpartien, zeigt Uganda den Typus eines Hügellandes, das bedeckt ist mit zahl- reichen, oft kilometerweiten Bananenhainen, die mit bebauten Feldern und Weideland abwechseln. Zwischen den Bananenhainen stehen zahl-
Abb. 105. Waganda-Jünglinge.
reiche große Ficusbäume, deren Rinde den Eingeborenen die Bekleidung liefert. Der äußerst fruchtbare Boden besteht größtenteils aus Verwitte- rungsprodukten von Tonschiefern.
In den Bäumen nisten zahlreiche graue Papageien. An Antilopen finden wir Jimera, Wasserbock, Riedbock und die zierliche graubraune
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DIE WAGANDA UND WAHEIA.
Zwergantilope, der wegen ihres kostbaren Felles sehr viel nachgestellt wird. Elefanten, an denen früher Uganda so reich war, sind jetzt so gut wie ausgestorben. Es finden sich nur noch vereinzelte Exemplare in den Sumpfurwäldern, von denen ich wohl hin und wieder Fährten, niemals aber die Tiere selbst gesehen habe. Leoparden kommen häufig vor, selten der Löwe.
Die klimatischen Verhältnisse sind für die Pflanzenwelt günstig. Eine eigentliche Trockenperiode gibt es hier nicht, denn wir haben auch während der sogenannten Trockenzeit häufige Niederschläge, so daß ein Verdorren der Vegetation nicht eintritt. Die eigentlichen Regenzeiten, in denen allerdings etwas reichlich viel Regen fällt, dauern vom März bis Mai und vom September bis Dezember. Die Nächte sind kühl, und auch am Tage habe ich selbst in der Mittagszeit drückende tropische Hitze nicht kennen gelernt. Unbeschadet der zahlreichen Niederschläge kann man das Klima als gesund bezeichnen, obgleich Uganda nicht frei von Fieber ist.
Doch nicht allein durch seine große Fruchtbarkeit und die Dichtig- keit seiner Bevölkerung zeichnet sich Uganda vor allen Landschaften des Zwischenseengebietes aus, sondern zum mindesten in gleichem Maße durch die Intelligenz und die Höhe der Kultur, auf der seine Bevölke- rung steht.
Auf etwas eigenartige Weise machte ich die Bekanntschaft der Waganda. Mit Grenzpfeilerbau beschäftigt, hatte ich mich, von der Kongo- grenze kommend, der Landschaft Buddu genähert, als ich eines Morgens die Nachricht erhielt, daß sich am Russenjewalde eine Büffelherde gezeigt habe. Bei der Verfolgung eines angeschossenen Bullen verliefen wir uns, mußten im Walde auf einem Termitenhügel übernachten und erreichten erst am nächsten Mittag gänzlich erschöpft, mit zerfetzten Kleidern, Ge- sicht und Hände von Dornengestrüpp blutig gerissen, das Dorf des Sultans Ruikika. (Tafel VII.) Die ersten Einwohner liefen bei unserm Anblick davon, denn meine Leute sahen nicht minder abgerissen aus als ich. Der „Minister" des Sultans Ruikika jedoch, der schon häufig mit Europäern in Berührung gekommen war, wußte uns trotz dieser stark mit- genommenen Kleidung und trotzdem wir aus dem gänzlich pfadlosen Urwalde herausgekommen waren, richtig einzuschätzen und erfrischte uns mit Bananenbier und Zuckerrohr. Von ihm und seinem Herrn, dem Sultan, erfuhr ich auch im Laufe der nächsten Tage manches über Land und Leute.
Die Waganda sind keine reine Rasse mehr, sondern haben sich mit den benachbarten Stämmen vermischt, deren Weiber sie auf ihren zahl- reichen Kriegszügen erbeutet haben. Den echten Mganda wird man aber trotzdem ohne Mühe herausfinden. Auch er gehört zur großen Rasse der
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Bantu. Seine charakteristischen Merkmale möchte ich kurz folgender- maßen skizzieren:
Der Mganda ist von mittelgroßem Wuchs, verhältnismäßig schlank und hat eine gut entwickelte Muskulatur. Die hintere Partie des Kopfes springt oft stark hervor, wie es Abbildung 103, rechts, deutlich zeigt.
Das Gesicht ist oval, regelmäßig, und die Backenknochen treten nicht stark hervor, wie es bei anderen Negerstämmen, besonders bei den
Abb. 104. Waganda-Männer.
Wahutu, der Fall ist. Die Nase ist breit, ihr Rücken aber weniger platt wie bei den früher geschilderten Bantu, infolgedessen auch weniger unschön. Die Augen sind groß und glänzend, der Mund verhältnismäßig klein, die Lippen mäßig dick. Die Ohren sind mittelgroß, häufig sogar klein zu nennen und wohlgeformt. Angenehm fällt bei den Waganda noch ihre hohe gewölbte Stirn auf, so daß man das ganze Gesicht auch nach europäischem Geschmack als nicht häßlich bezeichnen kann. Bartwuchs stellt sich erst in vorgeschrittenem Mannesalter ein. Der Hals zeigt normale Länge. Das Gesäß springt wenig hervor.
134 DIE WAGANDA UND WA HEIA.
Die Hautfarbe weist wie bei allen Negervölkern verschiedene Töne auf, doch kann man als den Grundton ein kräftiges Schokoladenbraun angeben.
Ein Durchbohren der Ohrmuscheln findet bei den Waganda ebenso- wenig statt wie ein Entfernen oder Anfeilen der Zähne, Tätowieren oder Beschneidung.
Abb. 105. Mganda-Mädchen (links), Mganda-Frau (rechts).
Das Haar ist das typische krause, korkzieherartig gedrehte Neger- haar. Es wird mit einem kleinen Messer abrasiert; oft vertritt die Stelle des Rasiermessers auch die Lanzenspitze.
Die Waganda, die sonst im Gegensatz zu vielen anderen Völkern großen Wert auf ihr Äußeres legen, tragen erstaunlicherweise wenig,
DIE WAGANDA UND WA HEI A.
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häufig gar keinen Schmuck. Wir finden bei ihnen einige Eisen- oder Messingringe um Hals und Handgelenk, seltener sah ich um letztere breite, manschettenförmige Elfenbeinringe, die sehr sauber gearbeitet waren. Sie werden dünn geschliffen und mit einein Längsschnitt versehen, um das
Abb. 106. Mganda-Mädchen (links), Mganda-Frau (rechts).
Überziehen über die Hand zu ermöglichen, und durch zwei Fäden ge- schlossen, die durch zwei Paar Löcher gezogen sind.
Bekleidet sind die Waganda mit Rindenstoffen, die aus der Rinde des Ficusbaumes gefertigt werden. (Über die Herstellung siehe Handwerkerkapitel.) Dieses Kleidungsstück wird togaartig um den Körper geschlungen und auf der rechten Schulter zusammengeknotet.
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DIE WAGANDA UND WAHEIA.
Arme und linke Schulter bleiben frei. Ist dieses Kleidungsstück neu, so wallt es in steifen, weiten Falten bis fast auf die Füße herab und sieht recht malerisch aus. Lange währt diese Pracht jedoch nicht, denn der wenig widerstandsfähige Stoff hat nur kurze Lebensdauer. Bald hängt er, wenigstens bei der arbeitenden Bevölkerung, durchlöchert und zerrissen, weniger malerisch den Leuten um den Leib (siehe Abb. 104). Als Unter- kleid tragen die Waganda häufig ein kleines, vorn und hinten an einer Schnur befestigtes und zwischen den Beinen durchgezogenes Stück Rindenstoff.
Bei den wohlhabenden Waganda findet man jetzt schon überall eine Bekleidung aus importierten gewebten Stoffen. Sie besteht aus einem weißen Baumwolltuch, das in der Art der Rindenstoffe getragen wird (Abb. 104), sowie einer weißen Baumwollhose. Da sich die Leute diese selbst nähen, so kann man natürlich keinen europäischen Schnitt verlangen. Das typische Merkmal der selbstgenähten Hose ist der viel zu weite Boden, der den Leuten bis fast auf die Kniekehlen hängt. Häufig sieht man auch eine weiße Jacke und um den Kopf turbanartig ein Stück des gleichen weißen Stoffes gewickelt.
Sehr angenehm fällt es auf, daß bei den Waganda dieser weiße Baumwollstoff tatsächlich auch weiß ist, wie ja überhaupt sich der Mganda im Punkte der Reinlichkeit erheblich von seinen bisher geschilderten Vettern unterscheidet. Er wäscht nicht nur seine Kleidungsstücke, sondern auch seinen Körper, was die Wanjambo Mpororos beispielsweise nicht pflegen. Wenigstens verneinten sie meine hierauf bezüglichen Fragen durch energisches Kopfschütteln.
An den Füßen tragen die Waganda Sandalen aus starkem Wild- oder Rindleder, deren Ränder umgebogen sind. Bei den vornehmen Waganda wird besondere Sorgfalt auf die Ausstattung dieser Sandalen gelegt. Sie sind auf der Innenfläche mit Linien und Dreiecksmustern verziert und häufig auch noch bunt gefärbt. Die Riemen zum Befestigen bestehen bei den Vornehmen aus Otternfell, bei den übrigen Leuten aus Rindleder.
Waffen trägt der Mganda nur im Kriege und zur Jagd; fast immer jedoch sehen wir ihn mit einem sauber gearbeiteten, etwa 1,20 m langen Spazierstock. Die Waffen sind langschäftige Speere mit lanzettförmiger Spitze, die zwei Blutrinnen hat. Unten sind die Lanzen stets mit einem eisernen Schuh versehen. Abweichende Speerformen finden sich auch häufig, stammen aber wohl aus Kriegen mit den westlichen Völkern. Die Wagandakrieger führen 2 — 3 Speere und benutzen sie sowohl als Wurf- wie auch als Stoßwaffe. Bogen und Pfeile sind nicht üblich.
Zum Schutz dient ein ovaler, an beiden Enden zugespitzter Holz- schild, der von einer kräftigen Mittelrippe aus leicht nach hinten gebogen
DIE WAGANDA UND WAHE1A.
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ist und in der Mitte einen großen konischen Holzbuckel zeigt. Überzogen wird dieser Schild mit einem gleichmäßigen Geflecht von Rotang und
Abb. 107. Junges Mganda- Weib.
am Rande ist er zwecks größerer Haltbarkeit mit Leder, häufig auch mit dem langhaarigen, schwarz und weißen Fell des Kolobusaffen eingefaßt.
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Auf der Rückseite befindet sich ein Handgriff. Im Nichtgebrauchsfalle wird der Schild an einem Lederriemen über die Schulter gehängt
Zur Zeit, als der Elefant noch im Lande häufig vorkam, waren die Waganda sehr eifrige Jäger. Jetzt hat der Jagdeifer bedeutend nach- gelassen und selten nur ziehen sie aus, um in der früher schon ge- schilderten Weise mit Netzen auf der Treibjagd oder auch in Fallen das Wild zu fangen.
Daß es den Leuten nicht an persönlichem Schneid fehlt, zeigte mir ein stark durchlöchertes Löwenfell beim Sultan Ruikika. Die Bewohner eines dicht an der Steppe Kiboroga gelegenen kleinen Dorfes hatten schon wiederholt Nacht für Nacht den Besuch einer starken Löwin bekommen und jedesmal dabei eine Ziege eingebüßt, so daß sie beschlossen, das Tier zu erlegen. Mit ihren Speeren bewaffnet lauerten sie zur Nacht der Löwin auf und speerten diese, als sie im Begriff war, eine Ziege zu schlagen. Zwei von den Leuten büßten allerdings diese kühne Tat mit dem Leben, verschiedene andere wurden verwundet.
Die Wagandaweiber sind etwas kleiner als die Männer und eben- falls von regelmäßigem Körperbau (Abb. 105, 106 und 107). Wir finden unter ihnen recht hübsche Geschöpfe. Sie werden im Alter natürlich runzlig, aber doch nicht ganz so häßlich wie die Wanjamboweiber.
Auch bei den Frauen finden wir keine gewaltsamen „Verschöne- rungen" oder Tätowierungen. Die Haartracht ist die der Männer, d. h. das krause Negerhaar wird abrasiert, sobald es etwa einen Zentimeter lang geworden ist.
Schmuck finden wir bei ihnen ebensowenig wie bei den Männern. Junge Mädchen tragen häufig um den Hals einen etwa fingerdicken Ring aus Bastfasern, auf dem in geschmackvollen Mustern kleine Perlen ge- näht sind.
Bei der Feldarbeit gehen sie übrigens häufig ganz nackt. Bei kleinen Kindern finden wir derartige Bastringe häufig um die Hüften. Das Hauptkleidungsstück ist auch bei den Weibern der Rindenstoff. Er wird in zwei Teilen getragen. Als Unterkleid dient ein um die Hüften gebundenes kleineres, darüber als Oberkleid ein großes, bis auf die Füße niederwallendes Stück dieses Stoffes, das unter den Armen über der Brust zusammengefaltet wird (Abb. 108). In der Hütte gehen die Frauen häufig ganz nackt.
So geschmackvoll die neuen gelbbraunen Rindenstoffe aussehen, so wenig appetitlich wirken die alten, schmutzigen, zerfetzten und häufig geflickten, die oft noch von allerhand Ungeziefer bevölkert sind, das man durch Ausräuchern zu vertreiben sucht (Abb. 108, 109, 110).
Die Waganda sind Ackerbauer. Ihr Hauptnahrungsmittel ist die Banane, die hier in außerordentlich zahlreichen Rassen vertreten ist. Sie
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wird im grünen, unreifen Zustande gekocht, im gelben, reifen roh genossen oder zur Herstellung des Bieres verwandt. Der Mganda pflegt seinen Bananenhain mit großer Liebe. Das Unkraut wird regelmäßig ausgejätet, abgestorbene Blätter werden abgeschlagen und entfernt, besonders große und traubenschwere Bananenstauden sorgsam gestützt. Häufig sind die Bananenhaine, um sie vor dem Betreten durch das Vieh zu schützen, von Hecken umgeben.
Abb. 108. Waganda- Frauen und -Madchen.
Außerdem finden wir die Süßkartoffel, Bohnen, Zuckerrohr, Tabak- und Kaffeebäume, die 2 — 3 m hoch sind und reichlich Früchte tragen. Sie werden von den Leuten in unreifem Zustande geerntet, getrocknet und gekaut.
Die wohlhabenden Waganda besitzen Kinderherden, doch hier nicht mehr die langgehörnten Watussirinder, sondern nur die kurzhörnige Buckelrasse. Außerdem finden wir ziemlich zahlreich Ziegen, Schafe und Hühner, die selbst in der Hütte des ärmsten Mganda nicht fehlen. Sie werden übrigens nur von den Männern gegessen, von den Weibern jedoch nicht.
Ein ferner sehr beliebtes Genußmittel sind geröstete Termiten. Die im August und September ausschwärmenden geflügelten Tiere werden in
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DIE WAGANDA UND WA HEIA.
der Weise gefangen, daß man auf den Termitenhaufen kleine, hütten- förmige Gerüste aus Ruten errichtet und mit Rindenstoff bedeckt. Eine weitere Delikatesse bilden geröstete Heuschrecken.
Außer den schon vorher erwähnten Vegetabilien genießen die Waganda sehr gern Fleisch, das entweder gekocht oder an Stäben über dem Feuer geröstet wird. Zum Rösten bauen sie sich ein Holzgestell aus Stöcken, legen hierauf das in handgroße Stücke geschnittene Fleisch und entzünden hierunter ein Feuer. Oder sie stecken diese Fleischstücke auf einen spitzen Stock und befestigen ihn über dem Feuer.
Mit großer Vorliebe genießt der Mganda auch die recht schmack- haften Fische des Viktoria-Sees. Sie werden in Reusen gefangen oder auch geangelt und im gekochten oder gerösteten Zustande gegessen.
Zu erwähnen ist noch, daß die Waganda, sowohl die Männer wie die Weiber, leidenschaftliche Raucher sind, aber den Tabak weder schnupfen noch kauen.
Die Hütten der Waganda sind kegelförmig, das Grasdach reicht bis zur Erde und die Für springt verandaförmig vor. Die Spitze läuft in einer gebundenen und kurz abgeschorenen Strohgarbe aus. Der Baustil ist überall der gleiche, die Größenverhältnisse jedoch und die Sorgfalt in der Herstellung sind sehr verschieden bei dem vornehmen Manne und dem kleinen Bauern. (Über den Bau einer derartigen Hütte siehe Hand- werkerkapitel.) Abbildung 112 zeigt uns die Hütte eines armen Mganda.
Das Innere der Hütte ist etwas erhöht und tennenartig festgestampft. In der Mitte befindet sich die Feuerstelle. Sie besteht aus einem kleinen viereckigen Loch und wird durch vier auf den Boden gelegte und mit Pflöcken festgehaltene Hölzer abgegrenzt. Fast unausgesetzt glimmen hier einige Holzscheite und verbreiten in der Hütte eine angenehme Wärme, die man besonders zur Regenzeit wohltuend empfindet. Bei den ärmeren Waganda ist dies auch gleichzeitig die Kochstelle, bei den wohlhabenden finden wir jedoch eine besondere kleine Kochhütte. Ebenso haben diese eigene Häuser für die Frauen und für die Dienerschaft.
Die Waganda besitzen einen ausgeprägten Schönheitssinn, den wir besonders bei ihren Industrieerzeugnissen wahrnehmen können. Alle Gegenstände sind sauber und symmetrisch hergestellt und häufig ge- schmackvoll verziert. Das einfachste Gerät ist der irdene Kochtopf, der außerdem noch zur Aufbewahrung von Wasser dient. Er hat eine ver- engte Öffnung mit umgebogenem Rand und zeigt am oberen Teile eine Verzierung von Kreislinien.
Erheblich mehr Sorgfalt wird indes auf die Anfertigung der irdenen Trinkschalen verwandt. Sie haben die Form einer Halbkugel, sind sehr sauber ohne Drehscheibe mit der Hand gearbeitet, schwarz gefärbt, am
DIE WAGANDA UND WAHE1A.
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Rande mit einem breiten Streifen von Ring- und Strichmusterung verziert und poliert.
Ebenso sorgfältig verfährt der Mganda bei Herstellung der Pfeifen- köpfe. Er ist hier nicht an eine bestimmte Form gebunden und läßt seiner Phantasie freien Spielraum, so daß wir alle möglichen Formen vorfinden.
Abb. 109. Waganda-Weiber und -Kinder vor einem Bananenhain.
die mit allerhand Mustern verziert sind und häufig auch noch durch Ein- lagen von weißem und rotem Ton besonders geschmackvoll verschönt werden.
Außerordentlich zahlreich vertreten sind in jeder Hütte die Kürbis- kalebassen. Sie dienen in erster Linie zur Aufnahme des Bananenbieres, seltener des Wassers.
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DIE WAGANDA UND WAHE1A.
Erwähnenswert sind ferner noch die recht geschmackvollen Flecht- arbeiten. Wir sehen flache Teller aus dickem, spiralförmig verlaufendem, oft aber auch außerordentlich feinem Grasgeflecht, ferner Körbe in allen möglichen Formen und Größen. Die Waganda verstehen es, diese Körbe so ungemein dicht und sorgfältig zu flechten, daß sie keine Flüssigkeit durchlassen und zum Wassertransport benutzt werden können. Sie werden oft sehr geschmackvoll mit allerhand schwarzen Mustern verziert. Häufig gehören zu diesen Körben noch Deckel. Auch bei der Herstellung der Matten können wir den Schönheitssinn der Waganda bewundern. Sie werden aus Gräsern oder Bast gleichmäßig und sauber geflochten und meist noch mit Mustern in den Farben schwarz und rot geschmückt. Be- sonders zierlich werden kleine Deckelkörbchen hergestellt, die zum Auf- bewahren der Kaffeebohnen dienen. Hin weiterer Beweis für die höher entwickelte Kultur der Waganda im Vergleich zu den Wanjambo und anderen ist der Gebrauch von Seife. Sie wird von den Leuten aus Fett und Holzasche hergestellt und auch fleißig angewandt.
Zum Hausgerät gehören ferner noch hölzerne Schöpflöffel. Die jetzt häufig von den Waganda zum Kauf angebotenen irdenen Tassen, Becher und Leuchter werden zwar von ihnen selbst angefertigt, stellen aber nur eine Nachahmung europäischer Muster dar.
Als wertvollstes und früher recht häufiges, jetzt aber sehr seltenes Kauf- und Tauschmittel dient das Elfenbein. Im allgemeinen kaufen und tauschen die Leute mit Kindern und Ziegen, Stoffen und Perlen, ihren Industrieerzeugnissen und den in ganz Uganda verbreiteten Kauri- muscheln, die ich bereits im vorigen Kapitel beschrieben habe.
Beabsichtigt ein junger Mganda zu heiraten, so schickt er seiner Auserwählten als Einleitung erst mehrere Tage lang Feuerholz, so wie wir bei gleicher Gelegenheit Blumen. Alsdann erscheint bei dem Vater der Braut einer seiner Freunde als Werber. Ist der Vater einverstanden, so kommt am nächsten Tage der Bräutigam mit zwei angesehenen Männern und seinem Vater, und es beginnen nun die üblichen langen Ver- handlungen mit reichem Genuß von Bananenbier. Der Vater der Braut setzt dem Werbenden auseinander, daß er seine Frau anständig be- handeln müsse und sie vor allem nicht schlagen dürfe, ruft die anwesen- den Freunde als Zeugen dieser eindringlichen Ermahnung an und macht sie auch dafür haftbar. Ist man einig geworden, so schickt der Bräutigam seinem Schwiegervater 1 — 2 Ziegen, Rindenstoffe, Hühner und ähnliches mehr, je nach dem Grade seiner Wohlhabenheit.
Der Brautstand dauert bei den Waganda nur einen Monat. Während dieser Zeit baut der junge Mann mit Hilfe seiner Freunde eine Hütte. Alsdann wird die Braut von den verwandten Frauen unter Gesang
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in die Hütte gebracht; es erscheinen auch die verwandten und befreun- deten Männer und werden wie üblich mit Essen und Bananenbier be- wirtet. Die Flitterwochen, die das junge Paar in Zurückgezogenheit in der Hütte verlebt, dauern einen Monat. Während dieser Zeit bereitet eine Freundin der jungen Frau für das junge Paar das Essen.
Die Zahl der Frauen richtet sich auch hier völlig nach der Wohl- habenheit. Fühlt die Frau ihre Stunde kommen, so hat der Mann alle
Abb. 1 10. Waganda-Mütter mit Kindern.
Waffen aus der Hütte zu entfernen. Alsdann holt er die üblichen weisen Frauen herbei. Von jetzt an darf er die Hütte nicht mehr betreten. Die Stellung, die beim Gebären eingenommen wird, ist die folgende: Die Frau kniet mit gespreizten Beinen und leicht vorgeneigtem Körper, wo- bei die Hände auf die Oberschenkel gestemmt werden. Eine der Geburtshelferinnen unterstützt sie an den Schultern, eine andere nimmt das Kind in Empfang. Drei Tage lang leben Mutter und Kind zurück- gezogen. Am vierten Tage darf die Mutter die Hütte verlassen. Es
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DIE WAGANDA UND WAHE1A.
findet alsdann die mit den üblichen Festlichkeiten verbundene Taufe statt. Wie auch bei uns sieht man die Geburt von Knaben lieber als die von Mädchen. Werden Zwillinge geboren, so finden ganz besonders große Freudenfeste statt.
Männer und Weiber verkehren in recht zwangloser, freier Weise untereinander. Zwar wacht der Mganda über seine Frauen; doch finden diese leichtsinnigen Geschöpfe recht häufig Gelegenheit zum Ehebruch. Die Jugend tritt unmittelbar nach Eintritt der Reife in geschlechtlichen Verkehr. Hier bei den Waganda hat man ein recht deutliches Beispiel dafür, daß der Grad der Bekleidung mit der Moral absolut nichts zu tun hat. So führen die völlig nackten Wageia (siehe Kapitel IV) einen erheb- lich sittlicheren Lebenswandel als die vom Hals bis zu den Füßen in Gewänder gehüllten Waganda.
Erschreckend weit verbreitet sind in Uganda die Geschlechts- krankheiten Lues und Gonorrhoe. Ihnen soll auch der König Mtessa zum Opfer gefallen sein. Aber noch von zahlreichen anderen Krankheiten werden die Waganda heimgesucht. So z. B. haben Pest- und Pocken- epidemien recht häufig unter ihnen gewütet, und in neuester Zeit hat die verheerende Schlafkrankheit alljährlich Tausende dahingerafft. Man sucht die Krankheiten durch Beschwörung zu vertreiben. Die Be- schwörer und Zauberer wissen aber auch aus Pflanzen heilsame Medi- kamente herzustellen. Stirbt ein Mganda, so wird die Leiche einfach in den Busch geworfen; die Mühe des Eingrabens macht man sich nicht. Das Geschäft des Leichengräbers übernehmen Hyänen und Aasgeier. Nur beim König und den Vornehmen des Landes findet eine feierliche Be- stattung in einer eigens zu diesem Zwecke errichteten Hütte statt.
Der Reichtum des Landes hat schon vor vielen Jahren die Araber nach Uganda gelockt, die dort blühende Handelsgeschäfte betrieben und höchst wahrscheinlich auch bei dieser Gelegenheit die Kaurimuscheln eingeführt haben. Die ersten Europäer (Speke und Grant) betraten Uganda bereits im Jahre 1862; die ersten Missionare, angelockt durch die glänzenden Berichte Stanleys über das Land, im Jahre 1877, so daß also schon seit beträchtlicher Zeit europäische Kultureinflüsse sich hier geltend gemacht haben.
Überall findet der reisende Europäer die denkbar beste Aufnahme. Die Stellung von Führern und Trägern stößt auf keinerlei Schwierig- keiten. Kaum steht das Zelt, so finden sich auch schon von allen Seiten die Waganda, in erster Linie die Weiber, mit Verpflegung ein; an vielen Lagerplätzen sogar mit bereits gekochter, die aber von den vornehmen Küstenleuten, den Wasuaheli, verschmäht wird. Sie essen nicht das, was ein Bauer (Mschensi) gekocht hat.
DIE WAGANDA UND WAHEIA.
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Die Waganda sind musik- und tanzliebend. Ihre Instrumente be- stehen, wie Abbildung 113 zeigt, aus zwei verschiedenartigen Trommeln, sowie großen und kleinen Rohrflöten. Die längliche Holztrommel ist mit Leguanhaut bespannt, wird mit den flachen Händen geschlagen und gibt einen hellen Ton, während die große, mit Kinderhaut überzogene
Abb. [Ii. Waganda-Kiuiben.
durch zwei Holzschlägel zum Tönen gebracht wird und unserer Pauke nicht unähnlich ist.
Nur die Großen des Landes halten sich Trommler und Pauken- schläger; die Flöte jedoch findet sich fast in jeder Hütte, und jeder Mganda weiß sie zu spielen und tut dies mit großer Leidenschaft. Man hört von den Flötenspielern immer dieselbe Weise, es muß wohl die Volkshymne der Waganda sein, allerdings mit verschiedenen Variationen. Auf dem Marsche sowohl, vor allem aber abends im Dorfe und im Lager lassen
Weiß, Die Völkerstamme im Norden Deutsch-Ostafrikas.
in
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DIE WAGANDA UND WAHEIA.
sie stundenlang diese einförmigen, aber nicht unharmonischen Melodien erklingen.
Ein weiteres Nationalinstrument der Waganda ist die 7 — 8 saitige Guitarre mit drei Baß- und vier Melodiesaiten. Ein runder, hölzerner Resonanzboden ist mit der schon bei der länglichen Trommel erwähnten Leguanhaut bespannt. Auf der Rückseite wird sie durch geschmack- volles Schnürwerk befestigt. Diesem Instrument weiß fast jeder Mganda recht angenehme Melodien zu entlocken.
Abb. in. Hütte eines armen Mganda im Bananenhain.
Fast allabendlich, besonders aber in mondhellen Nächten, drangen zu mir in das einsame Zelt die Klänge dieser beiden Instrumente, begleitet von einem schwermütigen Gesang und zuweilen unterbrochen von dem in weiter Ferne verhallenden langgezogenen Gebrüll des Königs der Tiere. Waren Harfe und Flöte verstummt, so setzten meine braven Wasukumaträger mit ihren melodischen mehrstimmigen Gesängen ein. Das waren Stunden in dieser schönen, weiten, einsamen Natur, die man nicht schildern kann, sondern erleben muß.
Zu ihrer Trommel- und Flötenmusik tanzen die Waganda mit Leidenschaft und Ausdauer. Die Tänze werden begleitet von takt- mäßigem Händeklatschen, an dem sich auch die Zuschauer beteiligen (Abb. 114). Der Tanz zeigt Variationen. In der Regel beginnt er damit,
DIE WAGANDA UND WAHE1A.
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daß die Leute mit kurzen Schritten und schleifenden Füßen sich in Zick- zacklinien hin und her bewegen oder mit kurzen, stampfenden Schritten vorwärts und rückwärts treten. Es dauert nicht lange, so werden sie warm, werfen das lästige Obergewand ab und schnüren das Unterkleid fester. Von Ermüdung zeigen sie noch keine Spur, im Gegenteil: der Takt wird lebhafter, der Tanz wilder und leidenschaftlicher. Aus dem
Abb. 115. Kapelle des Waganda-Sultans Ruikika.
Kreise der Tänzer tritt jetzt ein ganz besonderer Künstler heraus, der auf der Stelle stehen bleibt und nur mit dem Oberkörper heftige konvul- sivische Zuckungen macht, vor allem läßt er die Bauchmuskeln spielen. Dann wieder lösen sich aus der Tanzgruppe zwei Männer und treten in den Vordergrund, um hier aufeinander zutanzend ganz wilde erotische Beckenbewegungen auszuführen. Zum Schlüsse führen diese beiden Tänzer, von denen einer ein Weib nachahmt, höchst anstößige Liebes- szenen auf. Je drastischer die Darstellung, desto größer der Beifall des
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DIE WAGANDÄ UND WA HEIA.
Publikums. Umgekehrt wird dann dieselbe Tanzszene von zwei jungen Mädchen aufgeführt.
Die Waganda sprechen ihre eigene Sprache, das Kiganda, das mit dem Kinjorro nicht verwandt ist.
Von Buddu durch die Kagera getrennt, liegt südlich die Landschaft Kisiba. Sie erstreckt sich als schmaler Streifen von der Kagera-Mündung am Flusse entlang bis zur Karagwe-Grenze bei der Fähre Njakanjassi. Kisiba erinnert sehr stark an Uganda. Wir finden die gleichen typischen Bodenverhältnisse wie dort: lange, fast immer dem Ufer des Viktoria- Sees parallel laufende Bodenwellen mit einer relativen Durchschnittshöhe von 80 — 100 m. Auch hier dieselbe üppige Fruchtbarkeit. Weite dunkel- grüne, vom kräftigen Seewinde wogend bewegte Bananenhaine beleben das Landschaitsbild und wechseln mit Weide- und Ackerland ab. In den Talsenkungen finden wir Bäche mit klarem Wasser, häufig auch Sümpfe.
Die Entwässerung des an Niederschlägen so reichen Landes erfolgt in erster Linie durch den Ngono-Fluß, den man auf dem Wege von Bukoba nach Kifumbiro auf Einbäumen passiert. Die Fährstelle hier ist von der Station Bukoba staatlich konzessioniert. Für das Uebersetzen wird ein geringer Obolus, der in die Tasche des Sultans Mutahangarua wandert, erhoben.
Das Klima ist gleichfalls dasselbe wie in Uganda, vielleicht noch etwas reicher an Niederschlägen. Zur Regenzeit sind schwere Gewitter häufig, die oft schon ihre Blitze in die schöne Militärstation Bukoba ent- sandt haben. Im Anschluß an diese Gewitter öffnet der Himmel dann besonders kräftig seine Schleusen, so daß oft Ueberschwemmungen ein- treten. Aber auch in der sogenannten Trockenzeit lacht die Tropen- sonne nicht allzu häufig.
Das Land Kisiba ist bevölkert von einem sorglosen, offenen, stets vergnügten Völkchen. Warum sollten die Leute auch nicht fröhlich sein? Wachsen ihnen doch die Trauben, die Bananentrauben nämlich, in den Mund. Die gute Banane ernährt sie, kleidet sie, liefert ihnen Material zum Hüttenbau und ein ganz vorzügliches Bier, das sie wohl zu schätzen wissen. Man findet für die Bevölkerung zwei Namen, nämlich Wasiba, nach ihrem Lande, und auch Waheia. Gebräuchlicher ist letztere Bezeichnung; ich hörte während meiner Anwesenheit fast nur diese. Die Waheia haben sich in Kisiba ziemlich rein und unvermischt erhalten, nur die Herrscher- familie soll Watussiblut besitzen. Dies kann jedoch nur in ganz geringein Maße der Fall sein, denn der ganze Typus der Sultansfamilie gleicht dem der eingeborenen Waheia, und allein der Umstand, daß einzelne ihrer Mitglieder, so auch der Sultan Mutahangarua, zierliche Hände, Hand- und Fußgelenke haben, berechtigt noch nicht zu der Schlußfolgerung, daß Watussiblut in ihren Adern rollt.
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Die Schädelform ähnelt gleichfalls sehr derjenigen der Waganda, jedoch habe ich hier nicht das stark vorstehende Hinterhaupt beobachtet.
Das Gesicht ist oval mit wohlgeformten Zügen, die Nase gleichfalls nicht unschön, meist schmaler wie die Wagandanase. Der Mund ist klein, zeigt
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DIE WAGANDA UND WAHEIA.
gut geschwungene Linien und keine wulstigen Lippen. Die Waheia sind fraglos von der ganzen Urbevölkerung westlich des Viktoria-Sees der